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SPD-Parteitag Hessen-SPD stärkt Schäfer-Gümbel

Die hessische SPD schickt Thorsten Schäfer-Gümbel mit einem starken Votum als Spitzenkandidat in die Landtagswahl. Seit der Abweichler-Krise im Ypsilanti-Jahr 2008 hat er die Partei wieder zusammengeführt.

Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hält auf dem SPD-Landesparteitag in Bad Hersfeld eine Grubenlampe und einen Steigerstock hoch. Die Bergmansutensilien wurden ihm als Glücksbringer von Mitgliedern des Bergmannsvereins Glückauf Wintershall überreicht. Foto: dpa

Mit Selbstbewusstsein streben Thorsten Schäfer-Gümbel und seine SPD den Regierungswechsel in Hessen an. „Ich will dieses Land verändern mit Eurer Unterstützung“, rief der Parteivorsitzende seinen Genossen am Samstag beim Landesparteitag in Bad Hersfeld zu.

Die Delegierten wählten Schäfer-Gümbel mit 97,8 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 22. September. Er bekam 311 von 318 gültigen Delegiertenstimmen. Fünf stimmten mit Nein, zwei enthielten sich. Auf der Liste folgen die Innenpolitikerin Nancy Faeser, der parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Günter Rudolph, die Schulpolitikerin Heike Habermann und der Vorsitzende der hessischen Ausländerbeiräte, Corrado Di Benedetto.

Zumindest seine Partei hat der 43-jährige Politologe aus Mittelhessen innerhalb von gut vier Jahren ganz erheblich verändert. 2008 hatte er eine verunsicherte und gespaltene SPD übernommen. Unter seiner Vorgängerin Andrea Ypsilanti war die SPD innerlich zerrissen, was dazu führte, dass vier Abgeordnete aus den eigenen Reihen ihre Wahl zur Ministerpräsidentin verhinderten. Mühsam und fleißig hat Schäfer-Gümbel die Flügel zusammengeführt. Er selbst hat sich als unangefochtene Führungsfigur der Landes-SPD etabliert und besitzt gute Chancen, nächster Ministerpräsident Hessens zu werden – nach 15 Jahren Vorherrschaft der CDU. Auch Schäfer-Gümbels Vorgängerin Andrea Ypsilanti tritt wieder zur Landtagswahl an. Sie wurde am Samstag auf Platz sechs der Landesliste nominiert.

Mehr Frauen ins Schattenkabinett

Der bisher letzte sozialdemokratische Ministerpräsident Hessens, Hans Eichel, erinnerte in Bad Hersfeld an diese Vorgeschichte. „Als wir am tiefsten Punkt waren, hat Thorsten Schäfer-Gümbel die Führung übernommen“, sagte Eichel. „Wir alle zusammen und Thorsten haben diese Chance genutzt.“

Auch Schäfer-Gümbel schaute in seiner gut einstündigen Rede kurz zurück, als er die Gastrednerin Malu Dreyer lobte, die SPD-Regierungschefin von Rheinland-Pfalz. Die SPD des Nachbarlandes habe ganz fest an der Seite der hessischen Genossen gestanden, „auch in Zeiten, als es in Hessen schwierig war“, formulierte Schäfer-Gümbel. „Ihr habt Euch nicht weggeduckt.“

Der Spitzenkandidat kündigte an, dass er mehr Frauen als Männer für sein Schattenkabinett  nominieren  werde. „Ich weiß, dass ich damit den einen oder anderen Mann schon erschreckt habe“, fügte er hinzu. In dieser Woche hatte Schäfer-Gümbel die Gewerkschaftsfunktionärin Bärbel Feltrini als mögliche Arbeits- und Sozialministerin vorgestellt. Auch diese Personalie weckte Erinnerungen an bessere Zeiten der SPD, denn sie ist die Tochter des früheren hessischen Sozialministers Armin Clauss (SPD). Auf der Landesliste sind mehr als 40 Prozent der Kandidaten weiblich.

Kampfabstimmung um Platz 19

Umkämpft war in Bad Hersfeld lediglich die Platzierung des hessischen Juso-Vorsitzenden Pascal Barthel. Der 28-jährige Politikwissenschaftler aus Osthessen warb darum, ihn als Vertreter der „Zukunft der Partei“ auf Platz 19 zu setzen statt wie vorgesehen erst auf Platz 37. In der Kampfabstimmung unterlag Barthel jedoch dem Idsteiner Juristen und Landtagsabgeordneten Marius Weiß, der mit 38 Jahren ebenfalls zu den Jüngeren zählt. Weiß setzte sich deutlich mit 213 zu 98 Stimmen durch.

Parteichef Schäfer-Gümbel hatte Weiß unterstützt. Es gehöre zu den Prinzipien der SPD, die amtierenden Abgeordneten an vordere Plätze zu stellen, die allesamt „einen hervorragenden Job“ gemacht hätten, sagte der Vorsitzende. Außerdem wolle die SPD rund 45 Mandate holen – da reiche auch Platz 37 für den Einzug ins Parlament, gab Schäfer-Gümbel zu bedenken.

 

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