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Schulen in Hessen Lorz verneint Unterrichtsausfälle

An Schulen in Hessen fällt nach Angaben von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) „im Regelfall“ kein Unterricht aus. Die SPD hält diese Behauptung für eine „Lachnummer“.

Schulen in Hessen
Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Foto: Rolf Oeser

An hessischen Schulen fällt „im Regelfall“ kein Unterricht aus. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Antworten auf parlamentarische Anfragen von SPD-Abgeordneten mitgeteilt. Unterrichtsausfall komme nur „in Einzelfällen aufgrund externer Effekte“ vor, „beispielsweise wenn an einer Schule kurzfristig und zeitgleich eine große Zahl von Lehrkräften an Grippe erkrankt“, schrieb Lorz.

Die Oppositionspolitiker wollten den Unterrichtsausfall detailliert aufgelistet bekommen und erkundigten sich in 15 Anfragen jeweils zum Bereich eines Staatlichen Schulamts. Lorz antwortete, dazu müsste jede der 1798 hessischen Grund- und weiterführenden Schulen einzeln abgefragt werden. „Dies würde zu einer zeitlich nicht vorhersehbaren Verzögerung der Beantwortung führen und Schulen und Schulleitungen zusätzlich zu ihren Belastungen weiteren Belastungen aussetzen“, argumentiert der Minister.

Der SPD-Schulpolitiker Christoph Degen schenkt der Begründung keinen Glauben. „Man hat Daten im Kultusministerium, ist aber nicht bereit, sie herauszugeben“, vermutete er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau am Dienstag. Eltern wüssten sehr gut, dass Unterricht nicht nur in Einzelfällen ausfalle, fügte Degen hinzu und verwies auf zahlreiche Berichte Betroffener, die bei ihm eingingen. Die Behauptung von Lorz sei eine „Lachnummer“.

Der Sozialdemokrat erinnerte auch an ein internes Papier zum Ausfall von Sportunterricht, das im vergangenen Jahr durch einen Bericht des Hessischen Rundfunks bekanntgeworden war. Darin hieß es, im vorletzten Schuljahr sei jede vierte Sportstunde nicht gehalten worden.

Viele fachfremde Lehrer

Anders als beim Thema Unterrichtsausfall gibt Lorz in seinen aktuellen Antworten ausführlich Auskunft zu der Frage, wie viel Unterricht „fachfremd“ erteilt werde. Das ist an Hauptschulen, Realschulen und integrierten Gesamtschulen üblich, an Gymnasien weniger, wie aus den vom ihm vorgelegten Zahlen hervorgeht. Ethik und Informatik, aber auch Kunst, Erdkunde, PoWi (Politik und Wirtschaft), Gesellschaftslehre und Geschichte werden besonders häufig von fachfremden Lehrkräften unterrichtet.

Lorz warnt davor, pauschal davon auszugehen, dass der Unterricht schlechter sei, wenn er nicht von einer Lehrkraft mit abgeschlossener Fachausbildung gehalten werde. Ein Pädagoge etwa, der seit 20 Jahren Mathematik unterrichte, werde statistisch als fachfremd eingestuft, wenn er kein Lehramtsstudium abgeschlossen habe.

Außerdem arbeiteten Schulen oft in „Teamstrukturen“, berichtet der Kultusminister. Dabei könne es „sinnvoll werden, dass Lehrkräfte eines Jahrgangs fachfremden Unterricht übernehmen“. Lorz verweist zudem auf das „Klassenlehrerprinzip“, nach dem die betreffende Lehrkraft vor allem an Hauptschulen ihre Schülerinnen und Schüler möglichst oft begleitet – auch in Fächern, die sie nicht studiert hat. Sozialdemokrat Degen lehnt das „Klassenlehrerprinzip“ nicht generell ab. Er frage sich aber, warum es nicht auf Gymnasien übertragen werde, wenn es so sinnvoll sei.
Alle Schulämter hatten gemeldet, dass es häufig fachfremden Unterricht an Haupt-, Real- und integrierten Gesamtschulen gebe, aber in weit weniger Fällen an Gymnasien. In fast allen Gegenden Hessens sind Ethik und Informatik die beiden Fächer, in denen am häufigsten fachfremde Lehrer eingesetzt werden.

Lorz erklärte, woran das im Fach Ethik liegt. Hier sei es zulässig, Unterricht von Religionslehrern erteilen zu lassen. Außerdem ließen sich 69 Lehrkräfte zu Ethiklehrern weiterbilden. Sie dürften bereits Ethik unterrichten, würden aber noch als fachfremde Lehrkräfte geführt.

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