Lade Inhalte...

Stadtentwicklung in Offenbach Offenbach will sich Gewerbeflächen sichern

Offenbach will neue Gewerbesteuerzahler anziehen. Doch die Stadt braucht Platz für Neuansiedlungen. Sie will deshalb, dass die Stadtwerke aus strategischen Gründen das ehemalige Mercedes-Areal kaufen.

Verwaltungsgebäude Allessa am Main
Bis Start-ups diesen Bau auf dem Allessa-Gelände beziehen können, dauert es noch ? die Stadt sucht deshalb andere Flächen. Foto: Monika Müller

In Zeiten des Strukturwandels neue Gewerbesteuerzahler anzusiedeln, ist für Offenbach von enormer Bedeutung – die klamme, aber stramm wachsende Kommune muss unter anderem den Bau neuer Straßen und diverse Schulsanierungen und -neubauten stemmen. Große Erwartungen setzt die Lokalpolitik deshalb in die gewerbliche Entwicklung des ausladenden ehemaligen Allessa-Areals im Osten der Stadt. Doch der Zeitplan für das im Offenbacher Masterplan „Innovationscampus“ genannte Großprojekt ist ins Stocken geraten – und so rücken zunächst andere Flächen in den Fokus.

Wie einer aktuellen Magistratsvorlage zu entnehmen ist, soll die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) am Bieterverfahren für das ehemals von Mercedes genutzte Areal südlich des Ostbahnhofs teilnehmen – und die Grundstücke an der Daimler- und Benzstraße für etwa sieben Millionen Euro kaufen. Der Ankauf der Liegenschaften diene „der strategischen Sicherung von Schlüsselgrundstücken in wichtigen Gewerbelagen“, heißt es in dem Schreiben, das der FR vorliegt und über das die Stadtverordneten heute abstimmen. Der SOH-Aufsichtsrat hat seine Zustimmung zum Kauf bereits Ende November in einer außerordentlichen Sitzung gegeben.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) wagt es, die ganz großen Entwicklungslinien zu umreißen, wenn es um das Areal der ehemaligen Offenbacher Mercedes-Niederlassung geht, die letztes Jahr (samt Gewerbesteuer) an den Frankfurter Teil des Kaiserlei gezogen ist. Schneider zufolge existiere eine Nachfrage an bestimmten Gewerbeflächen, die in Offenbach momentan nicht bedient werden könne – unter anderem wegen des Konflikts um die künftige Nutzung des Allessa-Geländes. Die Politik müsse nun unbedingt verhindern, dass sich junge Unternehmen, die über die erste Start-up-Phase hinaus sind und bereits Geld erwirtschaften, wegen Flächenmangels woanders in der Region ansiedeln.

„Es gibt Pfade der Entwicklung, die man besser betreten kann, wenn man Grundstückseigentümer ist“, sagt Schneider. Durchaus kritisch sieht er allerdings die Pläne der kommunalen Dienstleistungsgesellschaft ESO, einen Teil des Geländes nach Ankauf für das Abstellen von Fahrzeugen, Containern und möglicherweise Schüttgut zu nutzen. Solche Ideen müsse die Stadt „kritisch gegenlesen“, sagt Schneider.

Keinen Hehl macht der OB auch daraus, dass er sich an dem verkehrsgünstig gelegenen Standort nahe des Ostbahnhofs etwas anderes wünscht als ein Logistikdrehkreuz mit Lastwagenverkehr. Man müsse vielmehr die Grundlagen dafür schaffen, dass sich in Offenbach eines Tages vielleicht mal ein Start-up ansiedele, das sich dann zu einem Weltunternehmen entwickelt: „Das hatten wir vor 150 Jahren auch.“

Die Kritik an einem Logistikstandort will der noch amtierende Oberbürgermeister jedoch nicht als grundsätzliche Kritik an einer Ansiedlung der Deutschen Post auf dem Areal verstanden wissen: Die möchte auf dem Grundstück nämlich ein neues Zentrum für die 74 Offenbacher DHL-Paketzusteller errichten. Laut der Immobilienberatung Knight Frank, die für Mercedes das Bieterverfahren für die Grundstücke abwickelt, hat eine „Vielzahl“ von Bietern Interesse an den Gewerbeflächen im Offenbacher Osten angemeldet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum