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Sexualkundelehrplan Neuausrichtung der Sexualerziehung in Hessen

Seit diesem Schuljahr gilt in Hessen ein neuer Sexualkundelehrplan. Schülern solle die „Vielfalt sexueller Orientierungen“ vermittelt werden. In Baden-Württemberg war die Neuerung heftig umstritten.

In Stuttgart ist die Neuausrichtung der Sexualerziehung heftig umstritten. In Hessen wurde der neue Lehrplan einfach eingeführt. Foto: imago

An den hessischen Schulen gilt seit wenigen Tagen ein neuer „Lehrplan Sexualerziehung“. Erstmals wird damit die „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“ zu einem Ziel des Sexualkundeunterrichts an den Schulen erklärt.

Der alte Lehrplan stammte von 2007. Der sei „fachlich-inhaltlich und rechtlich überholt“ gewesen, sagt Stefan Löwer, der Sprecher von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Im Lehrplan heißt es entsprechend, die „Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens“ wandelten sich. „Neben der Ehe und Familie“ würden „auch nichteheliche Partnerschaften, Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und andere individuelle Beziehungsformen gelebt“.

Lehrkräfte sollen ihre Schülerinnen und Schüler daher nicht nur über „die Bedeutung von Ehe, Lebenspartnerschaften und Familie“ oder über „Vorgänge der körperlichen Entwicklung und körperlichen Reifung“ aufklären. Sie sind auch angehalten, über „die Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten“ sowie über die Möglichkeiten eines „Coming-out“ zu informieren.

Kirche hatte Einwände

Auch Prävention gegen sexuellen Missbrauch ist im Lehrplan verankert. Bereits Grundschulen sollen dies unter dem Motto „Ich sage nein“ vermitteln. An weiterführenden Schulen geht es auch um „die Scheinwelt der Sexualität in den Medien und den Umgang in sozialen Netzwerken“.

In Baden-Württemberg war die Neuausrichtung der Sexualerziehung heftig umstritten. In Hessen wurde der neue Lehrplan ohne Pressekonferenz oder Pressemitteilung eingeführt. Bekannt wurde er durch Berichte des Hessischen Rundfunks.

In der Koalition mit der CDU hatten sich die Grünen dafür starkgemacht, Schüler über sexuelle Vielfalt aufzuklären. Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner spricht von einem „Schritt nach vorn“. Auf die Frage, ob Widerstände in der CDU überwunden werden mussten, antwortet er vieldeutig: „Wir sind am Ende zu einem guten Ergebnis gekommen.“ CDU-Sprecher Christoph Weirich sagt, man habe „intensiv darüber diskutiert“.

Das Kultusministerium hatte gesellschaftliche Gruppen beteiligt, darunter Kirchen und Vertreter von Eltern und Schülern. Die katholische Kirche machte Einwände geltend. Gegen den Lehrplan sprach sich der Landeselternbeirat aus. In der Elternorganisation hatte es gegensätzliche Auffassungen gegeben. Die Mehrheit wandte sich gegen den Begriff der „Akzeptanz“ für Lebensweisen jenseits der Heterosexualität. Sie hätten den Begriff „Toleranz“ bevorzugt. „Das ist der springende Punkt gewesen“, erläuterte der Vorsitzende Reiner Pilz. Das sei „ein Thema, wo Eltern sehr unterschiedliche Auffassungen haben“.

Die Landesschülervertretung freute sich, dass ihrem Wunsch Rechnung getragen worden sei, das Thema Schwangerschaftsabbruch im Unterricht der 13- bis 16-Jährigen zu besprechen. Vorher sei das nur in der Oberstufe vorgesehen gewesen, sagte Landesschulsprecher André Ponzi.

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