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Tourismus in der Region Rheinhessen lockt zur Weinlese

Rheinhessen ist während der Weinlese besonders idyllisch und lockt jetzt mit einer kulinarischen Aktion.

Tourismus in Hessen
Wer von einem der Hügel in die weite Landschaft blickt, kann nachvollziehen, warum der Begriff „Toskana am Rhein“ geprägt wurde. Foto: Dieth & Schröder / Rheinhessenwein e.V

Schon am Ortseingangsschild prangt das Antlitz der amtierenden Weinkönigin, durch die schmale Dorfstraße braust eine Vollerntemaschine in hektischer Betriebsamkeit. Es ist Erntezeit in Rheinhessen, Deutschlands größtem Weinanbaugebiet. Die Charakteristik der sanften Hügellandschaft zwischen Mainz und Worms lässt sich unterhalb des Kloppbergs bei Westhofen sehr schön genießen. Grüne Reben, so weit das Auge reicht, in einer Senke zieht ein Traktor eine Staubfahne hinter sich her. Die Idylle wird nur von ein paar träge rotierenden Windrädern gestört. In der Ferne zeichnet sich die Bergkette des Odenwalds ab, die Skyline Frankfurts ist im Dunst verschwunden.

Vor diesem Ausblick hat die Winzerin Gesine Roll zu einer Weinprobe geladen. Während Roll noch ihre mitgebrachten Flaschen sortiert, hallen Schüsse durch die liebliche Landschaft. Es sind automatische Schussanlagen, die gefräßige Stare abschrecken sollen. Gerade bei zugezogenen Anwohnern berge diese akustische Reminiszenz an einen Truppenübungsplatz Konfliktpotenzial. „Ab Ende August denken sie immer, der Krieg bricht aus“, sagt Roll.

Die junge Winzerin setzt vor allem auf Sauvignon Blanc, auch wenn das eine anstrengende Rebsorte sei, „eine Diva“. Viele Winzer in Rheinhessen haben sich spezialisiert. „Früher hatte Rheinhessen einen Bauchladen“, sagt Roll. Die meistangebaute Rebsorte ist Riesling, laut Roll „die Königsdisziplin“ der Winzer in Rheinhessen.

Auf der hessischen Seite des Rheins, im Rheingau, wo die Winzer mit guten Steilhanglagen am Fluss auftrumpfen, wurden die Winzer in der Hügellandschaft oft belächelt. Doch auch Rheinhessen hat solche Lagen zu bieten, etwa am Roten Hang in Nierstein, ebenfalls direkt am Rhein. Und weil der Riesling die Königsdisziplin der Rheinhessen ist, wird in der Toplage am Roten Hang auch zu 95 Prozent Riesling angebaut.

Nierstein ist mit 1000 Hektar Anbaufläche und 5,7 Millionen Rebstöcken die größte Weinbaugemeinde in Rheinhessen und auch die am meisten besuchte. Etwa 40 000 Touristen kommen jährlich nach Nierstein, um mit Blick über die Weinberge auf den Rhein Riesling, Müller-Thurgau oder Silvaner zu probieren.

Dass so viele Touristen Rheinhessen finden, ist beachtlich. Denn auf die Frage, wie vielen Menschen sie erklären müsse, dass Rheinhessen nicht zu Hessen gehöre, sagt Sonja Ostermayer vom Tourismusverband Rheinhessen: „Jedem“. In den 90er Jahren, als Ostermayer mit der Werbung für ihre Region anfing, seien die Kampagnen ausschließlich darum gegangen, zu erklären, wo Rheinhessen überhaupt liegt. Sprachlich, sagt Ostermayer, liege der Rheinhesse deutlich näher an den Frankfurtern als an den Pfälzern.

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