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Technik zum Anfassen

Junior-Ingenieur-Akademie will Schüler an der FH für Naturwissenschaften begeistern

16.06.2010 00:06
Astrid Ludwig
Junior-Ingenieure
Angestrengt schaut einer der Ziehen-Schüler auf die Temperaturanzeige für seinen Sensorchip. Foto: Oeser

Eigentlich wollten Julia und Tabea nach der Schule Architektur studieren. Seit die beiden Schülerinnen der Ziehenschule an der "Junior-Ingenieur-Akademie" teilnehmen, haben die 15-Jährigen ihre Meinung geändert. "Vorher konnte ich mir unter Ingenieur so gar nichts vorstellen", sagt Tabea. Künftig wissen sie, wie Sensoren und Brennstoffzellen funktionieren und wie man kleine Roboter aus Legosteinen baut. Wenn sie demnächst ihre Leistungskurse im Gymnasium wählen müssen, könnte Mathematik darunter sein. "Damit halten wir uns für ein späteres Studium alles offen", sagen sie.

Julia und Tabea sind die einzigen Mädchen in einer Gruppe mit 14 Jungs, die sich an der Frankfurter Schule für den neuen Wahlunterricht der Junior-Ingenieur-Akademie entschieden haben. Zwei Jahre lang, immer einmal in der Woche, werden ihnen Grundkenntnisse des Ingenieurwesens näher gebracht. Die Akademie ist ein Pilotprojekt der Ziehenschule, der Fachhochschule Frankfurt, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Stiftung deutsche Telekom und der Firmen Siemens, Continental und Mainova.

Eine Kooperation, die erstmals in Hessen angelaufen ist, sagt Projektleiter Oliver Beddies von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, die die Akademie mit 16000 Euro unterstützt. Zwei Jahre lang sollen die Schüler Einblicke in Studiengänge an der Fachhochschule und den Berufsalltag in den angeschlossenen Firmen bekommen. Für Technik und Naturwissenschaften will die Akademie sie begeistern "und das möglichst, bevor sie sich in der Oberstufe für Wahlfächer entscheiden müssen", sagt Beddies. Der ewigen Debatte um das mangelnde Interesse von Schülern an Naturwissenschaften, zu wenig Ingenieuren und fehlenden Fachkräften will die Stiftung so etwas entgegensetzen.

In dieser Woche trifft sich die Schülergruppe erneut auf dem Campus der Fachhochschule. Sensorik steht auf dem Programm. Im Laserlabor haben Philip und Julian Heißleiter hergestellt, kleine Chips, die auf Temperatur reagieren. Mit einfachen Versuchsaufbauten testen sie nun, ob ihre Sensoren auch funktionieren. "Hätte gar nicht gedacht, dass das so einfach geht", sagt der 15-jährige Philip. Er hat sich für das neue Wahlfach an der Schule eingeschrieben, weil ihn Naturwissenschaften interessieren. Er findet es spannend, so oft auch an der Fachhochschule sein zu können.

Karsten Schmidt, Professor für Mechatronik und Physik an der FH, ist von seinen neuen "Studenten" angetan. "Die Schüler sind jung, haben wenig Vorwissen, sind aber sehr engagiert und interessiert", lobt er die Idee der Akademie. Schmidt und seine Kollegen wollen den Schülern Grundwissen vermitteln, Technik zum Anfassen bieten. "Der Alltag ist immer mehr von komplexer Technik durchdrungen. Es ist gut, die Schüler da heranzuführen", findet er. "Hier bei uns können sie alles anfassen und verstehen."

Fachlehrer Oliver Theiss unterrichtet an der Ziehenschule Mathe und Physik. Er findet es gut, dass die Schüler früh über den eigentlichen Schulbetrieb hinausschauen. Was Fachhochschule oder auch Firmen mit ihren Praktika in das Projekt einbringen, "können wir als Schule so den Schülern sonst gar nicht bieten".

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