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Stadtmuseum Hattersheim Sarotti, der Mohr und das Stadtmuseum

Im September soll Baubeginn für das neue Stadtmuseum in Hattersheim sein, zum Jahresende 2019 ist dann die Eröffnung vorgesehen.

Sarotti-Mohr
Happy Birthday! Heute feiert das Sarotti-Wahrzeichen seinen 100. Geburtstag. Foto: Rolf Oeser

Natürlich wird der Markenname Sarotti und die dazugehörige Werksgeschichte eine wichtige Rolle spielen im neuen Museum. Die Geschichte gibt das vor, das Stadtmuseum, wie es dann heißen soll, bekommt seine Heimat im ehemaligen Werkstattgebäude auf dem einst weitläufigen Sarotti-Gelände. Der riesige runde Schornstein als Wahrzeichen und Erinnerungsmal wird dann das letzte Relikt der alten Zeit in seiner ursprünglichen Form sein. Verweisend etwa auf die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, als hier bis zu 2000 Menschen in der Schokoladenproduktion gearbeitet haben und Sarotti der größte Arbeitgeber im Main-Taunus-Kreis war. Seit 1994 steht das Werkstattgebäude mit den beiden charakteristischen Eck-Pavillons leer, ein Kulturdenkmal im Wartezustand.

Nicht mehr lange soll es dauern, bis hier neue Geschichte mit alten Geschichten geschrieben wird. Viele Hattersheimer können Sarotti-Geschichten erzählen. Haben hier in Lohn und Brot gestanden oder als Jugendliche in den Ferien ihr erstes Taschengeld verdient, heimlich Schokolade gemopst, gelernt, wie die hierarchisch strukturierte Arbeitswelt funktioniert. Schöne Erinnerungen trotzdem, am Samstag wurden einige an die Oberfläche gespült bei einer Info-Veranstaltung des Geschichtsvereins im entkernten Werkstattgebäude. Auf zwei Laptops laufen alte Sarotti-Werbespots, die ein Wiesbadener Medienprofessor auch dem künftigen Museum zur Verfügung stellt, anhand detaillierter Pläne erläutern Architekten, Investoren und Museumsbetreiber, wie sie sich das neue Stadtmuseum mit integrierter Gastronomie vorstellen. Kleine Täfelchen Schokolade mit einem Mini-Mohren versüßen den Morgen im „Schokoladenquartier“, wie sie das Neubaugebiet am Hessendamm neben dem ehemaligen Werksareal getauft haben.

Hans Franssen spricht vom „Bürgermuseum“, das hier entstehen soll. Weil jede Menge Bürgerengagement in der jahrelangen Vorbereitung des Projekts stecke, weil Bürger viel Geld für die Verwirklichung des Museumstraumes gespendet hätten, weil der Geschichtsverein die Kosten für den Betrieb der künftigen Ausstellungsräume alleine tragen muss und daher sehr viel ehrenamtlicher Einsatz auch in Zukunft gefragt sei. Hans Franssen, früher Bürgermeister von Hattersheim, heute Erster Vorsitzender des Geschichtsvereins, spricht aus, was ihm hier niemand verübelt. Denn wenn über Sarotti geredet wird, geht es immer auch um den Sarotti-Mohren.

Am Montag wird der Mohr 100 Jahre alt

„Am Montag wird der Mohr 100 Jahre alt“, sagt Franssen. „Ich sage es bewusst, für mich ist es der Mohr.“ Da nicken ganz viele der rund 100 Neugierigen, die Neuigkeiten über den Museumsbau erfahren wollen. Der Werbeträger des Unternehmens ist ausschließlich eine positive Identifikationsfigur. Im Museum wird es gar eine „Mohrenparade“ geben, so steht es in den Plänen der Innenarchitekten. Sie wird im Neubau präsentiert, „um Passanten neugierig zu machen“, was sie hinter der Glasfront erwartet. Jede Menge Sarotti nämlich, die Ausstellungseinheit Sarotti mit Werksgeschichte und den Abteilungen Werbung, Produkte und Schokoladenproduktion wird etwa die Hälfte des alten Werkstattgebäudes einnehmen.

Die fast 100 Jahre alte Industriearchitektur wird in Verbindung mit einem Anbau mit großer Glasfront auf der Südseite über 500 Quadratmeter barrierefreie Ausstellungsfläche bieten. Dazu Gastronomie mit Restaurant und Café im „Vier-Schichten-Betrieb“, 80 Plätze im Innenraum, 60 Plätze bei schönem Wetter vor der Tür mit Blick aufs Schokoladenquartier, wo sich nur wenige Anwohner Sorgen machen wegen möglicher Lärmbelästigung. Für den Anbau gab es aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes und des vorgegebenen Baufeldes auf der Südseite keine Alternative. Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis am 15. August endlich die Baugenehmigung auf dem Tisch lag, „im September wollen wir loslegen“, so der Architekt.

Geträumt hatten sie von einer Öffnung des Stadtmuseums zum 100. Geburtstag des Sarotti-Mohren. Mit einer Sonderausstellung dazu, die im aktuellen Konzept zu einer Dauerausstellung wird. Im ersten Bauabschnitt sollen die Themenbereiche Stadtgeschichte im Neubau und Archäologie im Westrisalit realisiert werden, die Industriegeschichte Hattersheim mit fünf Kabinetten kommt im historischen Bau unter. „Wir feiern dann eben den 102. Geburtstag des Mohren“, sagt Franssens Stellvertreterin Ulrike Milas-Quirin pragmatisch. Der Jahreswechsel 2019/2020 wird nun als Eröffnungstermin angepeilt.

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