Lade Inhalte...

Bahnverkehr in Hanau ICE-Verbindung nach Hanau gekappt

Hanau verliert einen von drei Anschlüssen an den ICE-Verkehr. Stadt und Land kritisieren die Entscheidung der Deutschen Bahn.

ICE
Ein ICE (Symbolfoto). Foto: dpa

Hanau hat mit seinem Hauptbahnhof und dessen Umfeld viel vor: Ein Hotel, Läden und zwei Parkhäuser sollen hier in den nächsten Jahren entstehen, der Vorplatz wird neu gestaltet. Gleichzeitig wollen Deutsche Bahn und Stadt den Zugang zu den Gleisen endlich barrierefrei machen. In die längst überfällige Modernisierung soll ein ordentlicher zweistelliger Millionenbetrag investiert werden.

Doch nun hat die Bahn eine Entscheidung bekanntgegeben, die für die Station mit insgesamt 30 000 Fahrgästen pro Tag einen herben Rückschlag bedeutet: Weil die Neubaustrecke Berlin-München über Leipzig, Erfurt und Nürnberg in Betrieb geht, ist Hanau ab Dezember 2017 nur noch an zwei statt an drei ICE-Linien direkt angebunden.

Wie Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter für Hessen, in einem Brief an Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) schreibt, müsse die Bahn ihre Fahrpläne „deutlich modifizieren“, um das Potenzial der neuen Strecke voll nutzen zu können. Eine Folge: Die von vielen Fahrgästen aus Hanau und Umgebung intensiv genutzte Linie 11 von München über Stuttgart nach Berlin hält nicht mehr in Hanau. In die baden-württembergische Landeshauptstadt gibt es nur noch eine Direktverbindung gegen 7.30 Uhr. Begründet wird der Beschluss auch mit Engpässen bei Fahrzeugen und Infrastruktur.

Die Linien von Berlin bis Basel sowie Dortmund bis Wien hingegen sollen in der Brüder-Grimm-Stadt weiterhin halten.

Der Schritt wird in Hanau und der Region scharf kritisiert: Kaminsky spricht von einer „drastischen Reduzierung“ der Fernverbindungen, die für Hanau „jedenfalls nicht dauerhaft zu akzeptieren ist“, so der Oberbürgermeister in seiner Antwort an Vornhusen.

Nach Ansicht von Kaminsky zeigt er Schritt „einmal mehr“, dass die Bedeutung Hanaus und des östlichen Rhein-Main-Gebiets für den Verkehr nicht angemessen beachtet werde. Die Stadt sei ein wichtiger Knotenpunkt. Zudem werde auch der Personen- und Güterfernverkehr von der Nordmainischen S-Bahn profitieren, die ab 2028 von Hanau nach Frankfurt fahren soll.

Darüber hinaus argumentiert der OB mit den Belastungen, die auf seine Stadt zukommen – und der Bevölkerung nur zu vermitteln seien, wenn die Bahn ihr Angebot an Fernzugverbindungen ausbaue, nicht wenn sie es abbaue. Kaminsky verweist darauf, dass Hanau als Teil der Ausweichroute für das Mittelrheintal bald mit mehr Güterverkehr und Lärm rechnen müsse. Dass die Bürger für die neue S-Bahn lange Bauarbeiten ertragen müssten und die Stadt sich an dem Projekt genauso wie am Bahnhofsumbau mit viel Geld beteilige.

Vornhusen deutet an, dass Hanau womöglich „ab circa 2020“ von einem Ausbau des ICE-Angebots profitiert: Die Linie 13 von Berlin bis zum Frankfurter Flughafen könnte auch Hanau ansteuern, wenn „spurtstarke“ neue ICE da sind, teilt Vornhusen mit. Die unverbindliche Ankündigung und der Zeithorizont sorgen im Rathaus für Unmut. Die Stadt will aber weiter das Gespräch mit Bahn und Politik suchen – auch weil sie durch die schlechtere Anbindung etwas an Attraktivität verlieren könnte. Doch die Einflussmöglichkeiten sind begrenzt.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) kündigt an, Hanau zu unterstützen. In einem Schreiben an die Bahn habe er deutlich gemacht, dass das Land - auch unter Berücksichtigung der unternehmerischen Freiheit - die „schnellstmögliche Rückkehr“ mindestens zum heutigen Umfang des Angebots fordere. Die Begründungen der DB würden im Einzelfall plausibel erscheinen, dennoch sei die Reduzierung allenfalls für eine Übergangsphase von wenigen Jahren akzeptabel, so Al-Wazir. Er betrachtet Hanau als für den Fernverkehr unverzichtbaren „Systemhalt“. Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert lehnt die Pläne der Bahn entschieden ab und will dazu beitragen, einen „Standortnachteil“ abzuwenden. Angesichts eines steigenden Verkehrsaufkommens auf den Straßen im Rhein-Main-Gebiet „ist der Wegfall einer wichtigen Bahnverbindung definitiv das falsche Signal, um dem Mobilitätsbedarf gerecht zu werden“, kritisiert Leikert.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum