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Schwarzarbeit und Menschenhandel Moderne Arbeitssklaven im Rhein-Main-Gebiet

Auf einigen Gebäuden in der Wohnsiedlung Lehrhöfer Park in Hanau sollen Bulgaren ohne Arbeitsverträge beschäftigt und kaum bezahlt worden sein. Und ständig werden neue Männer rekrutiert.

Lehrhöfer Park Hanau
Harte Arbeit wartet auf den Baustellen im Rhein-Main-Gebiet auf Männer aus Osteuropa. Der versprochene Lohn bleibt oft aus. Foto: Monika Müller

Auch Stanislav K. (Name geändert) läuft seinem Geld hinterher. Mindestens seit Ende 2017, seit Dolphin Trust die Gebäude an die Berliner Gesellschaft SIM verkauft hatte. Stanislav K. ist Bulgare, Kleinunternehmer und beschäftigte auf den drei Baustellen in der Suttner-Straße und Lehrhöfer Heide fünf eigene Arbeiter. Den „Vermittler“ Georgi D. aber kenne er schon länger, erzählt Stanislav K. Denn bis Ende 2017 hatte er noch für eine bulgarische Firma aus Svishtov an der Donau (Name ist der Redaktion bekannt) gearbeitet, die von GSP mit der Sanierung der Kasernengebäude im Lehrhöfer Park in Hanau beauftragt gewesen sein soll. Schon damals habe er seinen Lohn nur bar erhalten, sagt Stanislav K. Viele Bulgaren und Rumänen seien schon da genötigt worden, Gewerbe anzumelden, sobald sie in Deutschland waren. Und Georgi D., ein Freund des damaligen Geschäftsführers Vasilev P., sei bereits als „Vermittler“ aufgetreten. Als die Firma Ende 2017 die Steuerfreistellung für Deutschland verloren habe, habe ihn Vasilev P. gebeten, sich selbstständig zu machen und die Arbeit in Hanau fortzuführen.

Doch Rechnungen, die der Neuunternehmer Stanislav K. nun an das Generalunternehmen GSP schrieb, seien unregelmäßig und unzureichend bezahlt worden, erzählt Stanislav K. Trotzdem habe ihn „Vermittler“ Georgi D. zweimal genötigt, weitere Aufträge im Lehrhöfer Park zu übernehmen, wenn er sein restliches Geld noch haben wolle. Zudem habe er quittieren müssen für Geld, das er nie erhalten habe. Es sollen die Beträge gewesen sein, die Georgi D. bar an die Rückkehrer der Gruppe von Petko T. gegeben habe.

Auch nach dem formalen Ausstieg der bulgarischen Firma hätten Georgi D. und Vasilev P. weiter mitkassieren wollen. Von Stanislav K. hätten sie hohe „Provisionen“ gefordert. Doch der Kleinunternehmer weigerte sich. Deshalb hätten Georgi D. und Vasilev P. Anfang 2018 – mit Hilfe weiterer Hintermänner aus dem Raum Magdeburg – die Berliner Firma Bebas Bauservice GmbH zwischengeschaltet. Die wurde erst Ende 2017 gegründet und sitzt mit fast 200 weiteren Firmen am Kurfürstendamm 194. Bebas soll nun das Geld für die Arbeit von Stanislav K. und seinen Angestellten kassieren und überweist ihm statt der bisherigen 20 Euro nur noch 12 pro Stunde.

Stanislav K., der kein Deutsch spricht und mit der Situation zunehmend überfordert war, holte sich bereits im Januar 2018 Hilfe in einem Beratungsbüro für ausländische Unternehmer in Hanau. Dort bestätigt man: Stanislav K. sei nicht mehr in der Lage, die Abgaben für seine Angestellten zu zahlen, und habe selbst nichts mehr, wovon er mit seiner Familie leben kann. Der Geschäftsführerin von Bebas, die zuvor nie geschäftlich in Erscheinung getreten war, und dem „Vermittler“ Georgi D. telefoniere man wegen des Geldes seit März erfolglos hinterher.

FR-Anfragen bleiben unbeantwortet

Fast alle Anfragen der FR an die beteiligten Unternehmen bleiben unbeantwortet. Dolphin Trust sieht sich für Fragen, auch zu den Jahren 2016 und 2017, nicht zuständig, weil es die Projekttochter, die nach wie vor unter der Adresse von Dolphin Trust in Langenhagen residiert, Ende 2017 verkauft hatte. „Vermittler“ Georgi D. will nicht verraten, in wessen Auftrag oder für welches Unternehmen er arbeitet. Er kenne die Arbeiter im Lehrhöfer Park nicht, nennt aber den Namen seines „Chefs“: Sascha G., vermutlich einer der Hintermänner in diesem Konstrukt. Denn um ihn und weitere der FR namentlich bekannte Männer zieht sich ein weiteres Geflecht von Firmen im Raum Magdeburg, das mit dem Generalunternehmen GSP personell verbunden ist. Transporter vor den ehemaligen Dolphin-Trust-Gebäuden im Lehrhöfer Park tragen die Kennzeichen des Salzlandkreises. Arbeiter berichten, sie gehören Sascha G. Und im Salzlandkreis sind Gewerbe für Arbeiter im Lehrhöfer Park gemeldet.

Das Generalunternehmen GSP hat längst damit begonnen, weitere Gebäude im Lehrhöfer Park, in der Lehrhöfer Heide und in der Schäferheide zu sanieren – während Bebas weiter fleißig Anzeigen auf bulgarischen Jobportalen schaltet: Gesucht werden „qualifizierte Bauarbeiter“ und Bauleiter für Bauprojekte in Deutschland. Geboten wird: ein „gutes Gehalt“.

Petko T. ist längst zurück in Bulgarien, seine Angst war zu groß vor Georgi D., der die blauen Container im Lehrhöfer Park, in denen auch Petko T. geschlafen hatte, wütend nach ihm durchsucht haben soll. Das Geld fürs Benzin hat er von der Eberhard-Schultz-Stiftung für Menschenrechte und Partizipation bekommen.

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