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Tanzverbot Karfreitag - der Tanz geht weiter

In Hessen darf am Karfreitag nicht öffentlich getanzt werden. Mehrere Clubs laden trotzdem zur Party ein - und auf der Zeil zahlen Atheisten Passanten die Gebühr für den Kirchenaustritt.

Mit Hinweisschildern weisen die Clubs ihre Gäste auf das Tanzverbot hin. Manche Gäste pfeifen darauf. Foto: Chris Hartung

Im Culture Club in Hanau wollen sie trotzdem feiern. Der „Club 30“ steht auf dem Programm, die Party für Menschen „um und ab 30“, wie es auf der Homepage heißt. Die Veranstaltung gibt es an jedem Freitag. Also auch am Karfreitag.

Im Travolta in der Frankfurter Innenstadt legt am Freitagabend DJ Lunis auf. Der Mann ist unter anderem spezialisiert auf Hip-Hop und garantiere „Ekstase“, teilen die Club-Macher mit.

Das Oberbayern in Alt-Sachsenhausen ist morgen ebenfalls geöffnet. Nur soll nicht getanzt werden, sagt Betreiber Jürgen Vieth. Damit sich alle daran halten, will Vieth sogar Barhocker auf die Tanzfläche stellen.

Drei von vielen Clubs im Rhein-Main-Gebiet, die am Karfreitag Programm haben – obwohl es das Hessische Feiertagsgesetz gibt, das öffentliche Tanzveranstaltungen am Karfreitag verbietet. So weit die Theorie. Aber was ist, wenn DJ Lunis zwar wie angekündigt ab 23 Uhr am Mischpult im Travolta steht, aber erst ab Mitternacht getanzt wird? Oder aber im Oberbayern zwar ein Gassenhauer nach dem anderen aus den Boxen schallt, die Leute aber nur an der Bar stehen, mit den Füßen wippen und laut mitsingen und eben nicht auf die gesperrte Tanzfläche gehen?

Martin Wagner hat genug von solchen Fragen. Der Sprecher des Landesverbands des Internationalen Bunds der Konfessionslosen und Atheisten findet es ein Unding, dass sich Club-Betreiber Schlupflöcher suchen müssen oder aber sich in einer juristischen Grauzone bewegen. Wagner ist einer der Organisatoren der Aktion „Hasenfest 2013“ am heutigen Donnerstag auf der Konstablerwache. Das Motto: „Ich lass Dich beten, lass Du mich tanzen!“

Wagner und seine Mitstreiter gehen den radikalen Weg. Aus Protest gegen das Feiertagsgesetz wollen sie Passanten zwischen 10 und 12 Uhr zum Kirchenaustritt auffordern. Ein großer rosa Hase soll den Interessierten den Weg zum Amtsgericht weisen. Und den ersten zehn Austrittswilligen wollen die Initiatoren auch noch 25 Euro schenken – so hoch sind die Gerichtsgebühren für den Austritt aus der Kirche.

Keine flächendeckenden Kontrollen

Markus Frank hält derartige Aktionen für einigermaßen überflüssig. Der Frankfurter Ordnungsdezernent versteht nicht, wieso aus dem seit Jahrzehnten bestehenden Feiertagsgesetz plötzlich ein Politikum geworden ist. Das Ordnungsamt, sagt der CDU-Politiker, sei verpflichtet, das Gesetz umzusetzen. Und natürlich werde die Stadtpolizei auch tätig – „wenn es Beschwerden gibt“. Frank sagt aber auch: „Es wird keine flächendeckenden Kontrollen geben.“

Doch auch wenn Partygänger im Rhein-Main-Gebiet schon genügend Clubs finden dürften, die geöffnet haben und auch nicht von den Ordnungsbehörden behelligt werden, so kann Frank doch die politische Diskussion über das Verbot nicht verhindern. In Gießen rufen die Piraten zum „Tanzen gegen das Tanzverbot auf“ – am Karfreitag. Und in Frankfurt will die Grüne Jugend Party machen und über das Feiertagsgesetz diskutieren. Allerdings erst am Sonntag. Die Nachwuchsorganisation will der Diskussion die Schärfe nehmen und niemanden mit einer Aktion am Karfreitag provozieren. Einzelheiten wollen die Grünen am heutigen Donnerstag bekanntgeben.

Gabriele Scherle findet die Diskussion um das Feiertagsgesetz wichtig. Deshalb will die evangelische Pröpstin für Rhein-Main auch mit der Grünen Jugend diskutieren. Zwar betont Scherle die hohe Bedeutung des Karfreitags als „stiller Feiertag“. Sie sagt aber auch: „Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie zeitgemäß das Gesetz ist.“ Dürfen sich Gläubige gestört fühlen, wenn am Abend des Karfreitags in irgendeinem Club in der Stadt gefeiert wird? Fragen wie diese will Scherle offen diskutieren.

Eines aber steht für Scherle fest: Mit dem Osterhasen an der Konstablerwache wird sie nicht reden. Die Aktion der Kirchengegner findet sie „niveaulos“.

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