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Stephan Sulke in Aschaffenburg Uschi macht immer noch Quatsch

Oft ist er jäh verschwunden und dann taucht er doch wieder auf: Der Chansonnier Stephan Sulke gastiert im Aschaffenburger Hofgarten. Im Gepäck hat er natürlich „Uschi“ und Evergreens, aber auch Neukompositionen, aus denen er noch mal eine CD „basteln“ will.

19.02.2016 13:27
Wolfgang Heininger
Stefan Sulke arbeitet an einer neuen Platte. Foto: Holger Scholl

Lieder mit schlaueren Texten wollte er immer machen und gehört damit, auch altersmäßig, in eine Reihe von Barden, die vor allem in den 70er und 80er Jahren ihre Erfolge feierten, Reinhard Mey etwa und der bereits verstorbene Ulrich Roski. Sie standen, sich selbst begleitend mit Gitarre oder Klavier, meist allein auf der Bühne. Sie komponierten selbst und schrieben originelle, nachdenkliche und aufmüpfige Texte, ohne jedoch revolutionär wie andere 68er zu sein.

Den größten „Hit“ landete Stefan Sulke übrigens mit einem beiläufigen Stück. Das war, wie er versichert, eigentlich nur dazu gedacht, die Anforderungen seiner Plattenfirma zu erfüllen und für die nächste LP mindestens 30 Minuten Musik zu liefern: also Auffüllware. So entstand „Uschi, mach kein' Quatsch“, eine milde Satire auf die Emanzipationsbewegung und die neuen Anforderungen an die Männer. Um sich an besagte Uschi heranpirschen zu können, degradiert sich der Sänger zum Hausmann, der bei Frauendemos mitlatscht und bei Ehelichung gar Uschis Nachnamen „Tulpenstängel“ übernehmen will.

„Uschi“ stürmte die Charts

Wer noch nie etwas von Stefan Sulke gehört hat, „Uschi“, das 1982 die Charts stürmte, kennt beinahe jeder – na jedenfalls von den älteren Semestern. „Erst habe ich es am Schluss gespielt, bis ich gemerkt habe, dass die Leute nur dafür gekommen sind. Als ich es dann am Anfang gespielt habe, waren nach der Pause alle weg“, nimmt er sich selbst auf die Schippe.

Im Aschaffenburger Hofgarten bleiben die Zuhörer da, offenkundig eine eingeschworene Gemeinde, und singen die „Uschi“ – „Ihr habt schließlich 35 Jahre Zeit gehabt, den Text zu lernen“ - fast komplett selbst.

Dabei hat der mittlerweile 72-jährige Schweizer doch so vieles Tiefgründiges geschrieben, vor allem feinfühlige, oft melancholische Liebesballaden mit eindringlichen Melodien. Darunter auch Lieder, die von Katja Ebstein und Herbert Grönemeyer gesungen wurden. Musik und Liebe gehören zusammen, glaubt er. Liebe, das ist natürlich Glück, aber auch Abschied, Alleinsein und zerstörte Illusion.

Flucht vor den Nazis

Wechselvoll wie seine Beziehungen war Sulkes Leben. Seine jüdischen Eltern flüchteten vor den Nazis nach Shanghai, wo er 1943 geboren wurde. In der Schweiz wuchs er auf, lebte zeitweise in Frankreich und den USA und schrieb dort Ende der 60er Jahre seine ersten Chansons. Zwischendurch studierte er Jura, baute ein eigenes Tonstudio auf, verbesserte die Technik von Radiosendern, arbeitete in einem Architekturbüro und hatte Anfang des neuen Jahrtausends Ausstellungen als Bildhauer und Maler.

Nach oft langen Pausen kehrte er jedoch immer wieder zur Musik zurück, nicht als Star, sondern als „Typ von nebenan, der mal nachts nicht schlafen kann“. Derzeit „bastelt“ er an einer neuen CD, die aber wahrscheinlich, wie er selbstironisch anmerkt, „erst posthum herauskommt“. Die Gesamtbilanz fällt trotz aller Wehmut positiv aus: „Unter dem Strich kann ich sagen: Es war gut.“

Dass Sulke mit sich im Reinen ist, merkt das Publikum auch den Scherzen an, die er gelegentlich einstreut. „Ich sehe im Spiegel so schrecklich aus“, habe er neulich seinem Schatz geklagt: „Sag mir doch mal was Nettes!“ Sie habe geantwortet: „Immerhin hast du noch gute Augen...“

Stephan Sulke ist am 14. März im Mainzer Unterhaus zu Gast. Weitere Infos unter www.stephansulke.com.

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