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Weniger Straftaten und höhere Aufklärungsquote in Hessen

Es gibt positive Entwicklungen bei der Bekämpfung der Kriminalität in Hessen. Doch nicht in allen Bereichen.

15.02.2018 16:25
Peter Beuth (CDU)
Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv

Die Zahl der Straftaten ist in Hessen 2017 deutlich gesunken und auf den niedrigsten Stand seit fast 40 Jahren gefallen. Gleichzeitig wurde die höchste Aufklärungsquote von Verbrechen seit Bestehen der Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 1971 erzielt. Innenminister Peter Beuth (CDU) nannte am Donnerstag in Wiesbaden als Gründe für den positiven Trend neben vielen verdeckten und offenen Strafverfolgungsmaßnahmen den zunehmenden Kontrolldruck, eine bessere Ausstattung der Polizei und einen Personalzuwachs bei den Ordnungshütern.

Trotz der guten Gesamtentwicklung gab es jedoch auch Bereiche mit steigenden Fallzahlen wie die zunehmende Gewalt gegen Polizisten sowie mehr Rauschgift-, Körperverletzungs- und Urkundenfälschungsdelikte. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte daher vor übertriebener Euphorie. Vor allem der Schutz der Polizisten müsse mit einer guten Ausrüstung und Ausstattung sowie ausreichend Personal weiter verbessert werden, forderte der Vorsitzende Lars Maruhn.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Grün, machte sich als Lohn für die gute Arbeit der Ordnungshüter für eine bessere Bezahlung und mehr Karrierechancen stark. Unterstützung erhielten die Gewerkschafter dabei von der Landtagsopposition.

- Insgesamt ging die Zahl der Straftaten in Hessen um neun Prozent auf 375 632 Fälle zurück. Die Aufklärungsquote kletterte leicht auf 62,8 Prozent (2016: 62,7). Gerade dieser Wert sei ein wichtiges Signal an die Bürger, dass rund zwei Drittel aller Straftaten aufgeklärt würden, betonte der Innenminister und verwies zudem auf den starken Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen von mehr als 20 Prozent im Jahresvergleich auf 8287 Fälle.

- Bei den Wohnungseinbrüchen seien die Täter aber nur 4169 Mal tatsächlich in Wohnräume eingedrungen. Seit Bestehen der Polizeilichen Kriminalstatistik sei das der niedrigste Wert, erklärte Beuth. „Wir haben in Hessen Wohnungseinbrechern den Kampf angesagt. Eine Entscheidung, die sich jetzt auch messbar auf die Statistik auswirkt.“ Die Landtagsopposition bemängelte jedoch, dass die Aufklärungsquote nur bei 21 Prozent liege.

- Mit den rückläufigen Zuwanderungszahlen haben auch die Straftaten in Hessen abgenommen, bei denen mindestens ein Asylsuchender als Tatverdächtiger ermittelt wurde. Insgesamt 41 146 derartige Fälle wurden erfasst und damit 24 645 weniger (minus 37,5 Prozent) im Jahresvergleich. Maßgeblich sei dabei vor allem der Rückgang der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz gewesen. Bei den Straftaten von Zuwanderern ohne aufenthaltsrechtliche Verstöße gab es eine leichte Abnahme von 1,4 Prozent auf 18 643 Fälle. Dabei ging es vor allem um Vermögens- und Fälschungsdelikte.

- Bei den Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte gab es ebenfalls einen deutlichen Rückgang: Nachdem im Jahr 2016 noch 25 Fälle bekannt wurden, habe die Zahl nun bei 7 gelegen. Dazu seien 50 Fälle registriert worden, bei denen Flüchtlinge außerhalb von Asylbewerberunterkünfte attackiert wurden (2016: 72). Ein Ende der Übergriffe aus der rechten Szene sei aber trotz der rückläufigen Zahlen nicht abzusehen, erklärte die Präsidentin des Landeskriminalamtes, Sabine Thurau.

- Insgesamt wurden im Vorjahr 1487 politisch motivierte Straftaten gemeldet, was einem Minus von fast elf Prozent entspricht. Die Fälle aus dem rechten Spektrum gingen den Angaben zufolge um 240 auf 600 zurück. Aus der linken Szene gab es 183 Delikte und damit 134 weniger im Jahresvergleich. Eine Zunahme gab es dagegen bei den Straftaten, denen eine religiöse Ideologie zugrunde lag. Hier stiegen die Fälle von 84 auf 124. Ebenso gab es mehr politisch motivierte Kriminalität, bei der politische Konfliktlagen im Ausland eine Rolle spielten. Die Zahl stieg von 108 auf 162 Vorkommnisse.

- Die Übergriffe gegen Polizisten stiegen um 44 auf 3512. Der Innenminister forderte erneut eine Strafverschärfung bei diesen Vorkommnissen und sprach sich für eine Mindeststrafe von sechs Monaten für Angriffe auf Einsatzkräfte aus.

- Bei Körperverletzungsdelikten mussten die Sicherheitskräfte einen Anstieg von vier Prozent auf fast 32 000 Fälle registrieren. Viele Straftaten würden unter Alkohol- und Drogeneinfluss verübt, erklärte Landespolizeipräsident Udo Münch. Die Bereitschaft gerade bei jüngeren Männern nehme zu, auf Streit mit körperlicher Gewalt zu reagieren.

- Die Zunahme der Rauschgiftkriminalität um 18 Prozent auf 27 562 Straftaten begründete der Innenminister vor allem mit dem erhöhten Kontrolldruck auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Im Bereich Urkundenfälschung gab es eine Zunahme von fast 14 Prozent auf 5615 Fälle.

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