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Studie zu Hass im Netz Hessen haben Angst vor Hass im Netz

Eine Studie zum Thema Hass im Netz offenbart, dass viele Hessen im Internet selten ihre politische Meinung äußern. Sie haben Angst Opfer von Hassreden zu werden.

Hass im Netz
Der Hashtag „#Hass“ ist auf einem Bildschirm zu sehen. Foto: Lukas Schulze/Archv

Bei Diskussionen in den sozialen Netzwerken im Internet geht es nicht zimperlich zu. Menschen, Gruppen und Institutionen werden beleidigt, beschimpft und bedroht. Das belegt eine Umfrage unter 1243 Menschen aus Hessen, die vom bundesweiten Verein Campact am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt wurde. Demnach trifft der Hass vor allem Migranten, Flüchtlinge, Muslime, aber auch amtierende Politiker und die Bundesrepublik als Staat.

Mit Hilfe der Ergebnisse untermauert Campact seine Forderung an die hessische Politik und die Zivilgesellschaft, solche Hasstiraden zu stoppen, die im Fachjargon mit dem englischen Begriff Hate Speech bezeichnet werden. Hessen solle Vorreiter werden. Zu den Forderungen von Campact gehört die Einrichtung einer landesweiten Beratungsstelle für Opfer von Hass im Netz, Beauftragte für die Bekämpfung von Hate Speech auf jeder Polizeidienststelle und zentrale Ermittlungsstellen für das Thema bei den Staatsanwaltschaften. An den Schulen müssten Lehrkräfte und Jugendliche sich gleichermaßen mit Hate Speech auseinandersetzen.

Campact hatte seinen Vorstoß im Juni vorgestellt. Man thematisiere diese Fragen zur Landtagswahl in Hessen, weil Polizei, Staatsanwaltschaft und Bildung Ländersache seien. Andere Bundesländer sollten folgen, kündigte Sprecherin Svenja Koch an.

Campact hatte das in Jena ansässige Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft mit der Hessen-Studie beauftragt, das von der Amadeu-Antonio-Stiftung getragen wird. Die Forscher berichteten, Rechtsextreme prägten mit einer organisierten und lautstarken Minderheit Onlinediskussionen und verdrängten durch ihre aggressive und abwertende Sprache andersdenkende und liberale Positionen. Für die Untersuchung über die Folgen von Hate Speech nahmen sie nach eigenen Angaben eine repräsentative Online-Befragung von erwachsenen Bürgerinnen und Bürgern aus Hessen vor.

Dabei berichtete rund ein Drittel der Befragten, sie seien bereits im Internet beleidigt worden. Von den 18- bis 24-Jährigen hätten sogar mehr als zwei Drittel eine solche Erfahrung machen müssen. 84 Prozent hätten aggressive oder abwertende Botschaften gegen bestimmte Gruppen wahrgenommen.

Rund die Hälfte der Menschen beteilige sich wegen der Hassreden nicht mehr so oft an der Kommunikation im Netz. „Ich bekenne mich seltener im Internet zu meiner politischen Meinung“, sagten 51 Prozent der Befragten. Die Anhänger der AfD trauten sich häufiger, ihre Meinung zu äußern. Sie gaben nur zu 40 Prozent an, sich wegen Hassbotschaften zurückzuziehen, weniger als die Anhänger aller anderen Parteien.

Ähnlich ist es bei dem Satz „Hassbotschaften gefährden die Vielfalt im Internet, weil sie Menschen einschüchtern und verdrängen“. Hier stimmten rund drei Viertel der Befragten zu. Unter den AfD-Anhängern waren es mit 56 Prozent am wenigsten.

Der Hass im Netz könne tatsächlich zu signifikanten Verdrängungen und Verzerrungen führen, wenn eine Mehrheit der Hessinnen und Hessen angebe, ihre politische Meinung im Internet seltener zu äußern, konstatieren die Autoren der Studie. Staatliche Institutionen hätten dieser Agitation bisher kaum etwas entgegenzusetzen.

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