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Steinau Bürgermeister Uffeln stemmt sich gegen Abwahl

Der Bürgermeister von Steinau hat eine Nazi-Biografie mit einer Widmung im Nazi-Jargon versehen. Künftig will Uffeln seine „derbe Wortwahl“ ändern.

Martin Bormann
Martin Bormann war eine NS-Größe und wichtiger Vertrauter von Adolf Hitler. Foto: imago

Das Vokabular in den privaten Facebook-Nachrichten hat es in sich: Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteilos) bezeichnet Kritiker als „Dreckbande“ und „Gesocks“. Er fordert, dem Blogger Jörg Treffler, der die Seite „Kein Blatt vor den Mund – Steinau Talk“ betreibt, „Zunder“ zu geben. Und dann ist da noch die DVD, die ein vermeintlicher Unterstützer als Anschauungsmaterial erhalten soll: „Der Pate“.

Das geht aus Facebook-Chats hervor, die der Bürgermeister mehrere Monate lang mit einem Holger Petersen geführt hat. Dieser hat schließlich Uffelns Buchwidmung im Nazi-Jargon veröffentlicht – was dazu beigetragen hat, dass die Stadtverordneten ein Abwahlverfahren gegen Uffeln in Gang gesetzt haben. Am 24. September entscheiden die Bürger. Uffeln hatte ein Buch über Hitler-Sekretär Bormann verschenkt und unter anderem „m F“ dazugeschrieben, was für „mein Führer“ stehen kann.

Während einer Pressekonferenz am Dienstag sagte Uffeln, er sei zuversichtlich, dass er im Amt bleibt, da er gute Arbeit mache. Erneut erklärte er, die Widmung sei ein schlechter Scherz gewesen. Die Echtheit des zitierten Chats – den Blogger Treffler von Petersen zugespielt bekam  – bestritt Uffeln nicht. Die Wortwahl sei derb. Er wolle sich nicht mehr so verhalten. Allerdings würden seine Kontrahenten ebenfalls hart austeilen. Uffeln sagte, er sei naiv gewesen, habe den Namen Holger Petersen – ein Pseudonym – nicht gekannt. Er habe ihn für einen ihm bekannten Unterstützer gehalten – dem er dann auch die DVD habe bringen lassen, auch „ein Scherz“. Als der Film zurückkam, habe er die Kommunikation beendet. Petersen wurde vom Anhänger zum Gegner. Auf die Frage Petersens, ob er die Widmung publizieren dürfe, habe er nicht geantwortet. Ein Fehler, so Uffeln.

Staatsanwaltschaft  ermittelt nicht

Er verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Buchgeschenks keinen Anlass für Ermittlungen sah. Und dass der Main-Kinzig-Kreis das Bußgeld von 1000 Euro gegen ihn nicht wegen des Buches verhängt hat, sondern weil er seine Nebentätigkeit als Referent nicht angezeigt und drei von 67 Vorträgen in der Arbeitszeit gehalten habe. Laut Uffeln ist das Honorar in Steinaus Etat geflossen.

Nicht bewiesen ist nach Angaben des Kreises, dass der Bürgermeister, wie ihm vorgeworfen wird, in der Nacht auf den 20. April in einem Lokal das Horst-Wessel-Lied gesungen habe. Uffeln sagte dazu, er könne sich nicht erinnern und kenne den Text nicht. Er kündigte an, unabhängig vom Abwahlausgang seine dienstliche Facebook-Präsenz einzustellen. Mit den Stadtverordneten wolle er künftig besser zusammenarbeiten. Er schlug zum Beispiel einen gemeinsamen Katalog mit Verhaltensregeln vor.

Derweil bleiben Parlamentarier wie Tobias Betz von „Bürger gestalten mit“ (BGM) bei ihrer Kritik. Uffeln sei untragbar, habe gar kein Interesse an einer Zusammenarbeit. Die Sache mit den Nebentätigkeiten sei noch nicht restlos aufgeklärt. Die Stadtverordneten haben einen Prüfantrag an das Rechnungsamt des Kreises gestellt, auch weil Uffeln ihnen gegenüber die Uhrzeiten seiner Vorträge nicht angegeben habe, trotz mehrfacher Aufforderung. Für den Fall, dass Uffeln bleibt, kündigen einige Parlamentarier ihren Rücktritt an.

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