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Umweltschutz in Hessen Erster Leihladen in Hessen öffnet

Hessens erster Leihladen öffnet demnächst in Maintal im Main-Kinzig-Kreis. Kunden können dort Bohrmaschinen und andere Geräte und Werkzeuge kostenlos ausleihen.

Maintal
Florian Grünert ordnet in Hessens erstem Leihladen schon mal ein. Bis Freitag werden Regale aufgebaut, die der Verein Bürgerhilfe gestiftet hat. Foto: Enrico Sauda

Um zwei Löcher in die Wand zu bohren, gleich eine Bohrmaschine kaufen oder sich für einen Campingausflug ein Zelt zulegen, das man später höchstwahrscheinlich nicht mehr benötigt? So etwas lässt sich künftig im Maintaler „Leihladen“ borgen – kostenlos. „Es ist der erste hessische Leihladen“, sagt Florian Grünert, Ansprechpartner der Initiative, die aus fünf Personen besteht. Die Eröffnung soll demnächst erfolgen, noch aber braucht der Laden Sachspenden, damit der Betrieb anlaufen kann. „Die Resonanz ist bereits sehr groß“, so Grünert.

„Mit dem Leihladen wollen wir etwas gegen unnötigen Konsum und damit auch was für die Umwelt tun“, sagt Grünert, der hauptberuflich das Kulturbüro der Stadt Maintal leitet. Günstige Preise verführten meist zum Kauf von Dingen, die nur ein, zwei Mal genutzt würden. „Eine Bohrmaschine wird in einem gewöhnlichen Haushalt statistisch über zehn Jahre rund 15 Minuten genutzt“, sagt Grünert. Leihen sei zudem entlastend. Man benötige im Keller oder auf dem Dachboden keinen Platz für den Gegenstand und müsse sich nicht stetig um dessen Erhalt kümmern.

Das Projekt soll außerdem eine soziale Komponente haben. „Wir könnten die Ausleihe über das Internet abwickeln. Der Laden ist uns aber wichtig, damit sich Menschen treffen können“, erläutert Grünert. Daher wurde die Initiative bei dem seit vielen Jahren bestehenden Projekt Stadtleitbildprozess angesiedelt.

Beim zuständigen Ersten Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) stieß das Quintett sofort auf offene Ohren. „Das Hauptproblem bestand anfangs darin, einen Raum zu finden, ohne sich der Gefahr einer Privatinsolvenz auszusetzen“, erzählt Grünert. Denn mit dem Leihladen soll kein Geld eingenommen werden, daher dürfen keine Betriebsausgaben entstehen. Ein kostenfreier Platz fand sich in einem ehemaligen Getränkemarkt im Gewerbegebiet von Maintal-Dörnigheim. Das Gebäude hat die Stadt zur Unterbringung von Geflüchteten und für Deutschkurse gemietet. Der Leihladen verfügt über einen Raum mit gut 30 Quadratmetern, der strategisch günstig gegenüber einem großen Verbrauchermarkt liegt.

Das Know-how für den Leihbetrieb hat sich die Initiative vom Berliner „Leila“ besorgt, der als der erste in der Republik gilt und seit 2010 besteht. Von „Leila“ bekamen die Maintaler auch die Datenbank-Software zur Ausleiheverwaltung, natürlich gespendet. Rechtliche Fragen wurden in einer Rechtsberatung durch einen Anwalt geklärt. Zudem will sich die Initiative das „Repair-Café ins Boot holen“, damit bei Reparaturen oder Wartung der Leihgeräte die Hilfe von Fachleuten in Anspruch genommen werden kann, die ebenso wie die Akteure des Leihladens ehrenamtlich tätig sind.

Wie in einer Bücherei müssen auch die Nutzer des Leihladens Mitglied werden. Kosten entstehen jedoch keine. Für die Ausleihe wird kein Obolus verlangt, lediglich eine Kaution muss hinterlegt werden, für den Fall, dass das Leihgut nicht mehr oder defekt zurückgebracht wird.

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