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Bahn-Chaos in Frankfurt „Hier fährt absolut nichts, der Bahnhof ist tot“

Ein Unwetter legt den Hauptbahnhof in Frankfurt lahm. Die Bahn scheint davon wieder mal genauso überrascht zu sein wie die Fahrgäste. Eine ganz subjektive Momentaufnahme.

Bahn stellt Betrieb nach Unwetter nahezu ein
Brauchen Informationen: Reisende. Foto: Boris Roessler (dpa)

Man ist es gewohnt, tagtäglich zu schimpfen über die Bahn, über ihre „Verzögerungen im Betriebsablauf“, „Oberleitungsschäden“ und „Signalstörungen“. 10 Minuten Verspätung reichen manchem Reisenden schon für einen cholerischen Anfall.

Wenn die Züge wie am Donnerstag dann tatsächlich stundenlang stillstehen, fehlen allen die Worte. Man sitzt resigniert auf seinem Platz, schaut aus dem Fenster und beobachtet, ob nicht doch ein Zug den Bahnhof verlässt. Der ICE darf zuerst raus, die Regionalbahn muss warten. Manche blättern gedankenverloren in einer Zeitschrift, andere versuchen, Informationen über ihr Smartphone zu bekommen. Viele telefonieren mit gedämpfter Stimme: „Wie oft denn noch? Hier fährt absolut nichts, der Bahnhof ist tot.“

Ein Unwetter hat den Hauptbahnhof Frankfurt völlig lahmgelegt, so viel ist sicher. Nach 30 Minuten ist die Sperrung aufgehoben, für viele geht es trotzdem nicht weiter. Warum? Bäume in der Oberleitung, Gegenstände im Gleis, so genau weiß es niemand. Höhere Gewalt eben. Die Schlange an der Information wird immer länger. Diejenigen, die sich zum Schalter durchgekämpft haben, sehen nur wenig informierter aus als der Rest.

Auch die offizielle App der Deutschen Bahn hilft nicht weiter. Soll man in die Regionalbahn nach Wächtersbach steigen, die seit 16.02 Uhr an Gleis 10 wartet? Oder sich durch das Gedränge zur S-Bahn durchkämpfen, nur um dort auf der Anzeige zu lesen, die nächste fahre in 45 Minuten? Natürlich ohne Garantie, dass es bei 45 Minuten bleibt.

Verwirrt wechseln manche von Gleis zu Gleis und fragen die DB-Angestellten in den gelben Westen um Rat, die wohl das Gefühl vermitteln sollen: Die Bahn kümmert sich. Andere haben schon aufgegeben, sind wieder bei Gleis 10 eingestiegen und haben es sich bequem gemacht.

Man muss unwillkürlich grinsen, wenn man aus dem Fenster sieht und einzelne unverbesserliche Optimisten im Vollsprint zur Zugtür rennen sieht, als könnte es jeden Moment losgehen. Lieber aussteigen und erstmal eine Zigarette rauchen oder ein erfrischendes Getränk kaufen, wenn die Bahn schon kein Wasser spendiert, denken sich andere. Auf fünf Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Um 18 Uhr, zwei Stunden nach der planmäßigen Abfahrt an Gleis 10, erfahren die „verehrten Fahrgäste“: Diese Fahrt fällt leider aus. Macht ja auch nichts, wo hätte man sonst einsteigen sollen?

„Bitte informieren Sie sich über Ihre Verbindung“, regen die Durchsagen in den Zügen und am Gleis an. Informieren klingt gut. Die Frage ist nur, wo.

Hier finden Sie eine Übersicht über Abfahrten und Störungen: https://dbf.finalrewind.org/FFT?admode=dep&show_realtime=1

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