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Soziales in Wiesbaden Streit um Jugendwerkstatt in Wiesbaden

Nach dem Rücktritt des langjährigen Geschäftsführers der Wiesbadener Jugendwerkstatt machen der frühere OB Achim Exner und der frühere Staatsminister Jörg Jordan (beide SPD) der Stadt Vorwürfe.

Domäne Mechtildshausen
Trotz der Querelen soll die Domäne Mechtildshausen erhalten bleiben, zumindest vorerst. Foto: Rolf Oeser

Nach monatelangem Streit um seine Person und die Wirtschaftlichkeit der Wiesbadener Jugendwerkstatt (WJW) hat der langjährige Geschäftsführer Jörg Bourgett am Montag sein Amt niedergelegt. Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD), der nach eigenen Worten auf den Rücktritt vorbereitet war, hat bereits neue Geschäftsführer eingesetzt. Ralph Schüler und Rainer Emmel, beide Geschäftsführer der WVV Holding, und der frühere Handlungsbevollmächtigte der WJW, Winfried Kühnl, sollen so lange die Geschicke der Jugendwerkstatt leiten, bis das Unternehmen in etwa zwei Jahren neue Ziele definiert hat.

Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) ist bereit, sich Anfang Dezember zum Aufsichtsratsvorsitzenden wählen zu lassen. In den fünf Standorten der WJW, von denen die Domäne Mechtildshausen der größte ist, erhalten schwer vermittelbare Jugendliche eine zweite und dritte Chance für eine Ausbildung.

Die Stadt möchte an der Jugendwerkstatt festhalten. Derzeit spricht niemand davon, einen Standort zu schließen. Die WJW verfüge über eine gute Eigenkapitalausstattung, aber eine geringe Liquidität, sagt Emmel. Nachdem sich die neuen Geschäftsführer einen Überblick verschafft haben, möchten sie 2018 die WJW umstrukturieren.

Der Personalwechsel kommt nicht nur für den OB nicht unerwartet. Seit dem Sommer ist die WJW im Gerede, weil sie erstmals in ihrer 33-jährigen Geschichte einen Kassenkredit von 1,5 Millionen Euro benötigte und ein zweiter, ein siebenstelliger Betrag, jetzt fällig ist. Zudem gilt Bourgett nicht gerade als einfach. Manjura, in dessen Aufgabenfeld die WJW liegt, spricht von „schwieriger Kommunikationskultur“, streicht jedoch auch die Verdienste des 70-Jährigen hervor, der die WJW drei Jahrzehnte ehrenamtlich leitete und zu einem ökologischen und sozialen Vorzeigeprojekt machte.

Hintergrund des Konflikts ist, dass Bourgett von der Stadt erwartete, sie zahle wie in den vergangenen Jahren für 220 Jugendliche die Ausbildung. Manjura hielt dagegen, der Wirtschaftsboom mache nicht mehr die volle Zahl der Hilfestellungen erforderlich. Die Stadt überwies nur noch 155 junge Menschen zur WJW. Bourgett erhebt zudem weitere schwere Vorwürfe gegen die Stadt. OB Gerich soll gesagt haben, dass der zweite Kassenkredit so lange nicht ausgezahlt werde, wie Bourgett im Amt sei. Außerdem habe die Stadt nicht auf seine Vorschläge reagiert, wie die Misere zu beheben sei. Mit seinem Rücktritt habe er die aus seiner Sicht bestehende Blockadehaltung der Stadt gegenüber sachorientierten Entscheidungen für die WJW auflösen wollen, schreibt Bourgett dem OB; der Brief liegt der FR vor.

Zwei berühmte Persönlichkeiten schlagen sich auf seine Seite. Der frühere Oberbürgermeister Achim Exner (SPD) hält die Vorwürfe, Bourgett habe ineffektiv gewirtschaftet, für unberechtigt; Hauptgrund für die Schieflage sei die reduzierte Zahl der zugewiesenen Auszubildenden. Ebenso argumentiert der frühere Staatsminister Jörg Jordan (SPD), beides Weggefährten Bourgetts. Jordan sagt, es sei beschämend für die Wiesbadener SPD, dass ausgerechnet SPD-Politiker für die Einsparungen bei der WJW verantwortlich seien.

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