Lade Inhalte...

Verkehr in Darmstadt Radfahrer dürfen bei Rot abbiegen

In Darmstadt und acht weiteren deutschen Städten ist es bald erlaubt, an bestimmten roten Ampeln rechts abzubiegen.

Der Radfahrer wartet bei Rot auf der Emser Brücke: Ein Signal könnte die Geradeausfahrt regeln. Foto: Christoph Boeckheler

In Darmstadt und acht weiteren deutschen Städten können Fahrradfahrer an ausgewählten roten Ampeln bald nach rechts abbiegen. In der südhessischen Wissenschaftsstadt sollen die neuen Verkehrszeichen an den Kreuzungen Holzhofallee/Berliner Allee, Heinheimer Straße/Rhönring sowie Grafenstraße/Bleichstraße installiert werden.

An den drei Kreuzungen können Radfahrer künftig bei Rot von der erstgenannten Straße nach rechts abbiegen. Allerdings müssen sie zuvor auf Fußgänger und die vorfahrtberechtigten Radler achten. Der Teilnahme an dem Pilotversuch hatte das Darmstädter Stadtparlament auf Antrag der grün-schwarzen Koalition bereits im Dezember 2017 zugestimmt.

Nach Angaben von Peter Roßteutscher, dem Radverkehrsbeauftragten der Stadt Darmstadt, soll der einjährige Pilotversuch im März beginnen. Die entsprechenden Verkehrsschilder, die es in dieser Form bisher nicht gibt, seien bereits bestellt und würden zusammen mit den zugehörigen Kameras an den Straßenkreuzungen montiert. Mit den Kameras, die am Ampelmast befestigt werden, soll Roßteutscher zufolge analysiert werden, welchen Einfluss die Schilder auf das Fahrverhalten der Radler haben. Zudem soll überprüft werden, ob es durch die Neuregelung zu Konflikten oder Unfällen kommt. Beim Einsatz der Kameras werde auch der Datenschutz streng beachtet, Roßteutscher zufolge sollen Verkehrsteilnehmer durch die Aufnahmen nicht identifiziert werden können. 

Die Initiative „Darmstadt fährt Rad“ teilte mit, der Pilotversuch sei „keine Innovation“, weil es die Regelung, die „gut für den Radverkehrsfluss und längst überfällig“ sei, schon in anderen Ländern gebe. Und tatsächlich haben auch andere Länder schon Erfahrungen mit dem freien Rechtsabbiegen für Radfahrer an roten Ampeln gemacht. Die Schweiz hat dazu in Basel einen Testversuch erfolgreich abgeschlossen. In Frankreich und den Niederlanden gibt es entsprechende Schilder. Das Verkehrszeichen „Idaho-Stop“ im US-Bundesstaat erlaubt es Radfahrern seit 1982, rote Ampeln wie Stoppschilder zu behandeln und Stoppschilder wie „Vorfahrt achten“. 

Der grüne Pfeil für den rechten Fahrbahnrand ist seit 1994 Bestandteil der Straßenverkehrsordnung (StVO). In der DDR wurde er 1978 eingeführt. Mit der Novellierung der StVO soll der Grünpfeil auf den am rechten Fahrbahnrand gelegenen Radfahrstreifen sowie bauliche Radwege an der Straße ausgedehnt werden. Der Testversuch läuft bis Ende 2019. Mitte 2020 könnte die StVO entsprechend geändert werden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt den Testversuch in den neun deutschen Städten: „Wir finden es bundesweit richtig, dass dieses Experiment gemacht wird“, sagte Bertram Giebeler, der verkehrspolitische Sprecher des ADFC in Frankfurt. 

Im Frankfurter Stadtgebiet gilt diese Regelung jedoch vorerst nicht. Dabei gebe es in der Stadt zahlreiche Situationen, wo Grünpfeile sinnvoll beim Rechtsabbiegen wären, sagte Giebeler. Er nennt beispielhaft die Alte Brücke, von wo aus Fahrradfahrer, die auf den Mainuferradweg in Sachsenhausen wollen, derzeit an der roten Ampel anhalten müssen. „Hier könnten sie gefahrlos rechts abbiegen, wenn sie auf die Fußgänger achten, die Vorrang haben.“
Eine andere Möglichkeit wäre an der Kreuzung Kennedyallee und Niederräder Landstraße in Frankfurt, sagte Gert Stahnke, der Leiter des Straßenverkehrsamts. Das Amt werde das Ergebnis des Testversuchs abwarten. Falls die Allgemeine Verwaltungsvorschrift in der Straßenverkehrsordnung geändert werde, wolle die Stadt Möglichkeiten nutzen, den Grünpfeil an ausgewählten Kreuzungen anzubringen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen