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Übergriffe Aktiv gegen sexuelle Gewalt

An hessischen Schulen wurden im vorigen Jahr mindestens 62 Schülerinnen und Schüler zu Opfern sexueller Gewalt.

Sexuelle Belästigung
Nein, nicht den Mund halten, sondern reden. (Symbolfoto) Foto: Andreas Arnold

Hessen bemüht sich mit einer Reihe von Angeboten, sexuelle Übergriffe an Schulen zu verhindern. Falls Schülerinnen und Schüler aber solche Erfahrungen machen, sollen Ansprechpartner für Betroffene zur Verfügung stehen. Das Land bildet daher Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter fort, damit sie mit dem Thema sexuelle Gewalt richtig umgehen können. Im laufenden Jahr gibt es solche Fortbildungen in fünf der 15 hessischen Schulamtsbezirke, im nächsten Jahr sind sie in acht Bezirken geplant. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf Fragen der SPD-Abgeordneten Karin Hartmann mitgeteilt.

Lorz listete auf, von wie vielen Fällen sexueller Gewalt an Schulen die Polizei in Hessen erfahren hat. Im vergangenen Jahr wurden 69 derartige Vorfälle registriert, davon 66 an öffentlichen und drei an privaten Schulen. Die Zahl der Opfer wurde mit 62 angegeben – so dass einige Schülerinnen oder Schüler mehrfach angegangen worden sind.

Mädchen sind deutlich häufiger betroffen, aber auch Jungs können Opfer sexueller Gewalt werden. Die polizeiliche Kriminalstatistik vermerkte nach Angaben des Ministers 47 weibliche und 15 männliche Opfer.

In den vergangenen Jahren lagen die Zahlen mal etwas höher, mal etwas niedriger. 2015 wurden den Angaben zufolge 61 Fälle sexueller Gewalt an Schulen mit 46 Opfern in Hessen gezählt, im Jahr 2014 waren es 77 Fälle mit 72 Opfern gewesen.

Aus den Zahlen geht nicht hervor, wie häufig es sich um sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen handelte und wie oft Lehrkräfte beteiligt waren. Am Mittwoch hatte der Prozess gegen einen Frankfurter Oberstudienrat begonnen, der zwei 15-jährige Schülerinnen missbraucht haben soll. In Hessen ist nach einer im Sommer vorgestellten Studie jeder vierte Jugendliche Opfer körperlicher sexueller Gewalt geworden.

Wissenschaftler von den Unis Marburg und Gießen hatten für diese „Speak“-Studie im Auftrag des Kultusministeriums landesweit 2700 Jugendliche in neunten und zehnten Klassen befragt. „Für 2018 ist eine spezifische Fachtagung zur Speak-Studie geplant“, teilt Minister Lorz nun mit.

In seiner Antwort an die SPD-Abgeordnete Hartmann verweist der Kultusminister auf zahlreiche Bemühungen der Aufklärung, Prävention und Beratung. So sei die Bundesinitiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ aufgegriffen worden. Anfang dieses Jahres hätten alle hessischen Schulen eine überarbeitete Handreichung dazu bekommen. Die Schulleiter seien in einer Dienstversammlung unterrichtet worden.

Auch die „Trau Dich“-Initiative des Bundes war in Hessen aufgegriffen worden. Das Schultheaterstudio Frankfurt spielt sein Stück „über Gefühle, Grenzen und Vertrauen“ im ganzen Bundesland und bietet begleitende Fortbildungen für Lehrkräfte an. Im Oktober hatte es Hessen-Premiere. Das Bund hat dafür nach Auskunft von Minister Lorz knapp 24 000 Euro hinzugegeben, das Land übernimmt Kosten von bis zu 4170 Euro pro Aufführungs- und Fortbildungstag.

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