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Autobahn-Ausbau in Frankfurt „Mehr Schutz für die Bevölkerung“

Gegen den Autobahn-Ausbau im Frankfurter Osten demonstrieren etwa 75 Menschen. Sie ziehen mit Plakaten, Getrommel und Megafon-Durchsagen von Bornheim in den Riederwald.

Demo gegen den Riederwaldtunnel
Teilnehmer der Demo. Foto: Rolf Oeser

„Wir wollen den sofortigen Baustopp am Autobahndreieck Erlenbruch und die komplette Einhausung der A66 und A661 im Frankfurter Osten“, rief Friedhelm Ardelt-Theeck den Zuhörern zu. Der Sprecher des Aktionsbündnisses unmenschliche Autobahn erinnerte an den fast 40 Jahre währenden Kampf gegen den Autobahn-Ausbau. 

„Wir stehen da, wo das Autobahndreieck Seckbach gebaut werden sollte“, sagte er an einem der historischen Schauplätze, der Lärmschutzgalerie Seckbach. Dort sammelte sich der Zug zu Beginn.

1980 wurde das Dreieck planfestgestellt, „ohne Schutz für die Bevölkerung“, sagte Ardelt-Theeck. Es sei den Klagen der Bürgerinitiativen und Betroffenen zu verdanken, dass die Lärmschutzgalerie und die Lärmschutzwand am Seniorenwohnheim Hufeland-Haus errichtet werden mussten. „Ohne unsere Klagen gäbe es die nicht.“

Auch die Klagen gegen den Riederwaldtunnel von 2007, über die immer noch nicht entschieden worden ist, hätten die hessische Straßenbaubehörde Hessen Mobil zum Umplanen gezwungen. Der Tunnel wurde versetzt. Baumreihen, an denen sich Fledermäuse orientieren, verschont. 

Ihm sei der „Vorwurf“ zugetragen worden, die Bürgerinitiativen würden den Ausbau der Autobahnen auf Jahre verhindern. „Wir sind nicht gegen den Autobahn-Ausbau, sondern gegen den Autobahn-Ausbau ohne entsprechenden Schutz für die Bevölkerung“, erwiderte Ardelt-Theeck. 

Dem stimmte die Demonstrantin Melanie Dörr zu. Sie war mit ihren beiden Söhnen, acht und zehn Jahre, gekommen. „Sparen am Lärmschutz und an der Gesundheit der Kinder, das kann kein Argument sein“, sagte sie. Die Familie wohne direkt am geplanten Ausgang des Riederwaldtunnels  Am Erlenbruch. „Von den fehlenden Luftfiltern, dem Dreck und dem Krach sind wir direkt betroffen.“ Der zehnjährige Johann ergänzte: An den Schulen werde es „laut“, da „kann man nicht lernen“. Die Förderschule Charles-Hallgarten-Schule und die Grundschule Pestalozzischule liegen in unmittelbarer Nähe der Autobahnen.

Es waren zahlreiche Familien mit Kindern auf der Demo. „Auch ich habe schon als Kind gegen die Autobahn demonstriert“, sagte eine Frau, die ihre Tochter auf dem Kindersitz des Fahrrads dabei hatte. Eine andere Frau trug ein Plakat mit der Aufschrift: „Meine Kinder brauchen Schutz.“

Es waren aber auch viele ältere Menschen unter dem Demonstrierenden. Eine 78-Jährige aus Seckbach erinnerte daran, dass sie schon vor 30 Jahren bei Kundgebungen gegen den Autobahn-Ausbau mitgelaufen sei. Das damalige Versprechen, durch den Ausbau der A661 werde Seckbach entlastet, habe nicht gestimmt. „Auf der Wilhelmshöhe Straße ist ja immer mehr Verkehr:“

Walter Schmidt, der Vorsitzende des Bürgervereins Seckbach, forderte einen besseren Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Abgasen. Das könne nur eine „komplette Einhausung“ der Autobahnen leisten, sagte er. Auf seinem T-Shirt stand die Forderung: „Deckel druff“. Das skandierten die Demonstranten auch auf dem Weg von Bornheim in den Riederwald. Die Polizei hatte für die Dauer des Protestzugs von 12 bis 14.30 Uhr eine Fahrspur für die Demonstrierenden freigehalten.

Wenn es nach Stefanie Canaday aus dem Riederwald geht, „sollte die Autobahn überhaupt nicht gebaut werden.“ Sie war schon zweimal im Verkehrsausschuss der Stadtverordnetenversammlung, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Auf eine Diskussion ließen sich die Fraktionen nicht ein. Nur Angela Hanisch von den Grünen sagte zuletzt sinngemäß: Die Grünen seien zwar gegen den Ausbau, aber das Thema liege auf Ebene von Land und Bund. Die Stadt könne nicht viel machen. Damit will sich Stefanie Canaday nicht zufrieden geben. „Ich versuche es weiter.“

Auch das Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn will es weiter versuchen. Die Flyer, die am Bornheimer Markt verteilt worden, fanden viele Abnehmer. Weitere Aktionen sollen folgen.

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