Lade Inhalte...

Velimir Bujanec Jubiläum mit einem Hetzer

Ein rechter TV-Moderator ist bei der Feier der kroatischen Gemeinde Mainz. Das Bistum, das die Feierlichkeiten finanziell unterstützt hatte, bedauert den Auftritt.

Velimir Bujanec
Velimir Bujanec (r.) bei einer Feier in Zagreb. Foto: Imago

Es war ein großes Fest, zu dem die kroatische katholische Mission in Mainz am vergangenen Samstag geladen hatte. Die Ludwig-Eckes-Festhalle im Vorort Nieder-Olm war mehr als gut gefüllt, die Ehrengäste, die zur Feier des 50. Jahrestags der Gründung dieser Auslandsgemeinde gekommen waren, zahlreich: darunter der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, der Mainzer Diözesan-Bischof Peter Kohlgraf sowie weitere Vertreter des Bistums Mainz. Ein Gast indes sorgt im Nachhinein für Kritik: der kroatische TV-Moderator Velimir Bujanec.

In einer knapp achtminütigen Ansprache hatte sich Bujanec am Samstagabend an das Publikum gewandt. Weniger problematisch als der Inhalt der Rede, in der Bujanec das kulturelle Engagement der Auslandskroaten lobte und den immer noch anhaltenden Wegzug junger Menschen aus dem Balkanstaat bedauerte, ist die Person Bujanec selbst.

In Kroatien ist der 43-jährige TV-Moderator eine ebenso bekannte wie berüchtigte Person des öffentlichen Lebens – vor allem aufgrund des von ihm offen propagierten Nationalismus und seiner Vergangenheit als bekennender Anhänger der faschistischen Ustascha-Bewegung.

Medial präsenter Rechtsradikaler

In den von den jugoslawischen Sezessionskriegen geprägten 1990ern gehörte Bujanec zu den medial präsentesten Rechtsradikalen des Landes, der sich für Zeitungen ungeniert in Ustascha-Uniform mit Hakenkreuzbinde ablichten ließ, den Holocaust relativierte und die „Lösung der Serbenfrage“ nach dem von der Ustascha übernommenen Motto „Ein Drittel vertreiben, ein Drittel konvertieren, ein Drittel töten“ propagierte. Zu jener Zeit war Bujanec noch Mitglied der von Ustascha-Führer Ante Pavelic selbst gegründeten Nachfolgeorganisation HOP – zusammen mit dem späteren kroatischen Kulturminister Zlatko Hasanbegovic, dessen Grüße er am Samstagabend übermittelte. Bujanec tat sich in den 90ern zudem mit körperlichen Angriffen auf Vertreter der serbischen Minderheit hervor.

Bujanec hetzt immer noch

Seit 2009 ist Velimir Bujanec mit einer eigenen Talkshow in Kroatien auf Sendung, die er regelmäßig für Hetze gegen nationale und andere Minderheiten sowie alle, denen er „mangelnden Patriotismus“ unterstellt, nutzt. Seine Unterstützung der weit nach rechts gedrifteten konservativen Regierungspartei HDZ hat ihn trotz seiner Vergangenheit inzwischen zu einem auch von etablierten Politikern hofierten Medienstar der extremen Rechten in Kroatien gemacht, mit deren Protagonisten er gute Kontakte unterhält.

Die kroatische Gemeinde in Mainz erklärte auf FR-Anfrage lediglich, dass der Auftritt von Bujanec nicht Teil des offiziellen Programms gewesen sei. Als das Gespräch auf die Aktivitäten von Bujanec kam, beendete der zuständige Pfarrer Ante Bilic das Gespräch.

Das Bistum Mainz, das die Feierlichkeiten finanziell unterstützt hatte, hingegen bedauerte in einer Stellungnahme, dass der Festakt durch den Auftritt von Bujanec „in ein falsches Licht gerückt worden ist“. „Das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung und die einseitige Betonung nationaler Interessen“, heißt es in der Stellungnahme weiter, „ist mit einer christlichen Perspektive nicht vereinbar.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen