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Uniklinik Gießen Verfahren gegen Adnan G.s Arzt eingestellt

Der Wetteraukreis ist mit seiner Strafanzeige gegen Bernd Gallhofer gescheitert. Der Arzt hatte die FR über die Abschiebung eines schwer kranken Mannes informiert.

Adnan G. (2. v. l.), seine Frau und die vier Töchter leben in einem Zimmer. Ohne Betten, Tisch, oder Heizung. Foto: Adelheid Wölfl

Die Ermittlungen gegen den Direktor der Psychiatrie an der Uniklinik Gießen sind eingestellt. Der Wetteraukreis ist mit seiner Strafanzeige gegen Bernd Gallhofer gescheitert. Der Arzt hatte vor rund einem halben Jahr die Frankfurter Rundschau darüber informiert, dass der Landkreis die Abschiebung eines schwerkranken Roms in den Kosovo ermöglicht hatte. 

Die Behörde habe den Mann am 1. März unter einem Vorwand nach Friedberg gelockt, wo ihn Polizisten zur sofortigen Abschiebung abtransportierten. Die Kreisverwaltung stellte daraufhin Strafanzeige gegen Gallhofer: Er habe gegen die ärztliche Schweigepflicht sowie gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen. Außerdem warf sie ihm versuchten Betrug vor. Die Uniklinik habe eine Rechnung für eine Behandlung gestellt, die der 32 Jahre alte Rom auch hätte in seinem Heimatland bekommen können. 

Das Landratsamt wollte am Montag auf Anfrage nichts zu der Einstellung des Verfahrens sagen: „Wir kommentieren das nicht“, sagte Pressesprecher Michael Elsaß. Gallhofer möchte zunächst die schriftliche Begründung der Staatsanwaltschaft abwarten, bevor er sich öffentlich äußert.

Der Fall des kranken Roms hatte hohe Wellen geschlagen. Andere Medien berichteten, der hessische Landtag und Kommunalparlamente beschäftigten sich damit. Einer FR-Reporterin gelang es, die sechsköpfige Familie in Pristina aufzuspüren, wo sie in widrigsten Umständen lebte – keine Betten, keinen Tisch, kein Waschbecken, keine Heizung, keine Stühle. Und auch keine Medikamente gegen die starken Ängste, das Gefühl der Bedrohung, die Schlaflosigkeit – im Kosovo-Krieg 1999 hatte Adnan G. Schlimmstes erlebt.

Die Gießener Ärzte diagnostizierten bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung. Er hatte sich wegen schwerer depressiver Episoden in stationärer Behandlung an die Uniklinik begeben. Als er im Krankenhaus war, wurden im Januar bereits seine Frau und die vier Kinder abgeschoben. Denn alle Rechtsmittel waren ausgeschöpft. 

Am 1. März wurde er dann von der Klinik aus ins Landratsamt bestellt, um die Kostenübernahme für die Behandlung und sein Taschengeld zu klären. Dort erklärte ihn ein Amtsarzt für reisefähig. Der 32-Jährige wurde abgeschoben. Das Regierungspräsidium begründete den Schritt: Er sei einer Vorladung des Amts zur Prüfung seines Gesundheitszustandes nicht nachgekommen. Dass dies eine natürliche Folge seiner Krankheit ist, hätten die Behörden ignoriert, kritisierte Gallhofer.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen hatte es nur in einem Punkt der Strafanzeige einen „Anfangsverdachtverdacht“ gegeben. Es ging um zwei am selben Tag und vom selben Arzt ausgestellte Atteste, die widersprüchliche Behandlungszeiträume angaben. „Das war ein Datumsfehler, das hat sich aufgeklärt“, sagt der Sprecher der Behörde, Rouven Spieler. Für die Staatsanwaltschaft sei der Fall damit abgeschlossen. 

Nicht aber für Gallhofer. Unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen ist die Landesärztekammer wegen der Strafanzeige verpflichtet, ein berufsrechtliches Verfahren gegen ihn einzuleiten. 


 

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