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Studie Hessen liegt beim Wohnungsbau ganz hinten

In keinem deutschen Flächenland ist das Defizit an bezahlbaren Wohnungen so groß wie in Hessen, zeigt eine aktuelle Studie.

Skyline Frankfurt
Gebaut wird reichlich in und um Frankfurt, doch zu wenig, das bezahlbar wäre. Foto: dpa

In keinem deutschen Flächenland ist das Defizit an bezahlbaren Wohnungen so groß wie in Hessen. Das geht aus einer Studie des Pestel-Instituts in Hannover hervor, die am Montag im Frankfurter DGB-Haus vorgestellt wurde. Innerhalb von sechs Jahren sei die Zahl der fehlenden Wohnungen von 5000 auf 80.000 Wohnungen angewachsen, berichtete der Forscher Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Ursachen dafür seien die Zuwanderung in den Ballungsraum und die Tatsache, dass der Bau bezahlbarer Wohnungen damit bei weitem nicht Schritt halte. So seien in Hessen im vergangenen Jahr rund 20.000 hochpreisige Wohnungen gebaut, aber nur 3200 Mietwohnungen mit Sozialbindung geschaffen worden, erläuterte der Ökonom Günther. Seit Jahren fielen mehr Wohnungen aus der Sozialbindung heraus, als neu geschaffen würden. 

Für seine Berechnungen hat das Pestel-Institut den Bedarf errechnet, der entstünde, wenn es im Durchschnitt einen Wohnungsleerstand von drei Prozent gäbe. Wohnungsnot beginne, wenn der Wert unter diese Marke rutsche, erläuterte Günther. Leerstand sei notwendig, damit Menschen umziehen könnten und auch, um notwendige Sanierungen erledigen zu können. 

Berechnung bis 2035

„In den kommenden Jahren müssen pro Jahr 35.000 Wohnungen gebaut werden, davon mindestens ein Drittel Sozialwohnungen“, sagte Günther. Bis zum Jahr 2035 müssten bis zu 400.000 Wohnungen entstehen – allesamt im unteren oder mittleren Preissegment. 

Der Forscher plädierte ebenso wie der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Hessen, Michael Rudolph, dafür, auf Bindungsfristen für Sozialwohnungen zu verzichten. Diese Wohnungen müssten dauerhaft für Menschen mit niedrigen Einkommen zur Verfügung stehen. Daher müssten öffentliche Wohnungsbaugesellschaften nicht nur Sozialwohnungen bauen, sondern auch Gebäude aufkaufen und dauerhaft als Sozialwohnungen zur Verfügung stellen. „So kann man auf Preise Einfluss nehmen“, betonte Rudolph. 

Nach Auffassung des Gewerkschaftschefs hat die schwarz-grüne Landesregierung „in der Wohnungspolitik komplett versagt“. Die öffentlichen Investitionen in diesen Bereich müssten deutlich erhöht werden. 

Forscher Günther hatte die Zahlen teilweise bereits in der vorigen Woche veröffentlicht, als er eine Pestel-Studie zur Wohnungsnot von behinderten Menschen in Hessen präsentierte, die im Auftrag der Lebenshilfe erstellt worden war. Jetzt fügte er hinzu, dass auch andere Randgruppen derzeit kaum eine Chance hätten, eine Wohnung zu erhalten. Das gelte etwa für alleinerziehende Mütter und Väter, für ehemalige Strafgefangene oder Drogenabhängige.

Frank Schmidt-Hullmann vom Bundesvorstand der Gewerkschaft IG Bau zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse des Wohngipfels im Bundeskanzleramt im September. Mit den dort zugesagten Mitteln von insgesamt fünf Milliarden Euro für vier Jahre könnten bundesweit nicht mehr als 25.000 Wohnungen pro Jahr errichtet werden. Gleichzeitig fielen 50.000 Wohnungen aus der Sozialbindung heraus. 

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