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Tod einer 29-Jährigen Zeugen Jehovas nehmen Ärzte in Schutz

Die Ärzte hätten das Selbstbestimmungsrecht der Patientin respektiert, als sie einer 29-jährigen Zeugin Jehovas keine Bluttransfusion gaben, die sie ablehnte, schreibt die Religionsgemeinschaft.

08.09.2008 12:09
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Blutkonserven liegen bei vier Grad Celcius in einem Kühlraum (Symbolbild). Foto: ddp

Selters/Gießen (dpa) - Nach dem Tod einer 29 Jahre alten Zeugin Jehovas wegen einer abgelehnten Bluttransfusion hat die Religionsgemeinschaft die behandelnden Ärzte und Pfleger der Klinik im mittelhessischen Lich in Schutz genommen.

"Unzweifelhaft ist, dass die Patientin ihren Willen in einer Patientenverfügung dokumentierte. Die behandelnden Ärzte und das Pflegepersonal handelten somit richtig, indem sie das Selbstbestimmungsrecht der Patientin über ihr eigenes Urteil stellten", heißt es in einer Stellungnahme der Zeugen Jehovas aus deren deutscher Zentrale in Selters im Taunus. In ihrem Schreiben rechtfertigt die Religionsgemeinschaft zudem die Ablehnung von Bluttransfusionen.

Die Staatsanwaltschaft Gießen hatte Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Arzt und den Ehemann der Toten aufgenommen, der in der Patientenverfügung der 29-Jährigen als gesetzlicher Vertreter genannt war. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag.

Zeugen Jehovas lehnen Bluttransfusionen ab

Die Mutter der Toten hatte Mitte Juli Anzeige erstattet. Ihre Tochter aus Wetzlar, die im vierten Monat schwanger war und wegen Blutungen in die Klinik gebracht worden war, hatte früheren Angaben der Behörde zufolge Anfang Juli aus Glaubensgründen die notwendige Verabreichung von Blut abgelehnt. Als sich ihr Zustand stündlich verschlechterte und sie das Bewusstsein verlor, hatte auch ihr Mann eine Transfusion abgelehnt. Die Patientenverfügung der jungen Frau lag den Ärzten in der Klinik vor. Die Frau starb wenig später.

Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas lehnt aufgrund ihres Bibelverständnisses auch im Notfall Bluttransfusionen ab. Es sei allgemein bekannt, dass Zeugen Jehovas nahezu die gesamte Bandbreite der zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten akzeptierten, "aber die Transfusion von Vollblut und dessen Hauptbestandteilen" ablehnten, heißt es in der Stellungnahme. Diese biblisch begründete Ablehnung basiere auf einem "imperativen Glaubensgebot", nämlich "sich des Blutes zu enthalten", da in Gottes Augen Blut für Leben stehe und daher heilig sei.

Über den Tod der 29-Jährigen empfinde die Religionsgemeinschaft "tiefe Trauer" und bedauere den Verlust. "Es ist leider eine traurige Tatsache, das trotz bester ärztlicher Behandlung nicht jeder Unglücksfall verhindert werden kann", sagte der Sprecher von Jehovas Zeugen in Deutschland, Werner Rudtke, in dem Schreiben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden herausstellen, inwieweit die Ablehnung von Bluttransfusionen bei dem "tragischen Verlauf" eine Rolle gespielt habe.

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