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Bahn Hessen will stillgelegte Strecken wiederbeleben

Auf mehreren stillgelegten Strecken in Hessen sollen wieder Züge fahren. Vier Vorhaben könnten relativ schnell umgesetzt werden.

Bahnhof Wiesbaden-Dotzheim
Alte Züge werden nicht auf den reaktivierten Strecken fahren. Foto: Michael Schick

Auf einigen stillgelegten Strecken in Hessen sollen wieder Züge fahren. Vier Vorhaben sind in einem so konkreten Stadium, dass sie bis Mitte der 20er Jahre realisiert werden könnten, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Montag in Wiesbaden. Für die größeren Projekte habe das Land Bundesmittel beantragt. Die kleineren sollen über das jüngst vom Landtag verabschiedete neue Mobilitätsfördergesetz finanziert werden. Die positive Erfahrung mit der Odenwaldbahn zeige, dass bei einem qualitativ guten Angebot die prognostizierten Fahrgastzuwächse noch übertroffen werden könnten. Statt 20 Prozent waren es dort 50 Prozent.

SPD-Landtagsabgeordneter Tobias Eckert warf Al-Wazir vor, kurz vor der Landtagswahl plötzlich das Thema für sich entdeckt zu haben: „Erst jetzt ist der Minister aufgewacht und will umsetzen, was die SPD schon lange fordert – nämlich stillgelegte Bahnstrecken wieder in Betrieb zu nehmen.“ Die Projekte:

Aartalbahn von Bad Schwalbach nach Wiesbaden Im dritten Anlauf will Jörg Gerhard, Geschäftsführer der Wiesbadener ESWE- Verkehrsgesellschaft, es schaffen. Die geplante Wiesbadener City-Bahn hat diese Chance zur Teilreaktivierung der seit dem Jahr 1983 ungenutzten Strecke eröffnet. Die Kosten für den Abschnitt schätzt er auf 70 Millionen Euro. Die City-Bahn soll von Bad Schwalbach die Aartalbahntrasse bis zur Wiesbadener Stadtgrenze nutzen und über die Hochschule Rhein-Main, City, Hauptbahnhof zur Theodor-Heuss-Brücke nach Mainz führen, wo sie in das Mainzer Straßennetz mündet. Es wird auch Expressfahrten geben. Fahrzeitgewinn: rund 15 Minuten zwischen Hochschule und Kastel. Der erste Abschnitt könnte 2022 in Betrieb gehen. Die Planer rechnen mit 100 000 Fahrgästen täglich, das wären 20 000 mehr als derzeit. Hinzu kommt der Profit für Klima und Umwelt. Wiesbaden gehört zu den Städten, denen aktuell ein Dieselfahrverbot droht.

Neu-Isenburg von der Stadt zum Bahnhof Hier geht es um eine einst für Güterverkehr genutzte 2,6-Kilometer-Strecke. Das Projekt ist Teil der Regionaltangente West, die nach Wunsch von RMV-Geschäftsführer Knut Ringat zu einem Schienenring um Frankfurt wachsen soll. Das seit den 90er Jahren diskutierte Vorhaben soll 2024 in Betrieb gehen, sagte Horst Amann, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft.

Es führt von Bad Homburg über den Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich. Vorhandene Bahnstrecken werden mit neu gebauten Stadtbahnstrecken verknüpft, auf denen der Zug ebenfalls fahren kann. Das S-Bahn-Netz wird entlastet, weil nicht mehr jeder über Frankfurt fahren muss. Zeitgewinn je nach Verbindung bis zu 15 Minuten. Einen Teil der Kosten tragen die an der Strecke liegenden Kommunen, die sich davon Vorteile versprechen. Da habe „ein Umdenken stattgefunden“, sagte Al-Wazir. Die Prognose der Planer: rund 45 000 Fahrten pro Tag.

Horlofftalbahn von Wölfersheim nach Hungen Das Ministerium empfiehlt den beiden Kommunen, dem Landkreis Gießen und dem RMV, die Reaktivierung weiter voranzutreiben, und stellt Unterstützung bei den Baukosten in Aussicht. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die zwölf Kilometer lange Strecke am Rand des Wetteraukreises sei besonders gut. Die Kosten für die direkte Verbindung von Hungen nach Friedberg mit Anschluss nach Frankfurt werden auf 20 Millionen Euro geschätzt. Die Reise verkürzt sich um eine halbe Stunde. RMV-Geschäftsführer Ringat rechnet damit, dass 700 Pendler mindestens vom Auto auf die Bahn umsteigen.

Lumdatalbahn in Mittelhessen Derzeit geht es nur per Bus aus dem Lumdatal nach Lollar und Gießen. Von dort fahren Züge ins Rhein-Main-Gebiet. Al-Wazir hat dem Kreis Gießen empfohlen, die Planungen für die Reaktivierung der elf Kilometer langen Strecke von Lollar nach Rabenau-Londorf aufzunehmen. Bei den Baukosten signalisierte er Unterstützung. Grund für die positiven Aussichten seien die zu erwartenden Fahrgastzahlen in Verbindung mit der prognostizierten Siedlungsentwicklung.

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