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Verkehr in Hessen Blühende Straßenränder in Hessen

Hessen Mobil will mit einem landesweiten Pilotprojekt den Artenschutz fördern. Drei Jahre soll getestet werden, unter welchen Bedingungen sich Blumen und Stauden neben Landesstraßen und Autobahnen wohlfühlen.

Straßen in Hessen
Was soll an Autobahnen und Landesstraßen wachsen? (Symbolfoto) Foto: Swen Pförtner (dpa)

Wo bislang monotoner Grasbewuchs dominiert, sollen bald viele bunte Blumen und Stauden blühen. Deshalb hat die Landesbehörde Hessen Mobil einen Testbetrieb an den Rändern der von ihr betreuten Straßen begonnen. An sechs Standorten mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit soll in den kommenden drei Jahren erprobt werden, unter welchen Bedingungen sich Wiesenmargerite, Klatschmohn oder Echtes Labkraut neben Landesstraßen und Autobahnen wohlfühlen.

Ziel sei es, gerade an diesen vermeintlich unwirtlichen Stellen die biologische Artenvielfalt zu erhöhen, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der am Mittwoch eine der Versuchsflächen an der Landesstraße 3057 bei Friedrichsdorf besucht hat. „Durch eine optimierte Anlage und Pflege können artenreiche Nahrungs- und Fortpflanzungshabitate für viele Insekten entstehen“, ist er überzeugt.

Das sei zwar kein echter Ersatz für großflächige naturbelassene Räume, räumte Al-Wazir ein, aber die infrage kommenden Straßenränder machten immerhin 0,5 Prozent der Landesfläche aus – was zusammengenommen sogar ein wenig mehr ist als die Fläche der Nordseeinsel Sylt.

Auf dem 200 Quadratmeter großen Testareal bei Friedrichsdorf waren gestern allerdings noch nicht allzu viele Blüten zu sehen. Das sei nicht zuletzt der Trockenheit der letzten Wochen geschuldet, erklärte Beate Albert-ernst, die das Projekt als Agrarbiologin im Auftrag von Hessen Mobil betreut. Die vorhandenen Kornblumen reichten aber immerhin aus, um eine Hummel und eine Wildbiene anzulocken.

Die Testflächen hat Hessen Mobil in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie Friedberg und dem Büro für Landschaftsanalyse Wetzlar ausgewählt. Um möglichst brauchbare Erkenntnisse zu gewinnen, werden jeweils drei Bereiche voneinander abgetrennt und unterschiedlich bearbeitet. Der eine Teil ist für 48 verschiedene Blumen- und Gräsersorten reserviert; auf einem zweiten Areal werden 22 Staudenarten angepflanzt. Der dritte Abschnitt dient als Vergleichsfläche und wird deshalb nicht bearbeitet.

Im Mai sei die Aussaat erfolgt, erläuterte Beate Alberternst. Zuvor seien die entsprechenden Bereiche abgefräst worden, damit sich dort nicht gleich wieder die angestammten Pflanzen ansiedelten. Positiv sei, dass fast alle Stauden angewachsen und viele der Blumenarten bereits zu erkennen seien, wenn auch vorerst nur als kleine, zarte Pflänzchen.

Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen die Testflächen nun gepflegt und ihre Entwicklung beobachtet werden. Dabei solle der Pflegeaufwand insgesamt möglichst nicht erhöht werden, sagte der Präsident von Hessen Mobil, Burkhard Vieth.

Ob das gelingt, ist jedoch eine offene Frage. Bislang werden die Straßenränder durch den Betriebsdienst von Hessen Mobil einmal im Jahr gemäht, und die Mahdreste werden nicht abgeräumt. Das sei gerade für das Wachstum von Wiesenblumen und -stauden jedoch ein Problem, erklärt Projektleiterin Anke Bosch.

Mit dem Test, der den offiziellen Titel  „Artenreiche Blühflächen an Hessens Straßen“ trägt, leiste das Verkehrsministerium seinen eigenen Beitrag, um dem grassierenden Insektensterben zu begegnen, sagte Tarek Al-Wazir. Er ergänze die Kampagne für ein bienenfreundliches Hessen seiner Parteifreundin und Landwirtschaftsministerin Priska Hinz. Dabei geht es unter anderem um das Anpflanzen von Blühstreifen an landwirtschaftlich genutzten Feldern.

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