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Trüffel in Hessen Hessens erste Trüffelplantage

Im Vogelsberg liefern sich zwei ehemalige Geschäftspartner einen Wettkampf im Anbau der Luxuspilze.

Trüffel in Hessen
Von außen machen Trüffeln nicht viel her. Aber drinnen steckt der einzigartige Duft. Foto: Gerhard Schuster

Peter Hamel sieht es ganz pragmatisch. „Wenn es keine Trüffeln gibt“, sagt er, „dann gibt es wenigstens Haselnüsse.“ Der 60-Jährige aus dem Vogelsbergkreis ist Vollerwerbslandwirt, hat studiert, promoviert und ist streitbar. Er kämpft gegen Gentechnik und Glyphosat und hat ein Faible für das Ungewöhnliche. Auf seinem Hof in Schwalmtal produziert er nicht nur Milch und Kartoffeln, sondern züchtet auch eine alte Landschweinerasse und baut seltene Getreidesorten und Leinsamen an. Vor drei Jahren pflanzte er 50 Haselnussbäume, die, wenn alles so geht wie Hamel sich das vorstellt, einmal etwas ganz Besonderes werden sollen: Hessens erste Trüffelplantage. Denn bei den aus Frankreich importierten Setzlingen handelte es sich um sogenannte Trüffelbäume, deren Wurzeln mit Sporen des Trüffelpilzes geimpft worden waren.

In Südeuropa werden auf diese Weise schon seit langem erfolgreich Trüffeln gezüchtet. Ob und wie das auch in Deutschland funktioniert, weiß zwar noch niemand so genau. Doch der Vogelsberger Landwirt ist keineswegs der Einzige, der es versucht. Sogar ein „Verband für Trüffelanbau und Nutzung in Deutschland“ hat sich bereits gegründet. Dessen Geschäftsstellenleiter Markus Mayer weiß von insgesamt rund hundert Hektar Trüffelanbaufläche in Deutschland, bewirtschaftet von 150 bis 200 Möchtegern-Trüffelbauern. Geerntet worden seien bislang aber erst recht übersichtliche Mengen auf einigen wenigen Plantagen: „Jeweils ein oder zwei Kilogramm“, sagt Mayer. Doch er ist sicher: „In zwei bis drei Jahren wird es mehr sein.“

Trüffelanbau ist, anders als das wilde Sammeln der Pilze, nicht verboten. Doch es braucht Geduld. Rund sieben Jahre dauert es, ehe sich erweist, ob sich im Erdreich unter den Bäumen wirklich ein Trüffelpilz entwickelt. Peter Hamel rechnet deshalb frühestens 2022 mit seiner ersten Ernte. Vor allem Burgunder-, aber auch einige Perigordtrüffeln erhofft er sich – und er war optimistisch genug, um an anderer Stelle noch einmal 50 weitere geimpfte Haselnussbäume zu pflanzen. Sollte der Plan scheitern, wird im Vogelsberg zumindest kein Mangel an Nüssen zu beklagen sein. Zumal auch Hamels direktester Konkurrent auf Haseln als Trüffelbäume setzt. Und der ist gleich im Nachbarort zu Hause.

Dietrich Hartmut Koch aus Lauterbach war ursprünglich Hamels Kompagnon, doch man zerstritt sich. Jetzt verfolgt der Gartenbauingenieur und Kaufmann das Konzept, das er eigentlich gemeinsam mit dem Landwirt verfolgen wollte, alleine weiter: Trüffelanbau als „Naturinvestment“. Bei seiner Firma Monsavis kann man „Patenschaften“ für Trüffelbäume erwerben – und soll dann eines Tages den Ertrag der bei diesen Bäumen gewonnenen Trüffeln einstreichen. „Ich gehe von einer 80-prozentigen Erfolgsquote aus“, sagt Koch, der nach eigenen Angaben selbst bereits 35 000 Euro investiert hat. „Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, würde ich es lassen.“

Nicht weniger als 400 Trüffelbäume will der Geschäftsmann pflanzen, mindestens die Hälfte davon noch in diesem Jahr. „Ich hoffe“, sagt der 74-Jährige, „dass ich die erste Ernte noch erlebe“.

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