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Tierhaltung im Zirkus Mehr Sicherheit bei Zirkustieren

Zirkusse müssen nicht nur die tierschutzrechtlichen Vorgaben stringent einhalten, sondern auch dafür sorgen, dass keine Tiere mehr ausbrechen und die Öffentlichkeit gefährden. Die Landestierschutzbeauftragte nimmt außerdem Veterinäre und Kommunen in die Pflicht.

05.07.2015 18:36
Auslöser der Diskusion: Zirkuselefant Benjamin hat im Juni einen Menschen getötet. Foto: dpa

Nach der tödlichen Attacke eines Zirkus-Elefanten auf einen Spaziergänger will Hessen die Zirkusse bei der Unterbringung der Tiere in die Pflicht nehmen. „Städte und Kommunen müssen sich überlegen, wie sie künftig mit Tieren wie Elefanten, Schimpansen oder Bären in Zirkussen umgehen wollen“, sagte Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin. „Mobile Unternehmen mit Tieren müssen nicht nur die tierschutzrechtlichen Vorgaben stringent einhalten, sondern auch dafür sorgen, dass keine Tiere mehr ausbrechen und die Öffentlichkeit gefährden.“

„Es geht nicht, dass völlig unbeaufsichtigt Elefanten nur hinter einem Elektrozaun mit drei Drähten oder Bären hinter einem kleinen Drahtgitter gehalten werden“, so Martin. Dafür seien schwere Zäune nötig, die in der Erde befestigt werden müssten.

Tierärzte mit in Verantwortung

Die Zoos dürfen gefährliche Wildtiere nur unter strengen Sicherheitsauflagen halten. „Zirkusse halten nicht einen Bruchteil davon ein.“ Geplant sei daher eine sogenannte Handreichung an die Kommunen mit konkreten Vorschlägen, wie die Unterbringung der Wildtiere mindestens aussehen sollte.

Im Odenwald war Mitte Juni ein Elefant aus bislang ungeklärten Gründen aus dem Gehege gelangt und hatte einen Spaziergänger getötet. Auch in Hessen wurden schon Menschen durch Zirkustiere schwer verletzt. Die Landestierschutzbeauftragte forderte als Konsequenz aus solchen Vorkommnissen eine stärkere, bewusstere Kontrolle der Zirkustiere durch Ordnungsämter und die Amtstierärzte. „Die Zeit des ‚Maßbandtierschutzes‘ ist vorbei. Gehege ausmessen reicht nicht mehr.“ Tierwohl zeige sich auch daran, dass Tiere frei von Verhaltensstörungen seien. Amtstierärzte müssten das Verhalten der Tiere daher viel stärker in ihre Untersuchungen einbeziehen.

„Es gibt sogar immer noch einen Zirkus, bei dem ein verkleideter Schimpanse mit einem Roller durch die Manege fährt“, sagte Martin. „Das ist Mittelalter.“ Das Nichteingreifen vieler Amtstierärzte leiste solchen Fällen Vorschub, mache sie erst möglich. Die Tierschutzbeauftragte stellte sich explizit hinter die angekündigte Bundesratsinitiative von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Danach sollen in Wanderzirkussen bestimmte Tiere wie Elefanten, Bären oder Raubkatzen nicht mehr gehalten werden dürfen. dpa

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