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Sozialbericht Große Kluft zwischen Arm und Reich

Fast jeder Fünfte in Frankfurt lebt in Armut - mehr als jeder zehnte ist dagegen wohlhabend oder reich. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der FH Frankfurt. Von Jutta Ochs

07.12.2009 14:12
Jutta Ochs

Frankfurt. Fast jeder Fünfte in Frankfurt lebt in Armut, mehr als jeder zehnte ist dagegen wohlhabend oder reich. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Frankfurt so weit auseinander wie in kaum einer anderen hessischen Kommune. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Fachhochschule Frankfurt, Forschungszentrum demografischer Wandel.

Die am Montag veröffentlichten Daten stammen aus dem Mikrozensus 2004 bis 2007, der wiederum aus jährlichen Haushaltsbefragungen in Europa. Frankfurts Armuts-Quote von 18,2 Prozent sowie die Quote für gehobenen Wohlstand und Reichtum, zusammen 11,6 Prozent, gehörten hessenweit zur Spitzengruppe - "im positiven wie im negativen Sinne", heißt es in dem Bericht. Bei der Festlegung von Armuts- und Reichtumsgrenzen orientiert er sich an den Richtlinien der OECD (UN-Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit). Menschen gelten als arm, wenn sie weniger als 60 Prozent von einem berechneten mittleren Referenzeinkommen (Wert: 1400) zur Verfügung haben. Wohlhabend ist, wer ein mindestens doppelt so hohes Einkommen hat.

Arbeitslosigkeit und geringer Verdienst bilden laut Bericht der Fachhochschule in Frankfurt zunehmend ein Armutsrisiko. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt gestalte sich "mittlerweile eher schwierig": Die Erwerbsquote sei hessenweit fast am niedrigsten. Gleiches gilt für den Anteil an erwerbstätigen Frauen, der noch zwei Jahre zuvor in Frankfurt den höchsten Wert angenommen hatte. Zudem zeige sich eine starke Benachteiligung von Haupt- und Realschulabsolventen. Positiv sei der eher hohe Beschäftigungsgrad älterer Arbeitnehmer. Doch auch hier ist laut Untersuchung der Anteil im Vergleich zum Jahr 2006 deutlich (minus sieben Prozentpunkte) gesunken.

Minijob sund Teilzeit spielen "prominente Rolle"

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs oder Teilzeit spielten eine "durchaus prominente Rolle". Für Menschen, die einer geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgehen, stelle diese in 87 Prozent der Fälle die einzige Erwerbstätigkeit dar.

Zugleich würden "systematische Benachteiligungen von einigen sozialstrukturellen Gruppen" deutlich: Das Armutsrisiko von Familien mit mehreren Kindern und Alleinerziehenden sei "beträchtlich". Folglich wachsen auch Kinder und Jugendliche "zu bedenklich hohen Anteilen" in ärmlichen Verhältnissen auf. Erwartungsgemäß zeige sich auch für Erwerbslose und Menschen mit Migrationshintergrund ein erhöhtes Armutsrisiko.

Dagegen scheinen ältere Menschen dank ihrer "ungebrochenen Erwerbsbiografien" derzeit eher unterdurchschnittlich von Armut betroffen zu sein. Das allerdings könne sich laut Bericht in wenigen Jahren wieder ändern.

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