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Streit um Regionalverband Streit um Umzug

Der Direktor des Frankfurter Regionalverbands in der Poststraße, Ludger Stüve, plant den Umzug des Verbands. Aus Kostengründen ist er auf der Suche nach einem neuen Domizil, doch die Parteien wollen am jetzigen Standort bleiben.

Umstrittene Adresse: Die Poststraße 16 ist Sitz des Regionalverbands Frankfurt. Verbandsdirektor Stüve will das ändern. Foto: FRFOTO

Es sind nur ein paar Schritte vom Frankfurter Hauptbahnhof zum Regionalverband Frankfurt-RheinMain. Der Verband hat dort im Jahr 2005 ein damals nagelneues Bürogebäude bezogen, die Poststraße 16. Zuständig ist der Verband für die Flächennutzungsplanung im Ballungsraum. Die rund 100 Mitarbeiter planen Wohn- und Gewerbegebiete, suchen nach Flächen für neue Windräder und sind gefragt, wenn es um neue Verkehrsvorhaben in der Region geht. Da ist die Lage direkt an einem Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs nur folgerichtig.

Doch nun ist der Verband auf dem Sprung. Verbandsdirektor Ludger Stüve, Sozialdemokrat und seit rund 18 Monaten im Amt, plant den Umzug. Das bringt die Opposition im Verband auf die Palme. Sie werfen Stüve vor, sich mit einem neuen, noch schickeren Domizil profilieren zu wollen. Das sei reine Geldverschwendung zum Schaden der 75 Kommunen, die dem Verband angehören und ihn durch eine Umlage finanzieren. Pikant außerdem: Nach einem neuen Verbandssitz hat sich im Auftrag und mit Vollmacht Stüves ausgerechnet der Frankfurter Industrie- und Handelskammer-Präsident Mathias Müller umgesehen. Der gehört als beratendes Mitglied dem Vorstand des Regionalverbands an, ist also quasi Stüves Kollege. Hauptberuflich aber ist Müller Immobilienfachmann und verdient mit der Suche von neuen Quartieren für Firmen für gewöhnlich sein Geld. Da finden manche sein Engagement für den Regionalverbandsumzug zumindest etwas anrüchig.

Leerstand im Verband

„Es geht darum, Geld zu sparen“, sagt Stüve. Zurzeit zahlt der Verband für das sehr ansehnliche und gut ausgestattete Gebäude in der Poststraße eine Jahresmiete von 1,5 Millionen Euro. Seit seinem Einzug aber ist der Verband geschrumpft, rund 20 Büros stehen leer. Im April 2015 läuft der Mietvertrag aus. „Wir müssen uns verkleinern und können künftig sicher 500.000 Euro im Jahr sparen“, ist sich Stüve sicher. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass ihm der jetzige Standort stinkt – was man durchaus wörtlich nehmen kann. Direkt gegenüber von Stüves Büro befindet sich der zentrale Müllsammelplatz des Hauptbahnhofs, eine tatsächlich anrüchige Angelegenheit. „Nicht gerade prickelnd“, findet Stüve das – und gar nicht repräsentativ.

Seine Kritiker halten das sogar für den Hauptgrund für die Umzugsabsichten des Regionalverbandsdirektors. Der hat das Allianz-Gebäude am Theodor-Stern-Kai als mögliche Alternative zur Poststraße ausgemacht, direkt am Mainufer gelegen mit schönem Blick auf die Frankfurter Skyline und den Taunus. Mindestens 10.000 Quadratmeter stehen dort leer. In der Sitzung der Verbandskammer am Mittwoch haben Mitglieder der CDU-Fraktion Stüve mit ihren Fragen zu einem möglichen Umzug gelöchert. Was ein Umzug wohl kosten würde, wollten sie wissen. Ob der Personalrat informiert sei. Wie viele Alternativen geprüft worden seien und sogar, ob im Falle eines Einzugs des Regionalverbands die Allianz bereit sei, ihr Firmenlogo von der Fassade zu nehmen. Zumindest auf Letzteres hatte Stüve keine Antwort. Auf jeden Fall aber machte er klar, dass es noch keine Entscheidung in irgendeiner Richtung gebe. Der FR sagte er, er wolle in der nächsten Sitzung der Verbandskammer eine Vorlage dazu einbringen, wie es nach Auslaufen des Mietvertrags im April 2015 weitergehen könne. Denkbar sei ja auch, am jetzigen Standort zu bleiben, bei verringerter Miete und mit weniger Büros.

Stüves Parteifreund und Sprecher der SPD-Fraktion im Regionalverband, Wölfersheims Bürgermeister Rouven Kötter, würde jedenfalls lieber in der Poststraße bleiben. „Das Gebäude liegt wirklich optimal“, sagt er. Umziehen würde er nur, wenn sich dadurch wirklich ordentlich Geld sparen ließe und auch der neue Standort zentral gelegen sei. Ähnlich sieht es der Grünen-Fraktionschef und Bad Homburger Oberbürgermeister Michael Korwisi. „Ich bin vom Rathaus aus in 30 Minuten in der Poststraße“, sagt er. Allerdings sei das Gebäude tatsächlich „deutlich zu groß“. Stüve suche deshalb zu recht nach Alternativen zu der jetzigen Jahresmiete von 1,5 Millionen Euro. „Das ist legitim“, sagt Korwisi. Dass ihm dabei IHK-Präsident Müller zur Seite steht, hält Stüve für unproblematisch. „Er erhält von uns keine Gratifikation, stellt keine Rechnung“, sagt er. Müllers Arbeit sei sehr hilfreich und er sei froh, dass dieser sein Know-how einbringe. Auch Müller kann nichts Anrüchiges finden. „Ein seitens des Verbandes zu honorierendes Auftrags- oder sonstiges Vertragsverhältnis bestand nie und besteht auch heute nicht“, teilt er auf Anfrage mit.

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