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Tiere in Hessen Auerochsen sollen wieder in Hessen weiden

Der Auerochse ist seit fast 400 Jahren ausgestorben. Doch Wissenschaftler der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch in Südhessen wollen die Rinderrasse zu neuem Leben erwecken.

24.01.2018 09:03
Auerochsen in Hessen
Claus Kropp, der Leiter des anspruchsvollen Zuchtprojekts, rechnet damit, dass in zehn bis 15 Jahren Tiere geboren werden, die dem vor fast 400 Jahren ausgestorbenen Auerochsen ähneln. Foto: Uwe Anspach (dpa)

Der Auerochse war nach der Eiszeit der größte Pflanzenfresser in Europa und inspirierte schon vor mehr als 2000 Jahren Höhlenmaler in Frankreich. Wissenschaftler der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch in Südhessen wollen die ausgestorbenen Rinderrasse zu neuem Leben erwecken. Der Leiter des anspruchsvollen Zuchtprojekts, Claus Kropp, rechnet damit, dass dabei in 10 bis 15 Jahren Tiere geboren werden, „die dem Auerochsen schon sehr nahe kommen“. Das letzte bekannte Exemplar der imposanten Ur-Ochsen war 1627 in Polen erschossen worden.

Die Herden hätten mit ihrem Fressverhalten besonders artenreiche Landschaften geschaffen, die so inzwischen in Europa so gut wie ausgestorben seien, erläutert Kropp. Ein Ziel des Zuchtprojekts für die ökologische Vielfalt: „Aus mittelalterlicher Perspektive sollen Antworten auf die Fragen des 21. Jahrhunderts geleistet werden.“

Einer Ausstellung mit dem Titel „Der Auerochse - eine Spurensuche“ stellt die wilden Pflanzenfresser und das Zuchtprojekt vor. Die Schau ist vom 28. Januar bis 6. Mai am Welterbe zu sehen und wird vom UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald unterstützt. Bei Fahrradtouren können die Rinder des Zuchtprojekts kennenlernen.

Genom des Auerochsen ist entschlüsselt

Die Wissenschaftler wollen Rassen züchten, „die dem Aueroschen möglichst nahe kommen“, sagt Kropp. Dies gelte sowohl für das Aussehen als auch für das Verhalten der Tiere und für ihre Genetik. Eine besonders zuverlässige Quelle dafür seien Knochenfunde. „Das Genom ist entschlüsselt“, ergänzt der Leiter der Welterbestätte, Hermann Schefers. So könne das genetische Erbe des Auerochsen in lebenden Rinderrassen bestimmt und durch Kreuzung ein dem Auerrind nahekommender großer Pflanzenfresser gezüchtet werden, erläutert eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums in Wiesbaden.

Um den Auerochsen möglichst genau zu treffen, würden derzeit nur fünf Rassen für die Züchtung herangezogen, sagt Kropp. Die Rindergruppen in Lorsch, Einhausen und dem nordrhein-westfälischen Bielefeld bestünden daher immer aus einem bestimmten Bullen und etwa drei ausgewählten Kühen. Rund 20 Tiere sind es insgesamt.

„Ausgestorbene Rassen können wir nicht wiederbeleben“, sagt Renate Schafberg von der Universität Halle-Wittenberge. Das Lorscher Projekt trage daher ja auch den Namen „Auerrind“ und nicht „Auerochsenrückkreuzung“ und sei wissenschaftlich sehr interessant. Margret Bunzel-Drüke vom NABU, die sich in einem anderen Projekt mit der Züchtung von Auerochsen befasst, ergänzt: „Theoretisch könnten wir sie klonen, aber das geht praktisch noch nicht.“ Ein Double sei aber nahe dran.

Besonders schwer sei es, die Größe zu erreichen, sagt Schafberg. Die Auerochsen-Bullen hatten eine Widerristhöhe von bis zu 1,80 Metern. Sie waren schwarz-braun bis schwarz mit einem hellen „Aalstrich“ vom Nacken bis zum Schwanz. „Die Hörner waren sehr groß und nach vorne und innen gerundet“, sagt Kropp. Die Kühe waren danach kleiner und braun-rot bis braun.

Internationale Zusammenarbeit wichtig

Für ein Gelingen des Projektes seien viele Partner und wissenschaftlicher Austausch notwendig, etwa mit einem internationalen Zuchtprojekt in den Niederlanden. Beide Projekte verzichten bei ihren Züchtungen auf die in der Fachwelt bekannten „Heckrinder“, die nach dem Ersten Weltkrieg von den Brüdern Heck aus mehr als 15 Rassen gezüchtet worden seien. Sie kommen Kropp zufolge aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nah genug.

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