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Terminservicestelle der KV Hessen Schneller zum Facharzt

Eine Terminvermittlung hilft Patienten, die zum Facharzt müssen. Die Terminservicestelle der KV Hessen ist aber noch zu wenig bekannt.

Sehtest
Ein Sehtest wird vorgenommen. (Bild: ZB-Funkregio Ost)

Michael Müller ist beunruhigt. „Innerhalb von zwei Wochen hat sich mein Sehvermögen massiv verschlechtert.“ Trotzdem blitze der Frankfurter bei seinem langjährigen Augenarzt ab: Im Alter von 50 Jahren sei dies normal, sagte ihm die Sprechstundenhilfe und negierte die Dringlichkeit. Er könne am 30. Mai kommen. Müller rief bei der Terminservicestelle an. Und die vermittelte ihm einen Augenarztbesuch am 11. Januar in Frankfurt. Das hatte der 50-Jährige nicht erwartet: „Klar habe ich schon von der Servicestelle gehört. Doch ich hätte nicht gedacht, dass die mir weiterhilft.“

Müller ist vermutlich kein Einzelfall. Auch zwei Jahre nach der Eröffnung wird die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen nicht so oft in Anspruch genommen, wie der Gesetzgeber es erwartet hat. Rund 760 Facharzttermine werden im Monatsdurchschnitt vermittelt. Hinzu kommen seit April pro Woche rund 120 Erstgespräche bei Psychotherapeuten, sagt KV-Sprecherin Petra Bendrich. Diese Vermittlungen seien „zeitaufwendig und arbeitsintensiv“. Auch weil die Krankenkassen falsch informierten. „Anrufer fragen beispielsweise nach der Vermittlung von Therapieplätzen oder auch mal nach der Vermittlung von Gutachten bezüglich Geschlechtsumwandlung.“

Das streiten Barmer wie AOK ab: Ihnen seien diesbezüglich keine Beschwerden bekannt, heißt es auf FR-Anfrage. Beide Kassen unterstützen seit Jahren ihre Mitglieder bei der Facharztsuche, halten die Arbeit der Terminservicestelle gleichwohl für sinnvoll. „Es könnte aber noch deutlich mehr Menschen geholfen werden, wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen dafür offensiv werben würde“, sagt Barmer-Sprecherin Brigitte Schlöter.

Die KV Hessens hingegen hält die eine Million Euro jährlich nach wie vor für rausgeschmissenes Geld: „An unserer grundsätzlichen Kritik an der uns vom Gesetzgeber aufgezwungenen Terminservicestelle hat sich nichts geändert“, sagt Vorstand Frank Dastych. Es handele sich um „Symbolpolitik“. Der Wunsch nach kurzen Wartezeiten sei häufig „ein Wunsch nach einer Komfortleistung“. Die Zahlen seit der Inbetriebnahme vor zwei Jahren zeigten im Übrigen, wie gering der Bedarf ist.

Daniele Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen widerspricht: Der Gesetzgeber habe mit der Notwendigkeit einer dringlichen Überweisung hohe Hürden eingebaut. Trotzdem profitierten viele Patienten von der Anlaufstelle. Die Vermittlung eines Kontakts zu einem Psychotherapeuten sei wichtig: „In einer akuten Belastungssituation ist das besser, als monatelang nicht zu wissen, was los ist.“

Die Wartezeiten für eine Therapie hätten sich in Hessen inzwischen auf weniger als drei Monate verkürzt, sagt Heike Winter, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer. Speziell in den Ballungsräumen habe sich die Situation verbessert. Dennoch sei der Weg über die KV-Terminservicesstelle für manche Patienten hilfreich: „Das funktioniert und wird angenommen.“ Manchmal reiche das Erstgespräch mit einem Profi, um sich Klarheit zu verschaffen: „Nicht alle brauchen eine Psychotherapie, doch wenn sie sie brauchen, werden sie jetzt relativ schnell versorgt.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kvhessen.de.

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