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Soziale Netzwerke Das Internet wirklich kennenlernen

Bilder verschicken und mit Freunden chatten geht leicht. Aber wer weiß schon, dass vieles, was online möglich ist, vielleicht illegal ist? Die Initiative BG 3000 klärt jetzt auch in Hessen Schüler und Schülerinnen über Risiken und Möglichkeiten digitaler Medien auf.

Kommunizieren auf dem Smartphone klappt prima. Aber wer liest und sieht, was man dort tut? Foto: Reuters

Ein weit verbreitetes Vorurteil besteht darin, jungen Menschen (sagen wir, den unter 30-Jährigen) zu unterstellen, sie seien als Digital Natives mit dem Internet und seinen Möglichkeiten auf Du und Du. Tatsächlich gibt es berechtigte Zweifel daran, ob die Generation, die mit Google, Facebook und Youtube aufgewachsen ist, wirklich weiß, was sie da tut, wenn sie surft, streamt und alles Mögliche online teilt, liked und konsumiert.

„Ich bin wirklich erstaunt und erschrocken, was Kinder von zwölf oder 13 Jahren alles über sich schreiben“, sagt Jaqueline Bloem. Die Medienproduzentin und Schlagersängerin hat selbst zahlreiche Follower auf ihren digitalen Plattformen. „Die wissen einfach nicht, welche Tragweite es hat, wenn sie nicht nur ihren Namen, sondern auch gleich Adresse, Handynummer und all ihre Hobbies aufschreiben, wo es jeder lesen kann“, sagt die 27-Jährige. Schließlich tummeln sich im Internet auch zahlreiche Menschen, die die Gutgläubigkeit und Unwissenheit anderer auszunutzen wissen.

Bloem gehört zu dem Team aus Referenten und Referentinnen, das am Gelnhäuser Grimmelshausen-Gymnasium drei Tage lang versucht, die Gefahren, aber auch die vielen tollen Möglichkeiten von Internet und sozialen Medien Schülern und Schülerinnen bewusst zu machen.

„Kaum jemand weiß, dass schon das Weiterleiten von Fotos in Whatsapp oder anderen Messenger-Diensten in den meisten Fällen das Urheberrecht verletzt“, berichtet Severin Müller-Riemenschneider. Der Rechtsanwalt aus Frankfurt hat es in der Praxis beinahe wöchentlich mit Fällen zu tun, wo um den missbräuchlichen Umgang mit Fotos oder Texten gestritten wird.

„Meist geht es um Mobbing, das schon Monate oder Jahre passiert“, sagt Müller-Riemenschneider. Irgendwann platze dann einem der Beteiligten – meist den Eltern von Mobbing-Opfern – der Kragen, und sie klagten dagegen, dass Bilder ihrer Kinder mit bösen Kommentaren herumgereicht würden. „Strafrechtlich wird das meist wenig geahndet, weil auch die Verursacher häufig minderjährig seien“, sagt der Anwalt. Aber weil die Bilder eben rechtswidrig genutzt würden, werden häufig zivilrechtlich Abmahnungen ausgesprochen. „Das kostet die Schuldigen dann schnell fast 900 Euro“, sagt Müller-Riemenschneider. „Das wirkt.“ Mit dem Mobbing sei dann meist Schluss.

Umgang mit digitalen Medien bewusst machen

Damit es erst gar nicht so weit kommt, hat das Grimmelshausen-Gymnasium als erste Schule in Hessen das Projekt BG3000 in seine Klassenzimmer geholt. „Natürlich gehen auch wir Lehrer im Unterricht mit digitalen Medien um“, sagt Oberstufenleiterin Ruth Venus-Koch. Doch dabei geht es mehr um fachliche Inhalte als um den Umgang mit Geräten und Internet-Angeboten selbst. Die zumeist jungen Referenten im Smart-Camp von BG 3000 kämen zudem bei den Jugendlichen meist noch viel glaubhafter rüber.

Anliegen von BG3000 sei es, den scheinbar so selbstverständlichen Umgang mit digitalen Medien bewusst zu machen, über Risiken aufzuklären, „aber vor allem auch die vielen tollen Möglichkeiten etwa für den Berufsweg aufzuzeigen, die das Internet bietet“, sagt Simone Stein-Lücke, die bei Bonn eine PR-Agentur betreibt.

Für Jaqueline Bloem gehört dazu auch, „dass man im Internet genauso anständig miteinander umgeht, wie man das sonst machen sollte. Oder dass ihr kleiner Bruder mal die Tür aufmacht und „hallo“ sagt, statt vom Nebenzimmer aus eine Nachricht auf dem Smartphone zu schicken.

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