Lade Inhalte...

Steinbach Shitstorm wegen Kopftuch-Verbot

Ein Elternbrief führt in Steinbach zu massiven Angriffen auf die Grundschule und den Bürgermeister.

Islamunterricht
Anlass für die Aufregung ist das Rundschreiben einer Schulleiterin in Steinbach. Foto: dpa

Als „rassistisch“ bezeichnet ein User auf Facebook die Leiterin der Steinbacher Geschwister-Scholl-Schule, ein anderer unterstellt ihr eine „islamfeindliche Haltung“. In den vergangenen Tagen sind zudem reichlich E-Mails mit ähnlichem Tenor bei der Grundschule und dem Staatlichen Schulamt eingegangen. Wegen der „personenbezogenen Beleidigungen“, die einige von ihnen enthalten, befasst sich nun auch die Polizei damit. Das bestätigte Polizeisprecher Volker Hammann der FR auf Anfrage. 

Anlass ist ein Rundschreiben, das die Schulleiterin bereits vor den Osterferien an alle Eltern der Grundschule geschickt hatte. Darin findet sich die Passage: „Das Tragen von Kappen, Tüchern und Kopftüchern ist im Unterricht nicht erlaubt.“ Eine Erinnerung an die entsprechende Regelung in der seit längerem geltenden Schulordnung, gegen die es laut Hessischem Kultusministerium bislang noch keine Proteste gegeben hat. Die Schule, ihre Leiterin und das Staatliche Schulamt möchten sich derzeit zu dem Thema nicht äußern.

Hintergrund für den „Shitstorm“ dürfte die Diskussion um ein Kopftuchverbot an Kitas und Schulen in Nordrhein-Westfalen sein. Einige der Schreiber beziehen sich darauf oder verschicken entsprechende Links. Laut Polizei ist lediglich bei drei Mailschreibern ein direkter Bezug zur Schule erkennbar. 

Noch sei offen, ob die Geschwister-Scholl-Schule oder das Staatliche Schulamt Anzeige erstatten. Wenn nicht, werde die Polizei die entsprechenden Schreiben an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, kündigt Hammann an. Die müsse dann prüfen, ob es sich bei den verbalen Angriffen um strafrechtlich relevante Inhalte handele.

Auch Steinbachs Bürgermeister Stefan Naas (FDP) und seine Partei sind in den sogenannten sozialen Netzwerken zur Zielscheibe des Protests geworden. Naas spricht von „massiven Anwürfen“, die meisten Posts sind inzwischen gelöscht. In einer gemeinsamen Antwort verweisen er und die örtliche FDP darauf, dass sie keinen direkten Einfluss auf Entscheidungen der Schule haben. Deshalb möchte er zu inhaltlichen Fragen auch nicht Stellung nehmen, sagt Naas. 

Was die Angriffe gegen die Geschwister-Scholl-Schule angeht, stelle er sich aber hinter die Schulleitung. Schließlich gehe es auch um den sozialen Frieden in Steinbach. „Es kann nicht sein, dass Auswärtige unsere Stadt zu ihrem Kampfplatz machen“, betont Naas. 

Der Sprecher des hessischen Kultusministeriums, Philipp Bender, sieht es als „legitim“ an, dass die Steinbacher Grundschule eine Regelung zu Kopfbedeckungen in ihre Schulordnung aufgenommen hat. Rechtlich gesehen besitze der Passus allerdings nur den Status einer Empfehlung. Wenn jemand gerichtlich dagegen vorginge, hätte das Verbot von Kappen und Kopftüchern wohl keinen Bestand. 

Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen habe die hessische Landesregierung keine Bestrebungen, ein Kopftuchverbot für Schülerinnen auf den Weg zu bringen, erklärt Bender. Auch an den Schulen sei dies bislang noch kein großes Thema gewesen. Dort sei es vor allem um die Frage gegangen, ob Lehrerinnen ein Kopftuch tragen dürfen oder nicht. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen