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Schulen in Hessen Land will mehr Lehrer ausbilden

Kritiker machen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) für unbesetzte Stellen an Grund- und Förderschulen verantwortlich. Lorz will nun die Aus- und Weiterbildung von Lehrern stärken.

Für guten Unterricht braucht man nicht nur gute, sondern auch genug Lehrer. Die aber fehlen. Foto: dpa

Das Kultusministerium verstärkt die Anstrengungen, dringend benötigte Lehrkräfte für die Grund- und Förderschulen zu gewinnen. Wie Minister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch mitteilte, soll mehr Nachwuchs an den Universitäten ausgebildet werden, um den langfristigen Bedarf zu decken.

Zudem sollen Lehrkräfte aus anderen Bereichen durch Weiterbildungen für den Unterricht von Grundschülern und Schülern mit besonderem Förderbedarf qualifiziert werden. Bereits vor einer Woche hatte Lorz angekündigt, Pensionäre für diese Aufgabe gewinnen zu wollen.

Zugleich wächst die Kritik an der schwarz-grünen Landesregierung. „Der Lehrermangel kommt nicht überraschend, sondern hat sich seit langem abgezeichnet“, sagt etwa Christoph Degen, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Die Lehrerausbildung sei auf Sparflamme heruntergefahren worden, statt sie vorausschauend am Bedarf zu planen. Seine Fraktion will nun wissen, wo Stellen schon jetzt unbesetzt sind, um wie viele Stellen es sich handelt und wie viele Lehrkräfte in Zukunft gebraucht werden.

Auch die Linke sieht in dem Lehrermangel ein hausgemachtes Problem. Ein großer Fehler sei es, so deren bildungspolitische Sprecherin Gabi Faulhaber, dass Minister Lorz der Forderung nach gleicher Bezahlung für Lehrkräfte an Grundschulen wie an anderen Schulformen nicht nachkomme.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine „dauerhafte Aufwertung des Lehrerberufs“. Maike Wiedwald, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen, sagte, der zunehmende Bedarf an Lehrkräften habe seine Ursachen vor allem in dem Ausbau von Ganztagsschulen und der Umsetzung der Inklusion. Zudem gehe ein erheblicher Teil der Lehrerschaft in den Ruhestand.

Vor allem an Grundschulen in Frankfurt und in der Rhein-Main-Region sei schon zum Schuljahresbeginn 2016 deutlich geworden, dass viele Stellen nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung hätten besetzt werden können, so Wiedwald. Stellen für Förderschullehrkräfte könnten insbesondere in Nordhessen nicht besetzt werden. Darmstädter und Frankfurter Grundschulen hatten zudem in den vergangenen Wochen Brandbriefe an Lorz geschickt, in denen sie zu hohe Arbeitsbelastungen beklagten.

Das Ministerium hatte vergangene Woche eingeräumt, dass im Schuljahr 2017/2018 an Grundschulen Lehrkräfte in einem „niedrigen dreistelligen Bereich“ fehlen könnten. An Förderschulen liege die Zahl von Stellen, die nicht besetzt werden könnten, im zweistelligen Bereich.

Die Ursache für den Mangel sieht das Ministerium in der in den vergangenen 18 Monaten stark angestiegenen Schülerzahl. So seien rund 25 000 Kinder und Jugendliche als Zuwanderer oder Flüchtlinge nach Hessen gekommen. „Diese Entwicklung war nicht vorauszusehen“, sagt Lorz.

Die zeitlich befristete Reaktivierung von Pensionären könne dem Mangel kurzfristig abhelfen. Diese Maßnahme werde nun mittel- und langfristig ergänzt durch die Ausweitung von Qualifizierung und Ausbildung.

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