Lade Inhalte...

Unesco-Auszeichnung Biosphäre im Ballungsraum

Die Landkreise Main-Taunus und Rheingau-Taunus sowie Wiesbaden könnten zu einer Biosphärenregion nach Unesco-Kriterien werden. Eine Machbarkeitsstudie soll Ende 2019 fertig sein.

Schlossplatz in Wiesbaden
Dass eine große Stadt wie Wiesbaden Teil einer Unesco-Biosphärenregion ist, wäre in Deutschland einzigartig. Foto: Michael Schick

So richtig gezündet hat die Idee, die Landkreise Main-Taunus und Rheingau-Taunus sowie die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden zu einer Biosphärenregion nach Unesco-Kriterien zu machen, in der Öffentlichkeit offenbar noch nicht. Gerade einmal zwei Dutzend Besucher kamen aus rein privatem Interesse zum als „Bürgerforum“ angekündigten Informationsabend am Mittwoch ins Hofheimer Landratsamt. Die große Mehrheit der Teilnehmer bildeten Kommunalpolitiker – Bürgermeister und Stadtverordnete – sowie Vertreter von Initiativen, Vereinen und Verbänden. Das Thema, das dabei vor allem interessierte, war einer spontanen Umfrage der Moderatorin zufolge der Umwelt- und Naturschutz in dem 140 000 Hektar großen Areal im Westen des Rhein-Main-Gebiets, zu dem Teile des Taunus ebenso gehören wie der Limes und das obere Mittelrheintal, die Unesco Weltkulturerbe sind. 

„Was genau soll der Nutzen einer Biosphärenregion sein“, wollte Thomas Kandziorowsky von den Freien Wählern aus Liederbach wissen. Es stelle sich die Frage, „ob uns das Land Hessen im Kampf gegen Verkehrs- und Fluglärm unterstützt, wenn wir Biosphärenregion sind“, sagte die Hochheimer Grünen-Stadtverordnete Birgit von Stern. 

Fragen wie diese wurden beim Bürgerforum nicht beantwortet. Den Nutzen müssten die teilnehmenden Kommunen selbst für sich definieren, sagte Frauke Druckrey, die Mitglied des Deutschen Unesco-Komitees ist. „Das ist ein Prozess, den müssen sie miteinander auskämpfen.“ In der Hessischen Rhön etwa habe es geraume Zeit gedauert, die Kernzonen der Biosphärenregion zu finden, in der keine Landwirtschaft mehr stattfindet, keine Waldbewirtschaftung und keine Jagd. 

Einzigartig in Deutschland

Drei Prozent der Gesamtfläche müssten das sein, erläuterte Frauke Druckrey und räumte ein, „dass das im dicht besiedelten Ballungsraum des Rhein-Main-Gebietes mit steigenden Bevölkerungszahlen, immer mehr Arbeitsplätzen und knappem Wohnraum nicht einfach wird.“ Auch die Rolle, die die Stadt Wiesbaden in der Biosphäre spielen soll, sei keineswegs festgelegt. „Da haben Sie mit Ihrem Projekt Pilotfunktion“, sagte Druckrey. Nirgendwo in Deutschland gebe es bisher eine Biosphärenregion, in die eine Großstadt eingebunden sei. „Es wird spannend, wie sich das lösen lässt.“

Renate Labonté vom Hessischen Umweltministerium beschrieb den Prozess, der ablaufen wird, bis die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Ende 2019 vorliegen. Bis Oktober 2018 seien Bürgerforen in den Landkreisen und in Wiesbaden geplant sowie eine Online-Befragung der Bevölkerung. In der anschließenden Planungsphase gehe es darum, die räumlichen Grenzen einer möglichen Biosphärenregion zu ziehen, sie in Zonen einzuteilen und die Chancen für die insgesamt 29 Kommunen herauszuarbeiten. Auch Risiken und Hemmnisse müssten benannt werden, sagte Labonté. Und es werde darum gehen, festzustellen, welche Städte und Gemeinden überhaupt Interesse hätten, einen Teil ihrer Gemarkung als Kernzone zur Verfügung zu stellen, in der die Natur künftig sich selbst überlassen wird. Ein Steuerungskreis mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt- und Sozialverbänden sowie Kirchen werde den Prozess begleiten. Am Ende müssten die Parlamente der Landkreise sowie der Städte und Gemeinden entscheiden, ob sie der Biosphärenregion beitreten wollen oder nicht. 

Das Land Hessen gibt rund 200 000 Euro für die Machbarkeitsstudie aus. Eine Geschäftsstelle für das Projekt wurde eingerichtet. Es gehe keineswegs darum, dass in einer Biosphärenregion alles unter Naturschutz gestellt werde, hatte Umweltministerium Priska Hinz (Grüne) bereits im Februar bei Vorstellung des Projektes gesagt: „Das Gegenteil ist der Fall. Natur, Tourismus, regionale Wertschöpfung, Landwirtschaft und verträgliche Mobilität sollen in Einklang gebracht werden.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen