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Sexualkunde in Hessen Gegen Linke, Perverse und Säuglingsmörderinnen

In Hessen wirbt der gesamte rechte Rand des politischen Spektrums für die „Demo für Alle“. Der Kampf gegen den „perversen Zeitgeist“ ist ein gemeinsamer Nenner.

Demo von Rechten am 7. Oktober in Wetzlar. Foto: peter-juelich.com

Wie viele Menschen am Sonntagnachmittag auf den Wiesbadener Luisenplatz strömen werden, kann auch Hedwig von Beverfoerde nicht wirklich abschätzen. 2000 Teilnehmer hat die Organisatorin der sogenannten „Demo für Alle“ beim Wiesbadener Ordnungsamt angemeldet. „Es ist immer eine große Überraschung“, sagt die CDU-Politikerin, „wenn es mehr werden, freuen wir uns.“

Es waren schon mal mehr. Als Beverfoerde und ihr Bündnis „Für Ehe und Familie“ im Jahr 2015 gegen den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg mobil machten, demonstrierten bis zu 5000 Menschen auf dem Stuttgarter Schillerplatz gegen „Genderwahnsinn“ und „Frühsexualisierung“. Es war ein breites Bündnis, aber kein buntes. Tatsächlich versammelte sich auf der „Demo für Alle“ vor allem jener Teil des politischen Spektrums, der vom rechten, wertkonservativen Flügel der CDU über die AfD bis ganz nach rechts außen reicht. Auch in Wiesbaden dürfte dies wieder der Fall sein.

2015 ging es gegen die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung, die „Akzeptanz“ und „Toleranz“ gegenüber verschiedenen sexuellen Orientierungen und Lebensentwürfen als Lehrziel festzuschreiben. Ähnliches plant nun auch Schwarz-Grün in Hessen.

Von AfD bis NPD

Für die Organisatoren der „Demo für Alle“ versteckt sich dahinter der Versuch einer „Indoktrinierung“ von Kindern im Sinne der „Gender-Ideologie“. Ein Generalangriff auf althergebrachte Werte und die Familie. Eine Sichtweise, die auch von rechtsextremen Bewegungen in ganz Europa propagiert wird.

Wenig verwunderlich ist daher, dass fast alle rechten Gruppierungen in Hessen die „Demo für Alle“ zumindest bewerben oder zur Teilnahme aufrufen. Dazu zählen der Landes- und mehrere Ortsverbände der Alternative für Deutschland (AfD) sowie ihrer vermeintlich moderateren Abspaltung Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa).

„Die hessische Landesregierung vergreift sich an unseren Kindern“, lautet die alarmistische Überschrift einer Pressemitteilung des hessischen AfD-Sprechers Albrecht Glaser. Seine Partei ruft direkt dazu auf, sich an der Demonstration zu beteiligen. Der Kampf gegen den „perversen Zeitgeist“, wie es AfD-Rechtsausleger Björn Höcke unlängst formulierte, ist ein gemeinsamer Nenner, der die unterschiedlichsten Strömungen der politischen Rechten eint. Sie alle wähnen sich im Abwehrkampf gegen eine extrem liberale, modernistische Gesinnungsmaschinerie, die die Abschaffung der „klassischen Familie“ betreibt – und damit die Keimzelle ihres Allerheiligsten bedroht: die Nation.

Diesem Grundkonsens hängen sowohl verschiedene fundamentalistische Strömungen der beiden großen Kirchen in Deutschland an als auch beispielsweise die völkische Identitäre Bewegung. Zwischen all diesen Lagern gibt es auch personelle Überschneidungen. Patrick Andreas Bauer etwa, AfD-Kreistagsabgeordneter im Main-Taunus-Kreis, stammt ursprünglich aus dem Umfeld der evangelikalen Pegida-Frankfurt Gründerin Heidi Mund und war kurzzeitig bei den Identitären aktiv. Auch er und sein AfD-Ortsverband Main-Taunus trommeln kräftig für die „Demo für Alle“.

Auch die NPD Hessen ruft seit Anfang dieser Woche mit einer eigenen Videobotschaft zur Teilnahme an der Demonstration auf. „Wir wehren uns gegen die familienfeindliche Gender-Ideologie und fehlgeleitete Frühsexualisierung unserer Kinder“, erklärt darin Stefan Jagsch, NPD-Kreistagsabgeordneter in der Wetterau. Und auch die Kameradschaftsszene macht mobil. Unter anderem fordern die Autonomen Nationalisten Groß-Gerau ihre Anhänger auf, nach Wiesbaden zu kommen.

Der Zuspruch vom offen rechten Rand ist den Organisatoren der Demonstration unangenehm: „Mit extremistischen Gruppen wollen wir nichts zu tun haben“, erklärt Hedwig von Beverfoerde im Gespräch mit der FR. Bei der Veranstaltung selbst werde man zudem darauf achten, dass keine Parteizeichen oder Fahnen gezeigt würden. Sie werde das im Vorfeld der Demonstration auch noch einmal kommunizieren, so Beverfoerde.

Dass dies Hessens Rechtsextreme von einer Teilnahme abhält, darf bezweifelt werden. Vielleicht wird man sie nicht auf den ersten Blick erkennen, aber sie werden da sein. „Demo für Alle: läuft“, verkündete unlängst ein Aktivist der Identitären aus Frankfurt selbstsicher auf Twitter, „ob Linke, Perverse und Säuglingsmörderinnen es wollen oder nicht“.

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