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Tempolimit aufgehoben Kritik an freier Fahrt

Der Verkehrsclub Deutschland nennt die Aufhebung von Tempolimits unverantwortlich. So ein Verhalten zeige, dass die hessische Regierung Klimaschutz und Verkehrssicherheit nicht ernst nehme. Von Grete Götze

30.03.2010 00:03
Grete Götze
Ab ins Lager - vorerst ist das Schild nicht mehr nötig. Foto: marius becker/dpa

Seit Montag sind auf 22 hessischen Autobahnabschnitten Tempolimits aufgehoben worden. Autofahrer können fortan auf knapp 80 Kilometern ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahren. Auf weiteren neun Kilometern werden die Tempobestimmungen gelockert. 78 Kilometer der insgesamt 970 Kilometer langen hessischen Autobahnen behalten ihr Tempolimit. Und an vier Autobahnabschnitten wird es von 100 auf 120 Stundenkilometer angehoben.

Anlass für die Veränderungen ist die routinemäßige, alle fünf Jahre anfallende Untersuchung der Tempolimits. "Der wesentliche Maßstab ist, wie sich die Unfallzahlen in den letzten fünf Jahren entwickelt haben", sagt ein Sprecher des Ministeriums. Das heißt, dass die Zahl der Unfälle seither zurück gegangen ist.

Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) begründete die Veränderungen mit dem guten Zustand der Straßen und den geringeren Unfallzahlen. Sein Motto: Weniger ist mehr. "Weniger Schilder haben einen höheren Aufmerksamkeitswert. Zu viele Schilder laufen Gefahr, nicht mehr ernstgenommen zu werden", sagt der Minister. Der Verkehrssicherheit sei am besten gedient, wenn man Temposchilder nur dort aufstelle, wo sie erforderlich seien.

Der Verkehrsclub Deutschland findet dieses Verhalten unverantwortlich. Pressesprecherin Anna Fehmel meint: "Wer es mit Klimaschutz und Verkehrssicherheit ernst meint, der sollte ein bundesweites Tempolimit von 120 Stundenkilometern einführen." Laut Berechnungen des Umweltbundesamtes ließen sich dadurch jährlich 3,4 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.

Einzelne Tempolimits wieder abzuschaffen, hat Fehmel zufolge auch in Bezug auf Staugefahr keinen Sinn. "Es ist bekannt, dass gerade hohe Geschwindigkeitsunterschiede zu Stau führen." Überdies sei Deutschland der einzige Industriestaat ohne Tempolimit.

Kritisch äußern sich auch die hessischen Grünen zu den neuen Bestimmungen. "Will Posch, dass erst wieder Unfälle passieren, damit dann wieder Geschwindigkeitsbegrenzungen gerechtfertigt sind?", fragt Karin Müller, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Sie fordert, ein generelles Tempolimit auf Autobahnen durchzusetzen.

Die Straßenbehörde untersucht momentan auch die Tempolimits auf autobahnähnlichen Bundesstraßen. Laut Ministerium wird die Überprüfung im Sommer abgeschlossen sein. Auch hier sind Veränderungen möglich.

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