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Stadtentwicklung Studenten schmieden Ideen für Friedberg

Friedberg ist ein hervorragendes Studienobjekt, findet die TU Darmstadt. Sie beschäftigt sich mit der städtebaulichen Entwicklung der Wetterauer Kreisstadt.

Zurzeit gibt die Kaiserstraße an vielen Stellen kein besonders schönes Bild ab – das soll sich ändern. Foto: Rolf Oeser

Mehr spannende Themen können Sie Studenten nicht bieten“, sagt Annette Rudolph-Cleff. Die Professorin für Stadtentwicklung an der TU Darmstadt hält Friedberg für ein hervorragendes Studienobjekt. Sie schätzt das Miteinander von modernem regionalen Zentrum, in das immer mehr Menschen ziehen, und reichem historischem Erbe und schwärmt von der Stadtsilhouette mit dem Turm der gotischen Hallenkirche, der mittelalterlich geprägten Marktstraße (Kaiserstraße) und der großen Burganlage. Rudolph-Cleff hat deshalb nicht lange überlegen müssen, als der Friedberger Architekt Michael Frielinghaus sie im Frühjahr 2016 fragte, ob sich ihre Studenten nicht einmal näher mit Friedberg beschäftigen wollten.

23 Bachelor- und Masterstudenten konnten sich für die Idee begeistern. In den vergangenen Wochen beschäftigten sie sich intensiv mit der Wetterauer Kreisstadt und ihren Bewohnern. Sie erkundeten Friedberg zu Fuß, sprachen mit Einwohnern und vertieften sich in die Geschichte. Am Ende des Studienprojekts soll ein städtebauliches Konzept stehen, vom dem sich die Kommunalpolitik neue Impulse erhofft.

Friedbergs Bürgermeister Michael Keller (SPD) ist gespannt auf die Ergebnisse. „Wir nehmen keinen Einfluss. Welche Ecken die Studenten interessant finden, wissen wir nicht“, sagt er. Die Stadt könne von einem „unvoreingenommenen Blick“ von außen profitieren – und lässt ihn sich auch etwas kosten. Mit je 12 500 Euro finanzieren die Stadt und der Stadtmarketing-Verein das Studienprojekt, das von einigen Bürgern, darunter der Friedberger Apotheker Bernd Ulrich und der frühere Präsident der IHK Gießen-Friedberg Hartmut Ulrich, initiiert wurde.

Es ist indes nicht das erste Mal, dass Studenten in Friedberg sind, um zu forschen. Vor über zehn Jahren nahm sich eine Arbeitsgruppe der Bauhaus-Universität Weimar des Alten Hallenbades an. Und auch in der Burg hielten sich schon angehende Akademiker für ihre Studien auf. Doch in der Größenordnung wie das aktuelle Projekt der TU Darmstadt habe es in Friedberg noch nichts gegeben, so Keller. In Hessen haben die Städteplaner der TU schon mehrere ähnliche Studien gemacht, zum Beispiel in Mörfelden-Walldorf und Bensheim. Auch Großstädte wie Freiburg und Mannheim zählten schon zu ihren Studienobjekten.

Für den Rathauschef kommt die Studie der TU zur rechten Zeit. Denn es tut sich viel in der Wetterauer Kreisstadt. In der Burg will das Studentenwerk Gießen mehr als 70 Studentenwohnungen, zum Teil in einem Neubau, errichten. Daneben plant ein Investor mehrere Reihenhäuser. Die von denkmalgeschützten Gebäuden gesäumte Kaiserstraße, auf deren westlicher Seite sich Billigläden breitmachen, wartet auf die nächste Phase ihres Umbaus zwischen Elvis-Presley-Platz und Sparkasse. Und in der früheren US-amerikanischen Kaserne soll ein riesiges Wohn- und Gewerbequartier entstehen.

Diese und viele andere Orte haben sich die Darmstädter Studenten angeschaut. Zurzeit arbeiten sie eifrig an ihrem städtebaulichen Konzept. Nicht die gesamte Stadt ist ihr Thema, sondern verschiedene Quartiere. Zukunftsweisende Bau- und Wohnformen sind laut der Aufgabenstellung ebenso gefragt wie die Gestaltung von Freiflächen und Plätzen.

Nicht selten entstünden daraus sogenannte Zielkonflikte, sagt Rudolph-Cleff. Dennoch müsse alles zusammenpassen. „Ich kann eine Stadt nicht über Einzelprojekte entwickeln.“ In wenigen Wochen werden die Studenten ihre Ergebnisse in Friedberg öffentlich vorstellen und diskutieren.

Am Mittwoch, 11. Januar, hält der Berliner Landschaftsarchitekt Axel Klapka im Rahmen des Projekts einen Vortrag um 17 Uhr im Friedberger Rathaus, Mainzer-Tor-Anlage 6. Der Termin für die Präsentation der Studienergebnisse steht noch nicht fest.

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