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Bahn in Frankfurt Gelb für Schwarzfahrer

Beim Aktionstag gegen Schwarzfahren belassen es die Kontrolleure bei Ermahnungen. Ein Kontrolleur berichtet von den absurdesten Ausreden.

Fahrscheinkontrolle in Frankfurt am Main
Kampf gegen Schwarzfahrer: In Frankfurt werden Fahrgäste kontrolliert. Foto: dpa

Die junge Frau schaut etwas verdutzt, als sie am Abgang zur U4 das Großaufgebot der Kontrolleure erblickt. Dann zeigt sie ihre Jahreskarte vor und wird dafür mit einem Kühlschrankmagneten belohnt.

Mit einer großangelegten Aktion an den Stationen Höhenstraße und Bornheim-Mitte appellieren die Verkehrsbetriebe am Mittwoch gemeinsam an das schlechte Gewissen der Schwarzfahrer. Erstmals überhaupt haben sich dafür der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq zusammengetan. „Wir wollen ein Zeichen setzen und die Quote der Schwarzfahrer senken“, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Denn durch Schwarzfahren entgehen dem RMV jedes Jahr rund 40 Millionen Euro. Geld, das auf die Kunden und den Steuerzahler umgelegt werden müsse.

Daher bedanken sich die Kontrolleure in der B-Ebene der Höhenstraße bei den Kunden, die einen gültigen Fahrausweis vorzeigen können, mit kleinen Geschenken. Auch wer schwarzfährt, darf sich an diesem Nachmittag in der Höhenstraße freuen – denn statt einer Strafe in Höhe von 60 Euro bekommt er lediglich eine Gelbe Karte gezeigt.

Allzu viele Gelbe Karten hat Yvonne Seitz von der VGF noch nicht verteilen müssen. Zwei elfjährige Mädchen, die gar keine Tickets haben, und eine Frau, die am Nachmittag einen abgelaufenen Fahrschein vom Vormittag präsentiert, werden ermahnt. Große Diskussionen gibt es nicht, kostet ja nichts. Das ist nicht immer so, wie Steffen Nordmann verrät. „Da müssen Sie mal an normalen Tagen kommen, da können Sie sich was anhören an Ausreden.“ Einmal, erzählt der erfahrene Kontrolleur, habe ein Mann gesagt, er konnte sich kein Ticket kaufen, weil der Automat auf ihn geschossen habe. „Das war die absurdeste Ausrede, die ich je gehört habe.“

Wie hoch die Dunkelziffer der Schwarzfahrer ist, lässt sich nur schätzen. Aber Stationskontrollen wie am Mittwoch, bei denen jeder Fahrgast, der das Gelände verlässt, überprüft wird, lassen Rückschlüsse zu. Etwa über das, was an den Automaten eingenommen wird, wie VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott verrät: „Der Umsatz steigt an Tagen mit Stationskontrollen. Denn wer in die B-Ebene kommt und die Kontrolleure sieht, kauft sich natürlich ein Ticket.

Kontrollen dieser Art lassen auch Vergleiche zwischen den Stationen zu. Wer glaubt, in weniger noblen Wohngegenden gebe es aus Geldmangel mehr Schwarzfahrer, der irrt. „Eher das Umgekehrte ist der Fall“, sagt Wissgott. Das Phänomen Schwarzfahren ziehe sich durch alle Gesellschaftsschichten. Ein geschlossenes Kontrollsystem mit Schranken, wie es in anderen europäischen Großstädten üblich ist, sei trotz der vermehrten Anstrengungen nicht angedacht, sagt Wissgott.

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