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Seidel GmbH & Co. KG aus Marburg Dufte Hüllen

Viele Weltmarken der Kosmetik kommen in Tiegeln und edlen Flakons aus Marburg. Das Traditonsunternehmen Seidel ist damit unter den Weltmarktführern. Von Gesa Coordes

Seidel stellt Flakons und Zerstäuber her. Foto: dpa

Eigentlich ist Andreas Ritzenhoff Arzt. Ordentliche Arbeitsbedingungen und gute Atmosphäre liegen dem Chef des 650-Mann-Betriebes deshalb am Herzen. Seit er vor 24 Jahren in das Familienunternehmen Seidel in Marburg eingestiegen ist, hat sich die Zahl der Mitarbeiter mehr als verdoppelt, der Umsatz vervierfacht.

Seidel ist unter den Weltmarktführern für Zubehör der Kosmetik-Industrie. Cremetiegel, Lippenstifte, Wimperntusche und Parfümverschlüsse aus Marburg stehen in Badezimmern der ganzen Welt. Täglich werden bis zu zwei Millionen Hülsen, Kappen, Zerstäuber und Deckel für Gucci, Boss, Lacoste, Estée Lauder oder L´Oréal in drei Werken im Kreis Marburg-Biedenkopf produziert.

Ritzenhoff arbeitete bereits als angehender Internist, als er ins Unternehmen gerufen wurde. Vater Hermann brauchte Unterstützung, weil er eine neue Firma in den USA aufbaute. Der Sohn kümmert sich seitdem um den Standort Marburg. Die Umsatzzuwächse gehen vor allem auf das ausgebaute Sortiment zurück. Früher war Seidel Zulieferer der Zulieferer, heute produziert das Unternehmen direkt für die großen Marken. Paradebeispiel ist die Hugo-Boss-Kugel, die sogar zum Sammlerobjekt wurde.

Keine Produktionsverlagerung

Die Produktion ins Ausland zu verlagern, hat Ritzenhoff nie ernsthaft erwogen. 2004 errichtete er ein neues Werk vor den Toren Marburgs: "Da haben uns einige den Vogel gezeigt", sagt der 53-Jährige. Doch Ritzenhoff hat gute Erfahrungen mit der qualifizierten Belegschaft gemacht.

"Mitarbeiter werden unterschätzt", glaubt er, und hat deswegen ein Führungssystem aufgebaut, in dem die Beschäftigten selbst Verbesserungen vorschlagen und erproben können: "Da gibt es wirklich Dynamik", sagt er. Die Mitarbeiter danken es mit Verbundenheit. Obwohl das Unternehmen schon in den Neunzigerjahren aus dem Arbeitgeberverband austrat und in den unteren Lohngruppen unter Tarif zahlt, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Karl-Heinz Mappes über Ritzenhoff: "Die Belegschaft steht hinter ihm."

Einen guten Ruf hat Seidel bei der Bearbeitung von Aluminium. Als erster Hersteller veredelt die Firma Aluminiumoberflächen ohne Schwermetalle beim elektrolytischen Glänzen. Dafür wurde das Unternehmen mit dem hessischen Umweltpreis ausgezeichnet. Seit 2007 hat Seidel eine eigene Forschungsabteilung, die mit der Marburger Philipps-Universität und anderen Uni-Labors zusammenarbeitet. Dabei geht es vor allem um Oberflächenstrukturen.

So gibt es Aluminium, das wie Keramik aussieht, keine Fingerabdrücke annimmt oder sich wie Samt anfasst. Aktuell wird vor allem über die Frage geforscht, wie eine Gefäßwand beschaffen sein muss, damit sich Creme vollständig herausdrücken lässt. Ritzenhoff ist auch Mitbegründer der Initiative Bio- und Nanotechnologie und seit 2010 Technologiebeauftragter des Landes Hessen. Er berät das Wirtschaftsministerium rund um Nanotechnologie und Materialwissenschaften.

Unter der Wirtschaftskrise hat Seidel nach eigener Einschätzung weniger gelitten als viele Konkurrenten: 2009 gab es Kurzarbeit und einen Umsatzeinbruch um zehn Prozent. Befristete Verträge wurden nicht verlängert. Doch jetzt wird wieder eingestellt. Ein neues Standbein sind Eigenmarken der Discounter. Zudem hat Seidel eine eigene Produktlinie mit Raumduftsystemen sowie edlen Windlichtern für den Designhandel entwickelt. Passend zur Fußballweltmeisterschaft derzeit auch in schwarz-rot-gold als Deutschlandtürmchen erhältlich.

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