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Sumpfkrebs in Offenbach Aale im Kampf gegen Sumpfkrebs

Biologe Christian Köhler spricht im FR-Interview über ein aus der Not geborenes Pilotprojekt im Schultheisweiher in Offenbach: Aale werden dort im Kampf gegen den Sumpfkrebs eingesetzt.

Aale
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs bedroht den Offenbacher Schultheis-Weiher in seinem biologischen Gleichgewicht. Nun setzt das Umweltamt auf eine biologische Waffe: 1000 Aale. Foto: Stadt Offenbach

Offenbachs einziger Badesee kommt nicht zur Ruhe: Nach mehrjähriger Gewässersanierung gegen Blaualgenbefall hat sich im Schultheisweiher der Rote Amerikanische Sumpfkrebs ausgebreitet und bedroht das ohnehin fragile Ökosystem. Um den Krebs zu bekämpfen, hat das Umweltamt in Abstimmung mit der Oberen Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt Aale als dessen natürliche Feinde aussetzen lassen.

Herr Köhler, Aale sollen Flusskrebse bekämpfen: Gab es das schon einmal in der Region?
Nein, das ist meines Wissens nach ein gänzlich neuer Ansatz. Der beratende Gewässerökologe des Umweltamtes, Christian Schuller, suchte nach einem natürlichen Feind des Krebses, der vornehmlich bodenlebend und nachtaktiv ist. So kam er auf den Aal. In einem fließenden Gewässer wäre es ein wenig einfacher, den Sumpfkrebs zu entfernen...

...Sie würden ihn abfischen.
Genau. In fließenden Gewässern werden die Tiere mit Krebsfangreusen und Ködern einfach abgefischt. Aber in tiefen Gewässern wie ehemaligen Kiesgruben ist das nur sehr schwer möglich. Zumal wir nicht einmal die Größe der Population im Schultheisweiher einschätzen können

Welche Probleme bereitet der Sumpfkrebs?
Vereinfacht gesagt: Der Krebs frisst nicht nur für die Wasserqualität wichtige Wasserpflanzen, sondern wühlt sich auch durch das Sediment, was die Pflanzen zusätzlich beschädigt. Das wirkt sich negativ auf den Phosphatgehalt im Wasser aus. und es kann zum Blaualgenbefall kommen. Außerdem führt der Sumpfkrebs Pilzsporen mit sich, die zum Aussterben heimischer Arten führen.

Die Offenbacher sind mit ihrem Schultheisweiher ja Leid gewöhnt: Der Graskarpfen sorgte einst für Blaualgen, nun ist es der Sumpfkrebs. Wie kamen die Tiere denn in den Weiher?
Das wissen wir nicht genau. Von einer gezielten Ansiedlung kann wegen der Gefahr der Krebspest nicht ausgegangen werden. Ich kann mir nur vorstellen, dass Aquarianer ihn ausgesetzt haben. Der Krebs ist inzwischen weit verbreitet: Im Frankfurter Rebstockweiher, dem Mönchwaldsee Kelsterbach oder der Grube Prinz von Hessen in Darmstadt.

Aber mit Aalen wurde ihm noch nicht zu Leibe gerückt...
Das Offenbacher Projekt ist tatsächlich ein Pilotprojekt, wenn auch aus der Not geboren. Das Regierungspräsidium musste dafür übrigens eine Sondergenehmigung erteilen. Es ist nämlich ansonsten verboten, Aale in stehenden Gewässern auszusetzen.

Sonst wird der Aal eher in Flüssen, wie im Sommer im Altrhein, ausgesetzt, damit er wieder heimisch wird.
Die Aale in Offenbach werden auch nicht auf Dauer im Schultheisweiher bleiben können, nach Ende des Projekts werden sie abgefischt. Früher gab es zwar Aale im Schultheisweiher, aber die haben mit zur Verschlechterung der Wasserqualität geführt. Und das kann sich auch niemand wünschen.

Was passiert eigentlich, wenn es nicht gelingen sollte, die Sumpfkrebse durch die Aale zu dezimieren?
Dann müsste tatsächlich mit riesigem Aufwand versucht werden, die Krebse abzufischen. Aber ob das gelingt, ist fraglich.

Interview: Frank Sommer

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