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Ungwöhnliche Wohnorte III Siedlung in freier Natur

Etwa 50 Häuser, in drei Stichstraßen gestaffelt und mit üppigen Gärten drumherum, stehen sie abseits und direkt an der Nidda.

22.08.2008 00:08
Anita Strecker

Offiziell firmieren sie unter Sossenheim III. Das hilft aber weniger intimen Kennern der Örtlichkeiten nicht wirklich weiter. Von Alt-Sossenheim links ab in die Wiesenfeldstraße und nach anderthalb Kilometern durch Wiesen, Felder und am Alten Wasserwerk vorbei - just dort, wo der Großstädter eigentlich nichts mehr als die Nidda erwartet, kommen sie: die Häuser der Siedlungsgemeinschaft Im Mittleren Sand. Etwa 50 Häuser, in drei Stichstraßen gestaffelt und mit üppigen Gärten drumherum, stehen sie plötzlich da. Direkt an der Nidda.

Blumen blühen zwischen Gips- löwen und Miniteichen, außer einem leisen Plätschern ist kein Mucks zu hören. "Eine liebenswerte Siedlung." Lothar Ockler, Sprecher der Häusergemeinschaft, die seit 1959 ganz offiziell dem deutschen Siedlerbund angehört. Das schweißt zusammen. Zumal auf dieser Wohninsel, auf der es weder Laden noch Kneipe gibt.

Aber ganz viel Ruhe. "Das Tolle ist, dass wir die Großstadt direkt vor der Haustür haben, aber wenn man genug von der Hektik hat, geht man heim in seinen Garten und ist mitten in der Natur." Oder man babbelt mit den Nachbarn. Oder radelt ein wenig an der Nidda. Ohnehin der schönste Anfahrtsweg: Ab Nied am Wasser entlang und über den Steg hinterm Höchster Wehr ans andere Ufer.

Ockler wohnt seit 1975 mit seiner Frau Im Mittleren Sand. Hat ein Häuschen, das frei wurde, gekauft. Neu bauen geht nicht. Die Siedlung ist erschlossen.

Mit einer Hühnerfarm und ein paar Gärten hat alles in den 30ern angefangen. Als der Strom der Heimatvertriebenen nach Kriegsende Frankfurt überrollt, zieht die Stadt eilig Behelfsquartiere auf dem Areal hoch. Anfang der 50er wird der Grund offiziell zu Bauland erklärt, die Stadt verpflichtete sich per "Gewässerausbau", den Grundwasserspiegel niedrig zu halten, um die Siedler über Wasser zu halten. Nicht von ungefähr, wie alte Bilder der Verwüstung auf der Homepage der Siedler dokumentieren: Land unter in Sossenheim, Nied - und: Im Mittleren Sand. "Das wollen wir nie wieder haben", steht darunter.

Doch genau das befürchten die Siedler, wenn die Stadt wie geplant Nidda und Sulzbach renaturiert. Ockler pocht auf ihr Recht auf Gewässerausbau. "Andernfalls muss uns die Stadt entschädigen oder umsiedeln." Aber Letzteres wäre wirklich das Letzte. ana

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