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Streckenausbau Main-Weser Vier Gleise nach Bad Vilbel

Kein Grund zum Zweifeln: Die Bahn fängt 2010 mit dem Ausbau der Main-Weser-Strecke an - trotz zwölf Klagen von Bürgern. Von Jutta Rippegather

Vier Gleise sollen nach Bad Vilbel führen. Die Bauarbeiten hierfür werden noch 2010 beginnen. Foto: ddp

"Es gibt keinerlei Grund, daran zu zweifeln. Noch in diesem Jahr beginnt der Ausbau der Bahntrasse Frankfurt-West-Bad Vilbel." Das versichert Thorsten Sälinger, Sprecher der Deutschen Bahn, auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Die Klagen von Bürgern aus dem Frankfurter Norden verzögern nach seinen Angaben das Projekt nicht. "In Bad Vilbel haben wir Baurecht, da können wir anfangen." Und was die Arbeiten auf der Gemarkung Frankfurt betrifft - die würden später losgehen, nachdem die Richter entschieden haben.

Seit vielen Jahren fordern Kommunen und Fahrgastverbände den vierspurigen Ausbau der hochbelasteten Main-Weser-Strecke. Die Realisierung wurde mehrfach verschoben. Aktuell gilt folgender Zeitplan: Der erste, 12,6 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Frankfurter Westbahnhof und Bad Vilbel geht Ende 2013 in Betrieb. Weitere 16,8 Kilometer bis nach Friedberg sollen zum Fahrplanwechsel 2015/2016 folgen.

Derzeit verkehrt auf den vorhandenen zwei Gleisen nahezu alles, was sich auf der Schiene bewegen kann; und behindert sich dabei gegenseitig: ICE, Güterzüge, Regionalbahnen und die S-Bahn-Linie 6 fahren dort. Wie eng es auf der Strecke ist, zeigt der seit Dezember gültige Fahrplan: Neue Zeiten des IC Hamburg-Karlsruhe haben dazu geführt, dass die S 6 alle zwei Stunden in Nieder-Wöllstadt stehen bleiben muss, um überholt zu werden. Wer darin sitzt, verliert wertvolle Minuten. Deshalb begrüßt der Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds die Ankündigung der Deutschen Bahn: "Wir freuen uns, das zu hören", sagt Peter Vollmer. Vom Ausbau würden auf alle Fälle auch die Nutzer der S-Bahn und der Regionalbahnen profitieren.

"Schildbürgerstreich"

Die Mitglieder der Bürgerinitiative aus dem Frankfurter Norden vertreten eine andere Auffassung: Der Nahverkehr habe nichts davon, weil der S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt als Nadelöhr bleibe. "Es wird keine einzige S-Bahn mehr fahren, sondern nur mehr Güterzüge", prognostiziert Klaus Funk, Sprecher der Initiative "2statt4". Deren rund 200 Mitglieder lehnen das Projekt gänzlich ab.

Trotz nachgebessertem Lärmschutz sei mehr Krach zu erwarten und die Landschaft werde "gnadenlos verschandelt", argumentieren sie. Die Bürgerinitiative unterstützt die zwölf Kläger, die sich derzeit vor dem Verwaltungsgerichtshof gegen den Ausbau wenden. Spätestens für Mitte des Jahres rechnet Funk mit einer Entscheidung. Falle die negativ für sie aus, werde die Bürgerinitiative nach Leipzig vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen. Deshalb fragt Funk, ob es sinnvoll ist, vor der endgültigen Entscheidung mit dem Ausbau zu beginnen, der schließlich Steuergelder koste: "Das könnte sich zum Schildbürgerstreich entwickeln. "

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