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Umweltschutz Sorge um Trinkwasser aus dem Ried

Der BUND fordert Untersuchungen zu einem Chemikalieneintrag. Bereits vor zwei Jahren wurden Verunreinigungen im Wasser festgestellt. Probeweise sollen nun Kläranlagen aufgerüstet werden.

Hessenwasser Zentrallabor
Im Zentrallabor von Hessenwasser in Darmstadt werden regelmäßig Trinkwasserproben untersucht. Foto: Sascha Rheker (Sascha Rheker)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) drängt auf Untersuchungen des Grundwassers im Hessischen Ried. Nachdem dort vor zwei Jahren chemische Verunreinigungen entdeckt worden waren, tue die Landesregierung zu wenig, um die Herkunft und Gefährlichkeit der Chemikalien zu klären. Nur so aber könne auch die Ursache beseitigt und die Bevölkerung vor möglichen Risiken geschützt werden.

„Aus dem Grundwasser im Hessischen Ried werden mehrere Hunderttausend Menschen in Wiesbaden und Frankfurt versorgt“, sagt Hans-Joachim Grommelt, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wasser. Diese Menschen müssten sofort und dauerhaft vor den Verschmutzungen im Wasser geschützt werden, fordert Grommelt. Der BUND geht davon aus, dass die Chemikalien aus den Abwasserleitungen der Firma Merck und aus kommunalen Kläranlagen vor allem der Stadt Darmstadt stammen.

Ein Gutachten des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hatte im Jahr 2015 Hunderte verschiedene Chemikalien in den Brunnen des Wasserwerks Dornheim nachgewiesen. Eine weitere Studie des Landesamts hat laut BUND gezeigt, dass Arzneimittelreste und andere chemische Stoffe aus der Darmstädter Kläranlage in die Trinkwasserbrunnen wanderten. Insgesamt geht es laut dem Verband um rund 500 Substanzen. Allerdings sagten die Studien nichts über die Konzentration und eine mögliche Gefahr für den Menschen aus.

Im Februar hatten mehrere SPD-Landtagsabgeordnete das Sozialministerium, das für die Trinkwasserverordnung zuständig ist, nach den Chemikalien im Ried gefragt. Die Antworten fielen den Sozialdemokraten zu dürftig aus. „Die Landesregierung scheint dem Chemikalienaufkommen nur wenig Interesse zu schenken“, kritisiert die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angelika Löber. Es müssten dringend weitere Untersuchungen erfolgen, um die Verbraucher zu schützen, fordert sie.

In der Antwort des Sozialministeriums, die mit dem Umweltministerium abgestimmt sei, heißt es: „Im Trinkwasser aus dem Ried werden gegenwärtig keine gesundheitlichen Orientierungswerte überschritten.“ Die Werte seien so niedrig angesetzt, dass auch bei lebenslanger Aufnahme der jeweiligen Stoffe kein Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis bestehe.

Entfernen „kaum möglich“

Zudem sei eine „vollständige Eliminierung (Entfernung, d. Red.) von in die Umwelt eingetragenen Spurenstoffen (...) kaum möglich“. Dies sei auch nicht nötig, da durch die Mischung von Wasser aus verschiedenen Brunnen sichergestellt werde, dass keine Grenzwerte überschritten würden. Das, so die SPD-Politikerin Löber, sei allerdings keine Lösung des Problems.

Zur Entlastung des Wassers von Spurenstoffen werde das Land nun zwei Pilotprojekte fördern, teilte das Sozialministerium mit. So sollten die Kläranlagen der Gemeinde Büttelborn und des Abwasserzweckverbands Bickenbach-Seeheim-Jugenheim mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden. Damit solle erprobt werden, wie weit solche Reinigungsstufen die Spurenstoffe aus dem Abwasser der Kläranlagen entfernen können.

Der BUND begrüßt dieses Pilotprojekt. Allerdings bestehe dafür auch ein großer Bedarf. Im bundesweiten Vergleich sei die Belastung im Hessischen Ried „extrem hoch“, so Grommelt. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg seien trotz geringerer Belastungen bereits weiter. Dort seien schon zwei Dutzend Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe ausgerüstet.

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