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Baustellen in Frankfurt Verkehrschaos im Sommer

Wenn du gestern noch in einer ruhigen Anliegerstraße wohntest, und am nächsten Morgen hält der Bus vor der Tür: Straßenbaustellen ärgern die Frankfurter – manchmal ohne Vorwarnung.

Bonames
Harheimer Weg in Bonames: drei Wochen lang einspurig stadtauswärts. Foto: Rolf Oeser

Straßenbaustellen im Frankfurter Sommer – heißes Thema. Jüngstes Beispiel: der Harheimer Weg in Bonames, der eine neue Fahrbahndecke erhalten hat. Drei Wochen plagten sich die Anwohner mit den Auswirkungen. Es ist nur eines von mehreren Beispielen der jüngeren Vergangenheit.

Als Jürgen K. zu Ferienbeginn mit der Familie ins Auto stieg und in Urlaub fuhr, war er noch guter Dinge. „Es hieß: Insgesamt sind für die Bauarbeiten drei Wochen vorgesehen.“ So stand es in dem Informationsschreiben des Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE), das die Anwohner im Juni in den Briefkästen fanden. „Dann wären wir zwei Wochen davon verreist gewesen, und vor allem: Uns als Bewohner der Galgenstraße hätte es ja nicht betroffen.“ Doch als die K.s nach zwei Wochen heimkehrten, stellten sie fest: „Das war wohl nix.“

Denn was das Info-Schreiben komplett verschwieg: Gebaut wurde zwar auf dem Harheimer Weg, aber der Verkehr stadteinwärts floss währenddessen mitten durchs Wohngebiet, bog erst nach rechts in die Friedrichsdorfer und dann nach links in die Galgenstraße ab – inklusive Linienbus samt Übergangshaltestelle und Schwerverkehr. Weil der Bus Platz brauchte, wurden in beiden Anliegerstraßen Hunderte Parkplätze gestrichen. In der Friedrichsdorfer Straße durfte gar nicht mehr, in der Galgenstraße nur noch auf einer Seite geparkt werden. Obendrein war die Dornholzhäuser Straße plötzlich Sackgasse, sodass Anlieger von dort rückwärts zur Galgenstraße und anschließend durch halb Bonames fahren mussten, wenn sie Richtung Norden wollten.

„Ich bin stinksauer“, sagt K., „das ist eine ruhige Wohngegend, und auf einmal war hier morgens ab halb sechs Rushhour mit Bushaltestelle. Parkplätze waren vorher schon Mangelware. Man stelle sich vor, was passiert, wenn hier irgendwann noch das riesige Baugebiet Bonames Ost kommt: Chaos total!“ – „Eine Frechheit“, sagt auch Ortsvorsteher Robert Lange (CDU). Damit meint er einerseits die unzureichende Anwohnerinformation („das ist Desinformation“), andererseits den Umstand, dass keine Baustellenampel eingerichtet wurde, die den Verkehr auf dem Harheimer Weg belassen und abwechselnd an der Baustelle vorbeigeführt hätte.

Anwohner beklagten sich bei Lange. Doch der Ortsvorsteher musste selbst mehr als zwei Wochen vergeblich auf eine avisierte schriftliche Antwort aus dem ASE warten. Das ärgert ihn ebenso wie die Belastung der Nachbarstraßen mit Durchgangsverkehr. Übrigens nicht zum ersten Mal. Schon im Sommer 2017, als der Berkersheimer Weg am Frankfurter Berg saniert wurde, gab es enorme Probleme für Anwohner durch Umleitungsverkehr. Und das „Baustellenmanagement“ an der Gießener Straße, ebenfalls Fahrbahnsanierung, nannte Lange „eine Katastrophe“. Aber auch in der Innenstadt hakt es: Wer in diesem Sommer etwa die Junghofstraße während der Arbeit am Großprojekt „Four Frankfurt“ passieren wollte, brauchte starke Nerven. Da war zeitweise kein Durchkommen mehr – als Fußgänger.

Immerhin: Die Maßnahme am Harheimer Weg sei fristgemäß beendet worden, teilte ASE-Leiterin Michaela Kraft auf Anfrage mit. Das eingebaute Material habe aber zwölf Stunden abkühlen müssen, weshalb die Sperren und Umleitungen erst am heutigen Montag abgebaut werden könnten. Was die Verkehrsführung angehe, seien verschiedene Varianten geprüft worden; die Umleitung durchs Wohngebiet habe sich „als die sinnvollste“ erwiesen, so Kraft: „Eine Baustellenampel mit Wechselverkehr hätte zu einem Rückstau bis in den Bereich Am Wendelsgarten und damit zu einer Lahmlegung von ganz Bonames führen können.“

Anwohnern bleibt der Ärger, ohne Vorab-Information plötzlich den Durchgangsverkehr aufgehalst bekommen zu haben. Fazit des Ortsvorstehers Lange: „Die Baustelle sowie auch insbesondere die sehr unzureichenden Informationen an die Öffentlichkeit dazu sind insgesamt leider jeweils keine positiven Glanzstücke.“

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