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Siemens in Offenbach IHK sieht Chancen für Siemens-Beschäftigte

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) stellt die drohende Siemens-Schließung in Offenbach zwar einen „herben Rückschlag“ dar. Die betroffenen Mitarbeiter hätten aber gute Jobchancen.

Siemens
Der Standort Offenbach ist stark bedroht. Foto: Monika Müller

Das Wort Schließung hat noch niemand in den Mund genommen. Doch dass Siemens den Offenbacher Standort im Kaiserleigebiet aufgeben und einen Teil der rund 700 Arbeitsplätze nach Erlangen verlagern will, gilt als sicher – auch wenn Politiker den Eindruck erwecken, als könne das Werk in Gesprächen mit der Konzernleitung möglicherweise noch gerettet werden.

Die Industriegewerkschaft (IG) Metall ist da realistischer: „Siemens will Offenbach dichtmachen“, sagte die IG-Metall-Bevollmächtigte Marita Weber bereits vergangene Woche. Was bedeutet die beabsichtigte Schließung für die Beschäftigten und für die einstige Industriestadt, in der seit Beginn der 1970er Jahre Tausende Arbeitsplätze im Maschinenbau, in der Chemiebranche sowie der Lederwaren- und Druckindustrie verloren gingen?

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach stellt die drohende Siemens-Schließung angesichts der „zuletzt stabilen Situation des Standortes“ zwar einen „herben Rückschlag“ dar. Die betroffenen Mitarbeiter hätten aber gute Jobchancen, meint IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller. „Der Bedarf an qualifiziertem Personal in der Region ist groß.“

Der für Standortpolitik zuständige IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach sieht das ähnlich. Der Fachkräftemangel sei enorm. Bis zum Jahr 2025 fehlten allein in Stadt und Kreis Offenbach 8000 qualifizierte Kräfte und weitere 1800 Akademiker. Auch Offenbachs Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger nannte die Perspektiven für die Siemens-Mitarbeiter gut. Bei ihnen handelt es sich größtenteils um Ingenieure, Konstrukteure und Projekteure. Amberger betonte, der Standort sei mit Aufträgen gut ausgelastet, das Unternehmen werde deshalb voraussichtlich noch zwei Jahre in Offenbach bleiben.

Nach Angaben des Leiters des Offenbacher Jobcenters, Matthias Schulze-Böing, bleibt die drohende Siemens-Schließung für den lokalen Arbeitsmarkt möglicherweise ohne große Konsequenzen. Als Beispiel führte er den Kraftwerksbauer Areva an, der Mitte 2016 den hiesigen Standort geschlossen hatte - doch von den dort zuletzt 560 Beschäftigten hätten nur zehn Prozent in Offenbach gewohnt. Auch Schulze-Böing bezeichnet die Jobaussichten für Arbeitnehmer mit technischen Qualifikationen als „außerordentlich gut“.

Der Wirtschaftsförderer sieht die Stadt dennoch in einem Dilemma. Zwar werde es sehr wahrscheinlich gelingen, die wegfallenden Arbeitsplätze zu kompensieren und neue Unternehmen anzusiedeln. Schließlich sei Offenbach mit dem Masterplan gut aufgestellt und die Nachfrage nach Gewerbeflächen sei zuletzt deutlich gestiegen. Nach dem wirtschaftlichen Aderlass der vergangenen Jahrzehnte brauche die Stadt aber ein „Wirtschaftswachstum, auch um die Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen“.

Tatsächlich kann Offenbach zwar Ansiedlungen, etwa von Evonik oder dem Versicherungsunternehmen Axa verbuchen. Auch die Hessische Landesbank wird ihren größten Standort in der Region im Kaiserleigebiet aufbauen. Doch der Verlust industrieller Arbeitsplätze nagt an dieser positiven Entwicklung. In den vergangenen Jahren gingen in Offenbach etwa 2000 Industriearbeitsplätze verloren, unter anderem bei MAN-Roland und Areva. „Wir stehen in einem ewigen Wettbewerb“, macht Amberger deutlich, dass der Strukturwandel längst nicht abgeschlossen ist.

Überraschend nennt der Wirtschaftsförderer die Siemens-Pläne nicht. Jeder Zeitungsleser wisse, dass die Energiewende nicht ohne Folgen für das Kraftwerksgeschäft habe bleiben können. Für Amberger ist es bedauerlich, dass es Siemens nicht gelungen sei, sich „umzuorientieren“. Die Grünen-Landtagsfraktion wirft dem Unternehmen vor, „im Atom- und im fossilen Zeitalter steckengeblieben zu sein“. Die FDP sieht den Industriestandort Hessen dagegen „durch hysterische Klimaschutzpläne“ gefährdet.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Siemens - der Konzernumbau

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