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Schulen in Hessen Umsteuern gegen Lehrermangel

Die Universitäten in Frankfurt, Gießen und Kassel sollen mehr Lehramts-Studienplätze schaffen, um dem Lehrermangel in Hessen zu begegnen.

Internationale Klasse für Flüchtlingskinder
Flüchtlingskinder, so argumentiert die Koalition in Wiesbaden, haben den Druck auf die Grundschulen verstärkt. Foto: dpa

An den hessischen Hochschulen sollen mehr Lehrerinnen und Lehrer für Grund- und Förderschulen ausgebildet werden. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch verkündet.

Die Terminierung hatte ihren Grund. Kurz danach war eine Debatte im Landtag angesetzt, in der die SPD der Regierung vorwarf, zu spät auf den Mangel an Lehrkräften zu reagieren. Stattdessen rede sie sich die Situation als „Allzeithoch“ bei den Stellenzahlen schön.

Lorz hatte sich in der vorigen Woche mit Vertretern der Unis getroffen. Ziel sei es, Studienplätze für das Grundschul-Lehramt in Frankfurt, Gießen und Kassel sowie für Förderschulpädagogik in Frankfurt und Gießen zu schaffen, teilte das Ministerium jetzt mit. Außerdem sei an verstärkte Weiterbildung gedacht, um den Bedarf zu decken.

Umstritten war im Landtag, ob die Regierung den hohen Lehrerbedarf hätte absehen können oder nicht. Minister Lorz und die Redner der schwarz-grünen Koalition wiesen darauf hin, dass durch den Zuzug von Ausländern innerhalb von zwei Jahren fast 30 000 zusätzliche Schüler in Hessen angekommen seien.

1500 Klassen zusätzlich

„Das sind 1500 zusätzliche Klassen. Das ist mehr als ein halber Jahrgang“, machte Lorz deutlich. Die Vorstellung, dies sei vor dem Flüchtlingsandrang von 2015 absehbar gewesen, nannte der Minister „einfach absurd“.

Der SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen hielt dagegen. „Der eklatante Lehrermangel in Hessen ist keine Überraschung, sondern ein koalitionsgemachtes Problem“, stellte er fest. Die Landespolitik hätte Brandbriefe von Schulkollegien schon viel früher ernst nehmen und den Vorschlägen der Opposition folgen sollen. So habe das Kultusministerium bereits 2015 zugegeben, dass Lehrermangel an beruflichen Schulen und Förderschulen herrsche. Außerdem seien damals bereits „erhöhte Bedarfe für Grundschulen prognostiziert“ worden; geschehen sei aber nichts.

Diesem Eindruck widersprachen die Koalitionspolitiker Lorz, Armin Schwarz (CDU) und Daniel May (Grüne) energisch. Wegen der Einwanderung stiegen die Schülerzahlen erstmals seit 14 Jahren, sagte May. „Das war so nicht vorhersehbar.“

CDU und Grüne betonten, dass man trotzdem gut gewappnet sei, weil in Hessen noch zusätzliche Lehrerstellen geschaffen worden seien, als andere Länder abgebaut hätten. 800 Lehrerstellen seien im vergangenen und weitere 1700 im laufenden Haushaltsjahr hinzugekommen, erläuterte Schwarz.

In Hessen bestehe nun ein Bedarf an 300 qualifizierten Kräften für Lehrerstellen. In Nordrhein-Westfalen seien hingegen mehr als 4000 Lehrerstellen unbesetzt.

Keine Mehrheit fand sich für den Wunsch der SPD, eine Studie zur Arbeitsbelastung von Lehrerinnen und Lehrern in Auftrag zu geben. „Wir wollen keine Untersuchung, wir wollen handeln“, erklärte der Grüne Daniel May. „Und das tun wir auch.“ CDU-Mann Schwarz warf der SPD vor, sie verfolge das Ziel, „die Stimmung schlechtzumachen“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

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