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Tierschutz „Am besten ohne Eier“

Tierschützerin Sandra Franz spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über das Leid von Legehennen und erklärt, warum auch der Trend zu Ökoeiern keine Verbesserungen beim Tierwohl bringt.

Der Trend zum Bioei bringt keine Verbesserungen beim Tierschutz, sagt Sandra Franz. (Symbolbild) Foto: imago/Westend61

Der Trend geht zu Ökoeiern. Ist das aus Sicht Ihrer Organisation ein guter Weg?
Aus Umweltschutzaspekten mag das sein. Aus Sicht des Tierschutzes nicht. Man muss ganz klar sagen, die Verordnungen, egal ob EG-Ökoverordnung oder die Richtlinien der Bioanbauverbände, haben nichts mit Tierwohl oder sogenannter artgerechter Haltung zu tun, wie das oft suggeriert wird. Trotzdem glauben das viele Verbraucher.

Was kritisieren Sie?
Artgerecht ist ein irreführender Begriff, das kann aus unserer Sicht für ein Tier nur die Freiheit sein. Der Unterschied zwischen konventioneller und Biolegehennenhaltung ist sehr, sehr klein. Ob 6000 wie nach EU-Vorschriften, oder 3000 Hühner, wie etwa bei Bioland und Demeter, in einem Stall gehalten werden, ändert nichts an dem grundsätzlichen Problem, dass Hühner nur in einer Gruppe von höchstens 100 Tieren eine funktionierende Sozialstruktur aufbauen können.

Welche Folgen hat das für die Tiere?
Wahnsinnig viel Stress, der zu Verhaltensauffälligkeiten wie Federpicken und Kannibalismus führt. Das ist auch in Bioställen die Regel. Wenn sich dort nur sechs statt elf Hühner einen Quadratmeter teilen, leben sie immer noch dicht an dicht gedrängt. Das bedeutet großes Leid für die Tiere.

Sie haben vor drei Jahren Videos von solchen Missständen veröffentlicht. Sind das einzelne schwarze Schafe?
Das ist keine Ausnahme, sondern die natürliche Folge dieser Haltungsform. Wir haben in mehreren Betrieben recherchiert. Dazu kommt, dass im Biobereich dieselben Rassen wie in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden, die durch Überzüchtung von klein auf ängstlich und neurotisch sind. Und sie müssen enorm viele Eier legen. Die Urhühner haben zehn Eier im Jahr gelegt.

Was hat das für Folgen?
Die Tiere werden schnell krank, beispielsweise entzündet sich der Eilegeapparat. Sie werden aber oft nicht mit Antibiotika behandelt, weil sich ihre Eier dann nicht mehr verkaufen lassen. Die Sterberate in der Biobetrieben ist daher höher als in der konventionellen Haltung.

Aber zumindest können Biohühner ins Freie?
Es gibt zwar die vorgeschriebene Freifläche von vier Quadratmetern pro Huhn, die ist allerdings häufig nicht so gestaltet, dass die Tiere sie annehmen. Sie trauen sich aus Angst vor dem Habicht nicht raus, weil Unterschlupf, Dächer und Sträucher fehlen, stehen also trotzdem die meiste Zeit im Stall oder nutzen nur einen ganz schmalen Streifen nahe am Eingang.

Aus Ihrer Sicht gibt es also keine vorbildlichen Hühnerhalter?
Wenn man Tiere benutzt, um Geld zu verdienen, leiden sie zwangsläufig, weil ihre Bedürfnisse den ökonomischen Interessen untergeordnet werden.

Und wenn ein Bauer nur ein paar Hundert Hühner hält. Kann man diese Eier mit gutem Gewissen kaufen?
Auch diese Hühner kommen aus einer Zucht, in der üblicherweise die männlichen Küken geschreddert oder bestenfalls gemästet und einen Monat später getötet werden. Außerdem kann das auch keine Lösung für alle Konsumenten sein, dafür würde die Fläche in Deutschland gar nicht ausreichen.

Gibt es also keine Alternative?
Doch, man kann komplett auf Eier verzichten und vegan leben. Man braucht keine Hühner im Garten oder im Hinterhof.

Was gibt es bei Ihnen stattdessen zu Ostern?
Auf jeden Fall keine Eier, zum Frühstück vielleicht Tofu-Rührei, mittags eine Gemüse-Quiche, zum Nachtisch Mousse au Chocolat oder einen Möhrenkuchen. Das schmeckt alles sehr lecker, ist gesund und komplett vegan.

Interview: Regine Seipel

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