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Shark City in Pfungstadt Verhärtete Fronten im Streit um Riesen-Aquarium

Haie in großen Schaubecken halten? Für Tierschützer ein Unding. Die Haie können wegen ihres Bewegungsdrangs nur in Freiheit leben, finden sie. Die Stadt Pfungstadt hat aber einem Riesen-Aquarium zugestimmt und hofft auf Einnahmen.

Hai-Becken
Die Haie sollen Besucher locken (Symbolbild). Foto: imago

Dass das Projekt emotional aufregt, war uns klar“, sagt Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch (SPD). In der Tat löste das geplante Hai-Aquarium „Shark City“ das seit 40 Jahren erste Bürgerbegehren in der Kommune im Landkreis Darmstadt-Dieburg aus. 2801 gültige Unterschriften sammelte dafür die Bürgerinitiative „Kein Indoor-Hai-Aquarium in Pfungstadt“. Offenbar umsonst.

Was vergangene Woche durchgesickert war, machte Koch jetzt offiziell: Der Magistrat empfehle den Stadtverordneten, das Bürgerbegehren in ihrer Versammlung am 25. September abzulehnen, weil es aufgrund der Rechtslage unzulässig sei, sagte er vor Journalisten. „Es gibt keinen Spielraum“, ergänzte der Leiter des Ordnungsamtes, Reiner Maurer. Hessischer Städtetag sowie Städte- und Gemeindebund monierten unter anderem das Fehlen eines Kostendeckungsvorschlags. Dass der notwendig ist, wusste die BI laut Mitinitiator Jochen Bier. Nur sei man davon ausgegangen, dass der Stadt durch die Rücknahme des Beschlusses „keine Kosten entstehen“, so Bier.

Allerdings würden der Kommune 3,2 Millionen Euro flöten gehen, die sie durch die geplante Veräußerung des Grundstücks im Industriegebiet an der B426 an Seven Seas Aquarium erhält. Zudem prognostizieren die Planer jährlich zwischen 550 000 und 700 000 Euro Gewerbesteuereinnahmen durch die Ansiedlung von Europas größtem Hai-Aquarium mit 100 Haien und 60 Mitarbeitern. Erwartet werden 550 000 Besucher pro Jahr.

Die BI kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Man müsse versuchen, die Gerichtskosten von 7000 Euro zu decken, sagte Bier. „Wir klären derzeit intern, ob eine Klage möglich wäre“, sagte Sprecherin Sabrina Müller. Einem Rechtsstreit sieht der Rathauschef entspannt entgegen. Auch mit einem Bürgerentscheid hätte er keine Probleme gehabt. Er sei überzeugt sei, dass „es nicht zu einer breiten Ablehnung durch die Bürger gekommen wäre“. Den „tiefen Riss“ in der Stadt spürten weder er noch die Stadtverordneten.

Anders empfinden die Gegner: Die Bürger seien enttäuscht, weil sie nicht vor der Entscheidung über das Projekt informiert worden seien, so Müller. Ihre Hauptmotivation sei aber das Tierwohl: „Einen drei Meter langen Hai in einem 38 Meter langen Becken halten zu wollen, ist ein Unding.“ Ob derart große Haie gezeigt werden sollen, wollte der Betreiber weder dementieren noch bestätigen. „Wir werden den vorgesehenen Besatz zuerst mit dem Veterinäramt besprechen und genehmigen lassen“, teilte der zoologische Leiter Alexander Dressel der FR mit. Aktive Hochseehaie seien längst ausgeschlossen. Man wolle sich auf bis zu 36 Haiarten mit überwiegend kleineren Tieren konzentrieren.

Auch fürchtet die BI erhöhtes Verkehrsaufkommen durch rund 500 Besucherautos am Tag. Sie arbeitet mit einigen Tierschutzorganisationen zusammen. Auch Sharkproject, die schon gegen das ursprünglich im baden-württembergischen Sinsheim geplante Aquarium gekämpft haben, machen sich in Pfungstadt stark. Sie haben unter anderem Flugblätter verteilt und zeigen Bilder mit blutbesprenkeltem Ortsschild von Pfungstadt.

Das kritisiert der Hai-Verhaltensforscher und Schirmherr des Projekts, Erich Ritter, scharf. Über die Kritiker sagt er: „Sie stellen sich gegen ein Aquarium und meinen, dass sie den Haien was Gutes tun.“ Laut den Betreibern soll „Shark City“ auch dem Schutz der Haie in den Weltmeeren dienen. Über öffentliche Aufmerksamkeit könne eine Lobby für Haie aufgebaut werden.

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